Wir spielen in Sosa im Wald jeden Samstag Fußball!

Viereckig kann jeder! Original spielt man Fußball nur mit sechs Ecken auf einer hügeligen Wiese im Wald. Das Fußballherz schlägt im tiefsten Erzgebirge, und zwar in Sosa auf dem Braaten Wag. Dort spielt man jeden Samstag 14 Uhr Fußball wie er war und sein sollte: ehrlich, ruppig und natürlich sechseckig.

Text:

Sunnobnd im Zwee giehts naus n Braaten Waag
do spielen mir Fußball wenn mer’s su nenne kaa
ob’s stürmt, ob’s schneit, ob’s reegnt,
mir pfeifen aaa

Unner Platz hot 6 Ecken un a e wengl Hang,
dos muss mer raus ham dr Ball springt annersch auf
Wenn de denkst dostes brengst, kumm raus
mir zähln diech aus

Mir sei gute Gunge – mir spielen im Wald!

Dos is ze weenig! Do muss dr Körper nei!
Spiel ner noch außen weg, eh de ne verlierst
Hand is Hand
Mir brauch net diskutieren

Do kimmt dr Fab un dr Hip und Hob
und von Nob dr Klaane, dr Alex
ah dr Bronx kriecht sei Chance
un dr Rein keppt enn neifer uns giehts um alles

Mir sei gute Gunge – mir spielen im Wald!

Isses manchmol ah weng ruppig
sei mir nort ah wieder gut, mr redt mol drieber un dann werd sot gelacht

Wu de auf Wurzeln stisst, wenn de ne Ecke tritts
gegn e Baumstamm schießt, der dort als Bande liecht
Wu unner Bauwogn stieht, un jeder jeden grießt is schie

Do is schie!
Sunnobend im Zwee uhme Braaten Weg!

Mir sei gute Gunge – mir spielen im Wald!

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl