Leipziger Wasserwerke nehmen mobilen Riesenbrunnen „Brunno“ in Betrieb

Leipzig. Drei Meter hoch und 420 Kilogramm geballte Edelstahlpower: Leipzigs neuer Riesentrinkbrunnen „Brunno“ ist nicht zu übersehen. Zum Pfingstwochenende nahm der Wasserspender erstmals den Betrieb auf dem Augustusplatz auf. Über zwei Entnahmestellen können Passanten bestes Leipziger Trinkwasser zapfen oder sich erfrischen. Für Vierbeiner gibt es eine Hundetränke. Künftig wollen die Leipziger Wasserwerke den neuen Wasserspender insbesondere bei Veranstaltungen einsetzen. „Wir rücken damit das Trinkwasser ganz besonders in den Fokus – der mobile Trinkbrunnen ist ein echter Hingucker und bietet zugleich doppelt die Möglichkeiten zur Wasserentnahme. Zudem erweitern wir damit unser Netz an Trinkbrunnen und schaffen völlig neue Möglichkeiten des Einsatzes“, sagt Mario Hoff, Leiter des Unternehmensbereichs Markt bei den Wasserwerken.

Inspirieren ließen sich die Wasserwerke vom Einsatz der mobilen Trinkbrunnen in Wien. Nach Besichtigung und Prüfung sind nun zwei Exemplare für Leipzig beschafft. „Damit wollen wir erste Erfahrungen sammeln. Neben dem 3-Meter-Brunnen gibt es noch ein kleineres 2-Meter-Modell“, sagt Hoff. Installiert werden die Brunnos auf Ober- oder Unterflurhydranten, beprobt durch das Betriebslabor der Wasserwerke und technisch betreut durch das Tochterunternehmen Bau und Service Leipzig GmbH.

„Brunno“ siegte bei Namensvoting der Mitarbeiter

Die Namensfindung für die Silbertürme haben die Mitarbeiter der Wasserwerke in einem internen Namensvoting organisiert. „Brunno – bewusst mit zwei -n-, klingt nicht nur sympathisch, sondern hat auch den Bezug zum Trinkbrunnen-Thema“, erklärt Stephan Riebe, der bei den Wasserwerken im Bereich Recht arbeitet. Gemeinsam mit Monteur Andreas Koch vom Enkelunternehmen LSI GmbH reichte er die Namensidee ein – und lag damit bei einer Abstimmung in der Gunst der Wasserwerke-Mitarbeiterschaft vorn.

Den wirklich großen Auftritt hat Brunno dann zur Fußball-EM ab dem 14. Juni. „In der Fan Zone auf dem Augustusplatz ist er eine echte Bereicherung und gibt Fans und Gästen hier einen Frischekick“, sagt Stefan Schmidt vom hiesigen Orga-Komitee. Der kleinere Brunno-Bruder kommt am Eingang zur Grimmaischen Straße zum Einsatz.

Weiterer EM-Trinkbrunnen auf dem Richard-Wagner-Platz

Darüber hinaus nehmen die Wasserwerke einen weiteren festen Trinkbrunnen in Betrieb: Der Brunnen in der schon bekannten Leipziger Edelstahl-Optik wird dauerhaft auf dem Richard-Wagner-Platz stehen und ist ein Geschenk aus einer bundesweiten Kampagne „EURO 2024 nachhaltig: ein Spiel – ein Trinkbrunnen“. Diese wird von a tip: tap e. V. in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund, dem Verband kommunaler Unternehmen und der Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft durchgeführt und vom Bundesumweltministerium (BMUV) gefördert. Aus über 700 Bewerbungen wurden bundesweit analog zur Anzahl der EM-Spiele 51 Gewinner-Standorte ausgelost. Neben Leipzig zählten auch die anderen Gastgeberstädte der UEFA EURO 2024 zu den Glücklichen.

Leipzigs Trinkbrunnennetz umfasst aktuell 24 Standorte in Stadt und Region, weitere Inbetriebnahmen sind 2024 in Schkeuditz sowie in Böhlitz-Ehrenberg und am Rabet geplant. Die Trinkbrunnen funktionieren vorwiegend auf Knopfdruck und verfügen über einen automatischen Spülintervall. Sie laufen in der frostfreien Zeit von April bis Oktober. Alles zu den Leipziger Trinkbrunnen auf www.L.de/meinbrunnen.

Schokoladentradition in Dresden zwischen VEB Elbflorenz und Neuanfang

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn Werner Mühle von früher erzählt, kann er die Temperatur der Schokolade noch immer an der Oberlippe spüren. Teaser: Fast vierzig Jahre lang stand er in den Hallen des VEB Elbflorenz, erst als Lehrling, später als Obermeister. Seine Biografie ist typisch für eine Generation, die ihre Bestätigung nicht im politischen System, sondern in der Qualität ihrer Hände Arbeit fand. Sie produzierten Pralinen für den Export, "Weltniveau" nannten sie das, während die eigene Bevölkerung oft mit einem eingeschränkten Sortiment vorliebnehmen musste. Der Stolz auf das geleistete Handwerk war echt, unabhängig von den Mängeln der Planwirtschaft. Dann kam das Jahr 1990. Über Nacht stornierten die Händler die Verträge, die Produktion stand still, die Maschinen verstummten. Für Mühle und seine Kollegen bedeutete das nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern den Verlust eines sozialen Gefüges, das über Jahrzehnte gewachsen war. Dass heute wieder alte DDR-Maschinen in Dresden laufen, diesmal in kleinen Manufakturen, ist eine späte Pointe der Geschichte. Der Geruch von gerösteten Kakaobohnen zieht wieder durch die Stadt, anders als früher, aber die Erinnerung an die alten Werkhallen bleibt bestehen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dresden war einst die Schokoladenhauptstadt Deutschlands, bevor Enteignung und Planwirtschaft die Strukturen veränderten. Teaser: Die Geschichte der Dresdner Süßwarenindustrie ist ein Lehrstück über den industriellen Wandel in Ostdeutschland. Nach der Verstaatlichungswelle 1972 verschwanden traditionsreiche Familienunternehmen im VEB Elbflorenz. Was folgte, war eine Zeit der Widersprüche: Einerseits technischer Erfindergeist und hochwertige Exportware, andererseits Rohstoffknappheit und "Bückware" für den Binnenmarkt. Der radikale Bruch erfolgte 1990. Anders als in anderen Branchen, die sich langsam transformierten, traf die Marktwirtschaft die ostdeutsche Schokoladenindustrie mit voller Härte. Die Insolvenz des VEB Elbflorenz steht exemplarisch für die Deindustrialisierung der frühen 90er Jahre. Dass Marken wie Nudossi heute wieder erfolgreich sind, war damals nicht absehbar und ist eher dem Eigensinn einzelner Unternehmer zu verdanken als politischer Planung. Die alten Rezepturen haben überlebt, die industriellen Großstrukturen von einst sind jedoch Geschichte. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die alten Maschinen des VEB Nagema heute wieder begehrt sind. Teaser: Jahrzehntelang galten die massiven DDR-Anlagen als veraltet, laut und ineffizient im Vergleich zur westlichen Hochtechnologie. Doch in der Nische zeigt sich ein anderes Bild. Die Langlebigkeit und die spezifische Art, wie diese Walzwerke die Schokoladenmasse verarbeiten, werden heute von Manufakturen wieder geschätzt. Es wirft ein interessantes Licht auf das industrielle Erbe der DDR: Was wurde zu schnell verschrottet? Die Wertschätzung für die technische Substanz kommt spät, oft erst, nachdem die ursprünglichen Betriebe längst abgewickelt wurden. Die Qualität war da, sie konnte sich unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft und des abrupten Systemwechsels nur schwer behaupten. Vielleicht liegt in dieser späten Rückbesinnung auf die Technik eine Art Versöhnung mit der eigenen Industriegeschichte.