Werke von Horst Wagner im Erfurter Benary-Speicher

Erfurt. Zuletzt waren seine Werke in der chinesischen Hauptstadt Peking zu sehen. Nun präsentiert der Erfurter Maler und Grafiker Horst Wagner seine Kunst im Druckereimuseum und Schaudepot im Benary-Speicher Erfurt. Ab dem 17. Mai 2024 wird dort die Ausstellung „Zwischen Realität und Romantik. Menschenbilder von Horst Wagner in Malerei und Grafik“ gezeigt.

In seinen Arbeiten hinterfragt Horst Wagner, welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Veränderungen und neuen technischen Entwicklungen auf die Menschen der Gegenwart haben. Dabei geht es ihm auch um die Frage nach dem Sinn des menschlichen Strebens vor dem Hintergrund wachsender Klima- und Umweltprobleme. Wagner setzt viele seine Werke in Beziehung zur Malerei der Romantik – insbesondere zu den Werken Caspar David Friedrichs – und überträgt die Themen in die visuelle Sprache unserer Zeit. Dadurch werden Parallelen von den großen Veränderungen für die Menschheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu aktuellen globalen Veränderungen gezogen. Landschaften zeigen Verfall und verlassene Überreste industrieller Bauten, Menschen werden in ihrer Beziehung zur Umwelt gezeigt.

Die Ausstellung wird am 16. Mai 2024 um 18:30 Uhr eröffnet. Bis zum Ausstellungsende am 28. März 2025 werden Führungen und Gespräche mit Horst Wagner angeboten. Eine Besichtigung der Ausstellung in der Brühler Straße 37 ist nach Voranmeldung unter 0361 655-5621 oder per E-Mail an restaurierungswerkstaetten@erfurt.de möglich. Öffentliche Führungen werden im Rahmen von Veranstaltungen angeboten – zum Beispiel zur Langen Nacht der Museen am 24. Mai 2024 von 18:00 bis 23:00 Uhr. Zur Führung um 21:30 Uhr wird der Künstler selbst anwesend sein.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl