OB Wahl in Jena – Wer will, wer will, wer hat noch nicht?

Was ist und macht eigentlich ein/e Oberbürgermeister/in? Sollte er oder Sie einfach nur schön und beliebt sein oder gibt es noch weitere Kriterien? Und welche Aufgaben hat eigentlich ein Oberbürgermeister in Jena. Grundsätzlich regelt das die Thüringer Kommunalordnung und das für jede Gemeinde in Thüringen. Weiteres regeln dann u.a. die Hauptsatzung der einzelnen Gemeinde oder Städte.

Am 26. Mai 2024 wählt Jena einen neuen Oberbürgermeister oder auch eine Oberbürgermeisterin. Eine Wahlperiode dauert 6 Jahre. In diesem Jahr gibt es jedoch auch eine Besonderheit, denn die Wahl zum Stadtrat und die Oberbürgermeisterwahl finden zum selben Zeitpunkt statt.

Der aktuelle OB Dr. Thomas Nitzsche ist sich bisher noch nicht ganz sicher, welchen Job er nach der Wahl machen möchte. Entweder den ehrenamtlichen Stadtrat, denn er steht auf der Liste der FDP zum Stadtrat auf Platz 1. Natürlich weiß jeder, dass er lieber den Job des Oberbürgermeisters weitermachen möchte, denn dafür tritt er ja auch an. Manche nennen das Betrug. Letztendlich ist es jedoch legitim, denn es gibt kein Gesetz, welches es verbietet. Einzig mit Moral könnte man dem entgegentreten. Entschuldigung jetzt musste ich kurz lachen.

Aber nochmal zurück. Was macht nun eigentlich ein Oberbürgermeister: (Auszug aus der ThürKO)

  • Der Bürgermeister leitet die Gemeindeverwaltung und bestimmt die Geschäftsverteilung. Er vollzieht die Beschlüsse des Gemeinderats und der Ausschüsse.
  • Der Bürgermeister ist oberste Dienstbehörde der Beamten der Gemeinde. Er ist Vorgesetzter und Dienstvorgesetzter der Gemeindebediensteten. 
  • Der Bürgermeister vertritt die Gemeinde nach außen.

Kurz und gut. Er ist ein Beamter auf Zeit. Und so muß man den Job auch verstehen. Wenn sich jetzt also weitere Kandidaten zur Wahl stellen, sollte das ein Hauptkriterium zur Bewertung sein.

Ebenso ist die Oberbürgermeister Wahl eine Personenwahl. Ich würde also von den einzelnen Kandidaten und natürlich Kandidatinnen ein eigenes kleines Programm erwarten, weshalb Sie eigentlich zur Wahl antreten? Das lässt sich nicht mit dem politischen Wahlprogramm der Parteien vereinbaren.

Diese Kandidaten wollen in Jena Oberbürgermeister werden (näheres beim MDR)

  • Thomas Nitzsche (FDP): Der Amtsinhaber
  • Stephan Wydra (CDU): Der Oberarzt
  • Kathleen Lützkendorf (Grüne): Verwaltungsmitarbeiterin und Ortsteilbürgermeisterin
  • Ulf Weißleder (parteilos): Krankenkasse-Angestellter und Streiter für den Nahverkehr
  • Jens Thomas (Linke): Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten und Stadtrat
  • Denny Jankowski (AfD): Ingenieur und Landtagsabgeordneter
  • Johannes Schleußner (SPD): Referent des Kirchenkreises

Letztendlich machen weitere Kandidaten doch nur Sinn, wenn Sie wirklich schöner sind als der aktuelle OB Thomas Nitzsche. Und dies liegt definitiv im Auge des Betrachters. Oder wenn man sich eine Frau an der Spitze der Stadt wünscht. Ansonsten dürfte man im Vorfeld schon lautstark vernehmen dürfen, weshalb eigentlich angetreten wird und was man grundsätzlich anders machen möchte.

Bis 44 Tage vor der Wahl am 26. Mai kann es jedoch noch die eine oder andere Überraschung geben, denn bis dahin können nämlich weitere Jenaer Bürger für das Amt kandidieren.

P.S. Ich wünsche mir jedenfalls, dass ich wieder mehr Menschlichkeit und Bürgernähe spüre, mir egal durch wen! Letztendlich sind wir hier immer noch alles Menschen und es wird Zeit dieses auch wieder sichtbarer in Jena erleben zu dürfen! Sonst werden sich die Bürger immer weiter abwenden und nur noch ihr eigenes Ding machen. Irgendwie hatten wir das schon einmal. Man darf ruhig auch aus der Vergangenheit lernen, als immer nur einer ominösen Zukunft entgegen zu hächeln!

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl