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„111 km Akten“: Ein Podcast beleuchtet die DDR-Vergangenheit und erreicht die Welt

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Das Stasi-Unterlagen-Archiv, offiziell bekannt als Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), hat mit seinem Podcast „111 km Akten“ eine Plattform geschaffen, um die Geschichte der Staatssicherheit und des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) aufzubereiten und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Der Podcast wird von Maximilian Schönherr, einem Journalisten vor allem für den Deutschlandfunk und Erfinder des Archivradios, und Dagmar Hovestädt, der Sprecherin des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, moderiert. Ihre unterschiedlichen Ausgangspositionen – Schönherr als Externer mit großem Interesse und Kompetenz in Sachen Archiv, Hovestädt als interne Kennerin – ermöglichen einen kreativen Austausch und eine ausgewogene Betrachtung der Themen.

Das Format des Podcasts ermöglicht es, Experten zu Wort kommen zu lassen, wichtige Bücher zur Geschichte der Staatssicherheit zu beleuchten und O-Töne einzubauen. Ein Thema, das laut den Moderatoren besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit über Generationen hinweg. Der Podcast behandelt nicht nur die historische Perspektive, die 30 bis über 70 Jahre zurückliegt, sondern zeigt auch, wie diese Vergangenheit Menschen bis heute beschäftigt.

Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist das Gespräch mit Annep Pfautsch, die über DDR-Fotografie promoviert und Gender Studies in England studiert. In Halle aufgewachsen, möchte sie die Akte ihres Vaters lesen, was im Generationendialog nicht immer auf Gegenliebe stößt. Während die jüngere Generation Klarheit sucht, scheint es bei manchen der älteren Generation, die in der DDR aufgewachsen ist, eine Tendenz zu geben, „alles ruhen [zu] lassen“ und „unter den Teppich [zu] kehren“, damit „bloß kein Staub aufgewirbelt wird“.

Diese Erfahrung wird durch eine weitere Anekdote unterstrichen, die in den Podcast eingebunden wurde. Eine Enkelin berichtet von ihrer Großmutter, die in der DDR lebte und offensichtlich noch immer Sympathie für das System, die SED und den Sozialismus von damals hegt. Auf die Frage, wohin die Enkelin unterwegs sei (zum Thema „30 Jahre Sicherung der Stasiunterlagen“), antwortete die Großmutter: „Also wenn du mich fragst das war damals der Mob“. Obwohl das persönliche Verhältnis ansonsten bestens ist, wird deutlich: Über politische Fragen, die die DDR betreffen, wird lieber nicht gesprochen, um Konflikte zu vermeiden – ein „vermientes Gebiet“ am Frühstückstisch oder der Geburtstagstafel. Dies verdeutlicht die Unsicherheit im Umgang mit der Vergangenheit und die Frage, wie man sich dazu verhalten kann, ohne Vorwürfen ausgesetzt zu sein.

Trotz der Herausforderungen der Generationendialoge zeigt der Podcast die breite Rezeption der Arbeit des Archivs. Der Podcast „111 km Akten“ wird über die eigene Webseite bstsu.de/podcast verbreitet, wo auch Kontextinformationen, Links, Transkripte und Fotos verfügbar sind. Zusätzlich wird er automatisiert über Podcast-Anbieter wie iTunes, Google Podcast und Spotify verbreitet. Dank der Daten von Spotify ist bekannt, dass der Podcast in insgesamt 25 Ländern international gehört wird. Während ein Schwergewicht erwartungsgemäß in Deutschland, der Schweiz und Österreich liegt (da der Podcast auf Deutsch ist), gibt es auch Hörer in anderen Teilen der Welt, wie eine Rückmeldung von einer australischen Deutschlehrerin zeigt. Diese globale Reichweite, ermöglicht durch die Plattform Podcast, wird als „toll“ und „faszinierend“ empfunden.

Die Macher des Podcasts äußern sich zufrieden mit ihrer Arbeit. Maximilian Schönherr beschreibt das Archiv als „fantastisches Archiv“ und ist nach einem Jahr Arbeit daran noch immer angetan: „je näher ich es kennenlerne (…) desto toller wird es“. Die Kommunikationsaufgabe des Archivs, die auch für Dagmar Hovestädt als ehemalige Journalistin nah am journalistischen Beruf liegt, besteht darin, aufzuklären, zu verstehen, Quellen in Beziehung zu setzen und zu erzählen, was damals war und was es heute noch bedeutet.

Ein wichtiges Thema für die Zukunft des Archivs, das auch im Podcast behandelt wird, ist die bevorstehende Integration des Stasi-Unterlagen-Archivs ins Bundesarchiv im Jahr 2021. Dies wird voraussichtlich der erste Podcast im neuen Jahr sein.

Die Produktion des Podcasts selbst musste sich den Coronazeiten anpassen. Statt in einem Raum mit Mischpult aufzunehmen, wird der Podcast getrennt aufgezeichnet, beispielsweise Maximilian Schönherr aus Köln und Dagmar Hovestädt aus Berlin, was jedoch inzwischen sehr routiniert abläuft.

Insgesamt bietet der Podcast „111 km Akten“ nicht nur Einblicke in die historischen Akten und die Arbeit des Stasi-Unterlagen-Archivs, sondern beleuchtet auch die komplexen und oft schwierigen Auswirkungen der DDR-Vergangenheit auf die heutigen Generationen und erreicht dabei ein weltweites Publikum.

Christin Busch: Frauen Power in der Musikszene Chemnitz

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Chemnitz ist seit 16 Jahren die Heimat von Christin Busch, einer Diplomdesignerin und DJane, die sich nicht nur kreativ, sondern auch engagiert für die lokale und überregionale Kunst- und Musikszene einsetzt. Als Geschäftsstellenleitung des Kemnitzer Künstlerbundes und durch ihre eigenen Projekte hat sie sich der Förderung weiblicher und queerer Talente verschrieben.

Christin Busch, die aus dem WF Gothic Bereich stammt und später zur elektronischen Musik fand, verbindet in ihrer Arbeit stets Kreativität und Ausdruck. Ihre Ausbildung als gestaltungstechnische Assistentin und das Studium in Schneeberg legten den Grundstein. Musik und Mode, insbesondere Kostüme, waren dabei immer eng miteinander verbunden. Neben ihrer Arbeit im Textildesign, wo sie sich auch mit Nachhaltigkeit beschäftigt, liegt ihr Fokus stark auf Gemeinschaftsprojekten, insbesondere im Musikbereich.

Ein zentrales Element ihres Engagements ist ihre Agentur Dida, die vorrangig, aber nicht ausschließlich, weibliche Protagonistinnen in den Vordergrund stellt – von DJs über Gesang und Rap bis hin zu Bands. Dieses ehrenamtliche Engagement zielt darauf ab, die Sichtbarkeit dieser Künstlerinnen zu professionalisieren. Aus dieser Arbeit entstand auch das Projekt „365 Female DJs“, bei dem sie digital auf Instagram über zwei Jahre lang täglich Künstlerinnen vorstellte, inklusive eigener Illustrationen.

Dieses Projekt hat nicht nur ihr selbst Türen geöffnet und den Blick für unglaublich tolle Künstlerinnen geschärft, sondern dient auch als konkrete Antwort auf das Argument, es gäbe nicht genügend weibliche DJs. Mit einer digitalen Quartettkarte und der Möglichkeit, sich visuell oder über eine Excel-Tabelle inspirieren zu lassen, bietet „365 Female DJs“ eine legitime Ressource und einen Support für eine Zielgruppe, die diesen Support noch nötig hat. Es repräsentiert die Region und kommt explizit aus Chemnitz, was Christin Busch immer stark betont.
Trotz der positiven Entwicklungen und der wachsenden Zahl weiblicher DJs sieht Christin Busch weiterhin große Hürden. Die größte davon ist die Schwierigkeit, diejenigen zu erreichen, die die Dringlichkeit des Themas nicht sehen. Sie beschreibt die weit verbreitete Einstellung: „Es ist doch schon alles gleich, wieso denn Frauen dürfen doch und es gibt doch genug DJs die weiblich sind“ – eine Haltung, die sie als ihre größte Hürde empfindet, weil sie nicht der Realität entspricht.

Ein weiteres Problem, das weibliche DJs erleben, ist der kritischere Fokus, dem sie an den Decks ausgesetzt sind. Christin Busch führt Beispiele an wie Kritik an Outfit („zu viel anhat oder zu wenig anhat“), Bewegung („zu viel tanzt oder zu wenig tanzt“), Mimik („zu wenig lacht zu viel lacht“), Songauswahl („zu falsche Lieduswahl“), Übergängen („zu komische Übergänge“) oder Stil („zu eigenwilliger Stil“). Sie fasst zusammen: „du kannst alles machen weil du alles falsch machst“. Für sie ist diese Fokussierung auf Äußerlichkeiten unverständlich, denn am Ende des Tages geht es um die musikalische Leistung: „ob jemand nackt oder voll verhüllt dort steht es geht ja um das was rauskommt“. Sie erinnert sich an die frühen Rave-Jahre, in denen der Sound im Vordergrund stand und es egal war, wer auflegte.

Christin Busch betont jedoch auch die positiven Aspekte. Sie erfährt viel Dankbarkeit von den vorgestellten Künstlerinnen. Zudem gibt es sehr viele männliche Unterstützer, die sie als Wegbereiter, Freunde, Brüder, Väter oder Kumpels beschreibt, die feministische Arbeit leisten und die Notwendigkeit der Unterstützung erkennen. Obwohl sie meint, es könnte noch mehr geben.

Ihre Arbeit ist stark inspiriert von den Künstlerinnen um sie herum; sie teilt ihre Erfolge und leidet mit ihnen in schwierigen Zeiten – ein Energieaustausch. Ihr dringender Wunsch an die Female und Queer Community ist: „viel mehr an sich glaubt und das Selbstbewusstsein das verinnerlicht und eben dran bleiben und aufhören sich zu vergleichen immer bei sich bleiben es ist das Schwerste“. Sie sieht die Entwicklung, die stattfindet, als ein Miteinander, bei dem Frauen Frauen und Queere Queere unterstützen. Gerade jetzt sei es noch wichtiger, dranzubleiben.

Verfassungsschutzbericht Sachsen: Rechtsextremismus bei Jugendlichen nimmt alarmierend zu

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Dresden – Der in Dresden vorgestellte Verfassungsschutzbericht 2024 für Sachsen zeichnet ein besorgniserregendes Bild, insbesondere hinsichtlich der Entwicklung des Rechtsextremismus bei jungen Menschen. Präsident Dirk Martin Christian vom Landesamt für Verfassungsschutz bringt es auf den Punkt: „Recht sein gilt als cool, vielleicht auch als Inbegriff der Rebellion“.

Der Bericht stellt eine deutliche Zunahme des Rechtsextremismus unter Jugendlichen fest. Innenminister Armin Schuster merkt an, dass die Formulierung „unter 18-Jährige“ eher vorsichtig gewählt sei und sich die rechtsextremen Tendenzen tatsächlich zunehmend bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren bewegten. Für den Verfassungsschutz stellt sich sogar die Frage, ob die Altersgrenze von 14 Jahren zur Erfassung noch ausreichend ist.

Insgesamt stellt der Rechtsextremismus in Sachsen weiterhin die größte Herausforderung für die Demokratie dar. Das Personenpotenzial in diesem Bereich stieg weiter an und liegt nun bei circa 6000 Personen, was einem Plus von 250 Personen gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Parallel zum Zuwachs an Rechtsextremisten nehmen auch die Straftaten in Sachsen zu. Rechtsextremistische Straftaten gegen den politischen Gegner haben sich nahezu verdoppelt. Straftaten mit einem fremdenfeindlichen Hintergrund nahmen um circa ein Drittel zu. Erschreckend hoch ist der Anteil der Propagandadelikte, die 83% der rechtsextremistischen Straftaten ausmachen – eine Steigerung um 10% gegenüber dem Vorjahr. Besonders alarmierend ist der hohe Anteil der Täter unter 18 Jahren bei diesen Straftaten.

Dieser Aufwuchs wird im Wesentlichen mit steigenden Mitgliederzahlen des sächsischen AfD Landesverbandes erklärt. Aber auch ein Aufwuchs des Personenpotenzials bei der Jungen Alternative, den Jungen Nationalisten und dem Dritten Weg wird genannt.

Neben dem Rechtsextremismus wurde im Bericht auch die Situation des Linksextremismus in ganz Sachsen beleuchtet. Das linksextremistische Personenpotenzial bewegte sich im Berichtsjahr konstant bei circa 900 Personen und konzentriert sich unverändert auf die Großstädte Leipzig und Dresden. Die autonome Szene dominiert weiterhin den Linksextremismus in Sachsen und machte im Berichtsjahr die Mehrheit aus, mit 420 Personen, 30 weniger als 2023. Regionaler Schwerpunkt der Autonomen bleibt Leipzig, wobei das Aktionsniveau dieser Szene insgesamt zurückgegangen ist.

Zusätzlich sorgt der Nahostkonflikt für einen Anstieg bei auslandsbezogenem Extremismus und dessen Vernetzung mit linken Extremisten. Die Geschichte der alten Bundesrepublik zeige, welches Bedrohungspotenzial aus dieser Verbindung erwachsen könne, so Innenminister Schuster. Die linksextremistische Szene zeigt sich in Bezug auf den Nahostkonflikt und die Haltung zum Staat Israel gespalten. Die Konfliktlinien zwischen antideutschen (pro-israelischen) Positionen der autonomen Szene und antiimperialistischen, propalästinensischen bzw. antiisraelischen Positionen der dogmatischen Gruppierungen setzten sich fort. Kritik am Staat Israel geht oft mit einer internationalistischen Kapitalismuskritik einher, wobei Dogmatiker Israel weniger als jüdischen, sondern vielmehr als imperialistischen, kapitalistischen Staat sehen.

Wie die Politik die Herausforderungen rund um den Extremismus in Sachsen angehen wird, bleibt ein wichtiges Thema.

Über Elbe, Seilbahn und Mauer: Die einfallsreichen Fluchtpläne der Bethke-Brüder

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Die Berliner Mauer war mehr als nur eine einfache Wand. Sie war das sichtbarste Zeichen eines unterdrückten Staates, der seine eigenen Bürger einsperrte. An der innerdeutschen Grenze erstreckte sich ein tödliches System aus Sperranlagen, Selbstschussanlagen, Wachtürmen und Minenfeldern. Ein Schießbefehl galt für Menschen, die nichts weiter als Freiheit wollten. Trotz dieser lebensbedrohlichen Bedingungen wagten es Tausende, ihr Leben zu riskieren. Einige scheiterten, viele wurden gefasst, doch manche schrieben Geschichte. Diese Geschichte handelt von den drei Brüdern Ingo, Egbert und Holger Bethke. Jeder von ihnen flüchtete auf völlig unterschiedliche Weise aus der DDR.

Die drei Brüder wuchsen in einer ungewöhnlichen Familie auf: Ihre Eltern, Claus und Marianne Bethke, arbeiteten im Innenministerium der DDR. Der Vater war Major, die Mutter Oberstleutnant. Beide waren Mitglieder der Partei und der Volkspolizei und glaubten an die DDR. Doch je älter die Söhne wurden, desto mehr sehnten sie sich nach einer Welt jenseits der Mauer. Sie wollten Jeans statt Cordhosen tragen, die Rolling Stones hören und Länder bereisen, die in der DDR verboten waren. Eigenständig auszureisen war ein Verbrechen. Urlaub war nur in wenigen verbündeten Ländern wie Bulgarien möglich. Die Brüder wussten: Sie mussten die DDR verlassen.

Die Gründe für die Flucht waren vielfältig. Historiker Sören Marotz, Kurator im DDR Museum, erklärt, dass oft nicht nur hehre Menschenrechte oder die große Freiheit der Antrieb waren. Oft ging es um banale Dinge wie eine bessere wirtschaftliche Zukunft oder bessere Karrierechancen. Wirtschaftlich bedeutete dies nicht nur Geld im Portemonnaie, sondern auch Optionen zur Weiterentwicklung. Aber auch die Reisefreiheit spielte eine große Rolle. Wer die Welt bereisen wollte, war in der DDR schlecht aufgehoben. Auch kirchliche Überzeugungen oder andere in der DDR restriktivere Dinge konnten Fluchtgründe sein.

Ingos Flucht: Durch die Elbe
Der älteste Bruder, Ingo, geboren 1954, wagte 1975 den ersten Schritt. Mit einem Freund fuhr er in ein Waldgebiet nahe der Grenze bei Booßen in Brandenburg. Ingo, damals 21 Jahre alt und eigentlich Müllfahrer, nutzte sein Wissen als ehemaliger Grenzsoldat. Er kannte die Gefahren: feinen Sand, der Fußspuren sichtbar machte, Stacheldrahtzäune, Stolperdrähte, die Scheinwerfer auslösen konnten. Doch das Schlimmste war das Minenfeld mit Sprengminen in einem Rautenmuster. Jeder Schritt konnte tödlich sein. Doch sie waren vorbereitet: Mit einem selbstgebauten Stampfer klopften sie vorsichtig den Boden ab. Meter für Meter kämpften sie sich vor. Die letzte Hürde war die Elbe, etwa 200 Meter breit. Ingo hatte eine aufblasbare Luftmatratze dabei. Er pustete sie auf und paddelte los. Trotz starker Strömung und der Furcht, von Grenzern entdeckt zu werden, schafften sie es. Der erste der drei Brüder war im Westen.

Die Reaktion des Staates und Holgers gewagter Plan
In der DDR wurden die Eltern für Ingos Flucht verantwortlich gemacht. Die Stasi vernahm seine Brüder und suchte Holger in seinem Lehrbetrieb auf. Der Staat, der sich anmaßte, das bessere Deutschland zu sein, agierte als Maßnahmenstaat, in dem das MfS relativ frei schalten und walten konnte, ohne externe richterliche Begründungen, beispielsweise für Wohnungsdurchsuchungen.

Acht Jahre später, 1983, träumte auch der jüngste Bruder Holger vom Leben im Westen. Er erinnerte sich an Ingos Flucht durch die Elbe und suchte nach einem Weg, die Grenze zu überwinden, die eine Todeszone geworden war. Die Berliner Mauer war inzwischen 155 Kilometer lang, hatte 302 Wachtürme und wurde immer ausbruchssicherer. Häuser wurden abgerissen oder Kirchen gesprengt, um Grenzsoldaten bessere Sicht zu ermöglichen. Neben der eigentlichen Mauer gab es eine Vorfeldsicherung, einen Mauerstreifen mit geharktem Sand. An der deutsch-deutschen Grenze gab es Minen und Selbstschussanlagen, in Berlin nicht. Die Mauer selbst war 3,60 Meter hoch und hatte einen Überkletterschutz.

Holger hatte eine Idee: Er besorgte sich einen Bogen und brachte sich das Schießen bei. Seine Eltern ahnten nichts. Er schrieb ihnen und seinem Bruder einen Abschiedsbrief: „Wenn ihr diese Zeilen lest, bin ich vermutlich bereits in West-Berlin angekommen oder sitze im Gefängnis.“ Er erklärte, dass seine Flucht nichts mit ihnen zu tun habe und dass er in der DDR seine Lebenspläne nicht verwirklichen könne. Mit einem Freund drang Holger in Ost-Berlin in ein Haus ein. Auf dem Dachboden hatten sie den Bogen, ein Stahlseil und eine Angelschnur dabei. Für den Plan brauchten sie einen Komplizen im Westen: seinen Bruder Ingo.

Sie befestigten das Stahlseil am Schornstein und die Angelschnur an einem Pfeil. Gegen ein Uhr nachts sprachen sie per eingeschmuggeltem Walkie-Talkie mit Ingo. Die Flucht begann. Mit dem Bogen schossen sie den ersten Pfeil über die Grenze – er traf nicht. Auch der zweite landete daneben. Der dritte Pfeil musste sitzen. Ingo fand ihn. Holger hängte Rollen an das Seil und fuhr mit der selbstgebauten Seilbahn über die Grenze. Plötzlich blieb er 20 Meter über dem Todesstreifen stehen. Stück für Stück hangelte er sich weiter und schaffte es. Sein Kollege kam kurze Zeit später drüben an.

Eltern als Verräter und der dritte Bruder
Am nächsten Tag fanden die Eltern den Abschiedsbrief. Sie hatten den zweiten Sohn an Westdeutschland verloren. Sie galten nun erst recht als Verräter und verloren ihre Posten im Innenministerium. Die Situation war extrem unangenehm für die Eltern, die im Konflikt standen zwischen ihren verlorenen Kindern und ihrem Glauben an den Staat.

Während Ingo und Holger gemeinsam in Köln lebten und eine Kneipe betrieben, dachten sie oft an ihren mittleren Bruder Egbert, der noch in der DDR war. Zwei Jahre später entdeckten sie in einem Playboy-Magazin einen Mini-Hubschrauber – und hatten eine Idee. Sie brauchten zwei Ultraleichtflugzeuge. Sie besuchten Flugmessen, verkauften die Kneipe und investierten das Geld in die Flieger. Sie wählten den Typ C 22, einen offenen Zweisitzer, der nur 150 Kilogramm wog und schnell auseinander- und zusammengebaut werden konnte – ideal zum illegalen Schmuggel an die Mauergrenze in Berlin. Ingo absolvierte Flugstunden und sie trainierten ungestört in Belgien.

Währenddessen bekam Egbert in der DDR Besuch im Namen von Holger und Ingo. Zuerst glaubte er, es sei die Stasi, fasste dann aber Vertrauen und erfuhr, er solle an einem Morgen im Treptower Park warten.

Die kühnste Flucht: Mit dem Flugzeug über die Mauer
Es war der 26. Mai 1989, kurz vor dem Fall der Mauer. Ingo und Holger tarnten sich als russische Soldaten und malten Sowjetsterne auf die Tragflächen ihrer Flieger, um Grenzer zu verwirren, da auf russische Soldaten nicht so schnell geschossen wurde. Nachts bauten sie die Flugzeuge auf einem Fußballfeld in Neukölln zusammen. Das Sportfeld diente als Startbahn. Gegen 4:20 Uhr hoben sie ab. Im Morgengrauen flogen sie über Berlin. Mit einer Kamera filmten sie die gesamte Flucht mit.

Um mit Egbert zu kommunizieren, landete Ingo kurzzeitig. Sie hatten ihm ein Funkgerät in die DDR schmuggeln lassen. Das Codewort lautete „Ulrike ist gesund“. Doch der Funkkontakt klappte nicht, da die Distanz zu groß war. Ingo startete erneut, und wenige Augenblicke später, in der Luft, klappte die Verbindung: „Ich bin hier!“ Anderthalb Minuten später sahen sie die Hochhäuser in Neukölln und dahinter die Mauer. Ingo landete im Park. Egbert hörte das Motorgeräusch, rannte los und stieg ein. Um 4:30 Uhr waren sie mit Egbert schon wieder in der Luft, auf dem Rückweg. Sie mussten an der Grenze entlangfliegen, da die größte Wiese zum Landen vor dem Reichstag lag. Um 4:38 Uhr landeten die drei Brüder dort. Nach 20 Minuten waren sie endlich wieder vereint.

Nach der Flucht: Reichstag, Polizei und Fernsehen
Am nächsten Morgen stellten sich die drei Brüder auf der Wache am Bahnhof Zoo. Nur kurz darauf traten sie in einer Fernsehshow bei Günther Jauch auf. Dort sagte Ingo auf die Frage, ob er es noch einmal riskieren würde: „Ich glaube nicht. Also ich von mir aus nicht mehr. Es waren zu viele Schwierigkeiten, schon im Vorfeld.“ Günther Jauch bemerkte, dass dies sicherlich nicht die Lösung des Ost-West-Problems sei, aber für sie persönlich vielleicht schon. Ingo antwortete: „Wir hatten einfach Glück.“

Sören Marotz vom DDR Museum betont, dass die Bethke-Brüder zeigen, dass es nicht immer nur Oppositionelle oder Intellektuelle waren, die flohen. Das Überraschende bei ihnen sei, dass sie eher normale Menschen waren, „Menschen wie du und ich gewissermaßen“, die aber das gewisse Etwas mitbrachten, um ihre Pläne umzusetzen.

Nur wenige Monate nach Egberts spektakulärer Flucht fiel die Mauer. Die drei Brüder riefen ihre Eltern an und umarmten sich schließlich an einem Grenzübergang in Berlin an der Sonnenallee. Ihre Fluchten zählen bis heute zu den spektakulärsten der DDR.

Thüringer Regierungskonferenz: Gemeindeneugliederung geht weiter

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Erfurt. Bei der Regierungsmedienkonferenz am heutigen Dienstag, dem 3. Juni, standen wichtige Entwicklungen in Thüringen im Mittelpunkt: Innenminister Georg Meier informierte über die Fortführung der Gemeindeneugliederung, während Wirtschaftsministerin Colet Borussion eine Bilanz der jüngsten Wirtschaftsdelegationsreise in die USA zog und einen Ausblick auf die Außenwirtschaftspolitik des Landes gab.

Sechstes Gesetz zur Gemeindeneugliederung auf dem Weg
Innenminister Georg Meier stellte den Entwurf für das mittlerweile sechste Gemeindeneugliederungsgesetz vor, das im zweiten Kabinettsdurchgang abgesegnet wurde. Dieses Gesetz ist laut Meier ein „Nachläufer“ der bisherigen Bemühungen und betrifft sieben weitere Kommunen, deren Neugliederung zum Stichtag 31. Dezember 2026 geplant ist. Die bisherigen fünf Gesetze, die unter Meiers Zuständigkeit entstanden, haben die Anzahl der selbständigen Kommunen in Thüringen bereits von 843 Ende 2017 auf 600 Ende 2024 reduziert.

Das neue Gesetz sieht konkrete Veränderungen im Altenburgerland und im Weimarerland vor. Im Altenburgerland wird die Gemeinde Dobitschen in die Stadt Schmölln eingegliedert. Im Weimarerland kommt es zur Vereinigung von Großschwabhausen und Klein Schwabhausen innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Mellingen, und die Gemeinden Killansroda sowie Mechelroda werden nach Mellingen eingegliedert.

Die Kosten dieser Neugliederung belaufen sich auf fast genau 3 Millionen Euro. Davon entfallen 2,7 Millionen Euro auf die sogenannte Neugliederungs- oder „Hochzeitsprämie“ von 200 Euro pro Einwohner. Weitere 300.000 Euro werden als Beihilfe für Struktur und Entschuldung gewährt.

Meier betonte, dass dies kein großer Wurf sei, sondern die Umsetzung bereits länger bestehender Bestrebungen, die aus verschiedenen Gründen bisher nicht realisiert werden konnten. Für die Zukunft wirbt der Minister weiterhin stark für die freiwillige Gemeindeneugliederung. Angesichts wachsender Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und bürokratischer Komplexität sei die Neugliederung notwendig, da viele kleinere Gemeinden die notwendigen Aufgaben nicht mehr allein stemmen könnten.

Zukünftige Förderungen sollen laut Meier zielgenauer ausgerichtet sein, insbesondere auf Investitionen zur Behebung des Investitionsstaus in den Kommunen. Die Förderung von Rathäusern, Bibliotheken, Schulen und Kindergärten sei entscheidend, um die Lebensqualität im ländlichen Raum zu sichern. Er hofft dabei auch auf flexibel einsetzbare Mittel aus den 100 Milliarden Euro, die der Bund für die Infrastrukturförderung bereitstellen will.

Neben Zusammenschlüssen hob Meier auch die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit hervor, etwa bei Bauhöfen oder Einrichtungen der Daseinsvorsorge. Beispiele aus dem Ausland, wie Vorarlberg in Österreich, zeigten, dass dies hervorragend funktionieren könne. Erste Gespräche und Wünsche für weitere freiwillige Fusionen lägen dem Ministerium bereits vor.

Bilanz der USA-Reise und Zukunft der Außenwirtschaft
Wirtschaftsministerin Colet Borussion zog im Anschluss eine Bilanz der kürzlich zurückgekehrten Thüringer Wirtschaftsdelegation aus den USA. Sie betonte die Bedeutung des Exports für die Thüringer Wirtschaft, der in den ersten drei Monaten des Jahres um 1,4% gesteigert werden konnte, während die Inlandsumsätze stagnierten.

Die USA sind mit einem Exportvolumen von 2 Milliarden Euro jährlich und jedem achten Export-Euro aus Thüringen der wichtigste Handelspartner des Freistaats. Angesichts der politischen Entwicklungen in den USA sei es für die neue Landesregierung immens wichtig gewesen, die Verbindungen zu stärken und Thüringens Wirtschaft zu präsentieren.

Die Delegation umfasste 70 Teilnehmer, darunter über 30 Unternehmen, sowie Vertreter von Hochschulen, Kammern, Forschungseinrichtungen und die politische Delegation. Auf dem Programm standen rund 30 offizielle Termine, darunter Gespräche mit der AHK, der Botschaft, Experten (wie Bloomberg), Unternehmen (wie Amazon, Trumpf, Bayer, Harris Razers) sowie Wissenschaftseinrichtungen (MIT, Harvard).

Als positive Ergebnisse hob Borussion das Bekenntnis von Harris zum Standort Eisfeld hervor, verbunden mit geplanten Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe über zwei Jahre. Zudem soll ein Auslandsbüro in New York installiert werden, um Thüringer Unternehmen und Investoren besser zu unterstützen. Pläne für Bildungskooperationen mit Harvard und dem MIT zur Förderung von Studentenaustausch und der Gewinnung von Absolventen wurden ebenfalls genannt.

Ein zentrales Thema der Reise war die aktuelle US-amerikanische Zoll- und Exportpolitik. Die Ministerin bestätigte die schwere Einschätzbarkeit der Situation und die volatile Entwicklung. Die Administration von Präsident Trump wende sich aktiv von der multilateralen Welthandelsordnung ab, was als Mittel der Handelspolitik betrachtet werde. Eine klare Strategie sei nicht erkennbar, und die USA schadeten sich damit ein Stück weit selbst. Die zwischenzeitlich diskutierten, nun aber bis 9. Juli ausgesetzten Zollanhebungen von 50% auf EU-Waren seien ein Beispiel dafür.

Die Reaktion Thüringens auf diese Situation sei es, die Unternehmen zu unterstützen und die eigene Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen. Dazu gehöre die Notwendigkeit, Alleinstellungsmerkmale und Technologiesprünge zu schaffen und die Verflechtungen der Weltwirtschaft im Blick zu behalten. Alle Akteure – EU, Bund, Land, Unternehmen – müssten ihre Hausaufgaben machen und Kosten senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Neben der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit an heimischen Standorten setzt Thüringen auf De-Risking und die Diversifizierung der Auslandsmärkte. Thüringen werde sich auch für den Abschluss von Freihandelsabkommen stark machen. Konkrete Reisepläne zur Diversifizierung umfassen eine Reise nach China im letzten Quartal dieses Jahres sowie nach Mercosur im nächsten Jahr. Begleitete Unternehmensreisen in Länder wie Frankreich, Türkei, Südafrika, Indien und Vietnam seien ebenfalls geplant.

Trotz der schwierigen Lage bleiben die USA der wichtigste Exportpartner. Mit Blick auf die bevorstehende USA-Reise von Herrn Merz äußerte die Ministerin keine großen Erwartungen, jedoch den Wunsch nach dem Abbau von Zollschranken und dem Abschluss von Freihandelsabkommen. Sie vertraue darauf, dass Herr Trump als „Dealmaker“ die Bedeutung stabiler Handelsbeziehungen auch für sein Land erkenne.

Die Investitionen des Landes in die Außenwirtschaftsförderung wurden ebenfalls hervorgehoben. Sie stiegen von 1,7 Millionen Euro in 2023 auf 2,1 Millionen Euro, während die Exportumsätze der Unternehmen im selben Zeitraum um 35% wuchsen. Dies zeige die Effektivität von Delegationsreisen und Vernetzung, zu der auch die gestiegene Teilnahme an Messen (von 320 auf 391) gehöre. Die Vernetzung von Unternehmen, Wissenschaft und Forschungseinrichtungen im Rahmen solcher Reisen sei ein wichtiger positiver Nebeneffekt, den das Land auch bei künftigen Reisen in andere Regionen unterstützen werde.

Die Mauer fällt: Stimmen und Wendepunkte der Friedlichen Revolution 1989

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Deutschland, im Herbst 1989. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) erlebt Tage beispielloser Unruhen und Hoffnungen. Auf den Straßen versammeln sich Bürgerinnen und Bürger, der Ruf nach Freiheit und Veränderung wird lauter und unüberhörbar.

Die Atmosphäre ist angespannt, geprägt von der ständigen Präsenz der Staatsmacht. „immer nur die Polizei als Gegenüber“ beschreibt ein Bürger die Situation, die selbst grundlegende Freiheiten einschränkt. Doch der Wunsch nach Selbstbestimmung lässt sich nicht unterdrücken. Im Geiste klingt das alte Lied: „Die Gedanken sind frei“. Dieser Freiheitsdrang manifestiert sich in klaren Forderungen: „wir wollen raus“ und immer wieder der mächtige Ruf: „Freiheit Freiheit Freiheit Freiheit“, sowie drängendes „raus raus raus raus“. Dabei sind die persönlichen Risiken hoch, wie die Sorge eines Vaters zeigt: „wenn sie mich einbucken ich habe drei kleine Kinder noch zu Hause“.

Zum 40. Jahrestag der DDR eskaliert die Situation. Ein Appell ergeht: „bitte helften Sie uns auf den 40 jahrestag der deutschen demokratischen Republik auf die Straße auf die Straße auf die Straße auf die Straße“. Trotz der emotionalen Ladung betonen die Demonstranten ihre friedlichen Absichten: „friedlich demonstrieren wir wollen nichts schlechtes“.

Parallel dazu versucht die Staatsführung, die Kontrolle zu behaupten. Offizielle Verlautbarungen wie das Ergebnis der Kommunalwahlen von angeblich „98,85%“ stehen im krassen Widerspruch zur Stimmung im Land. Zwar wird angekündigt, „mit der heutigen Tagung werden wir eine Wende einleiten“ und versuchen, die „politische und ideologische Offensive wieder erlangen“. Gleichzeitig signalisiert man, dass die sogenannte „chinesische Lösung“, ein gewaltsames Vorgehen gegen Proteste, „für die DDR nicht zur Debatte steht“. Die Forderung der Straße ist unmissverständlich: „demokratie jetzt oder nie demokratie jetzt oder nie“. Interessanterweise erklingt inmitten der Ausreisewünsche auch der Ruf „wir bleiben hier wir bleiben hier“, möglicherweise ein Ausdruck des Willens, das eigene Land zu verändern, anstatt es zu verlassen.

Ein plötzlicher Wendepunkt markiert die neuen Reiseregelungen: „privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse beantracht werden die Genehmigung werden kurzfristig erteilt“. Diese unerwartete Nachricht löst eine vielschichtige Reaktion aus, dokumentiert in einem fragmentarischen Ausruf: „wir kommen alle wieder was sollen wir in der Millionen V so bleibst“.

Der Druck der Straße und die verwirrende Informationslage führen schließlich zum historischen Moment. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer: „die Mauer ist weg die Mauer ist“. Ein System bricht zusammen, die symbolträchtigste Grenze des Kalten Krieges öffnet sich. Begleitend dazu das Ende einer ungeliebten Praxis: „die Staatsjag ist beendet“.

Die Friedliche Revolution von 1989, getragen von Mut, dem Ruf nach Freiheit und Demokratie und dem friedlichen Widerstand der Bürger, führte zum Fall der Berliner Mauer und markierte das Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Die Stimmen von damals zeugen von den Ängsten, Hoffnungen und dem unaufhaltsamen Willen zur Veränderung.

Der Bau der Berliner Nordsüd-S-Bahn in den 30er Jahren

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Berlin, Mitte der 1930er Jahre – Die Reichshauptstadt mit ihren mehr als 4 Millionen Einwohnern ist ein ständiger Puls von Verkehr. Während die Stadt- und Ringbahn das Zentrum bereits umfassen und in Ost-West-Richtung durchqueren, fehlte bislang eine entscheidende Verbindung im Schnellbahnnetz der Reichsbahn: eine Nordsüdverbindung. Um diese Lücke zwischen den nördlichen und südlichen Vorortstrecken zu schließen, realisierte die Reichsbahn Anfang der 30er Jahre ein Riesenprojekt: den Bau einer Nordsüd-S-Bahn.

Diese neue Strecke sollte nicht nur Vororte verbinden, sondern auch vier Fernbahnhöfe unmittelbar miteinander verknüpfen. Beginnend im Norden nahe des Stetiner Bahnhofs, führt die Trasse über den Bahnhof Friedrichstraße mitten durch das Herz Berlins. Sie legt sich unter die Straße Unter den Linden, berührt den Potsdamer Platz und den Anhalter Bahnhof, bevor sie sich jenseits des Landwehrkanals beim Bahnhof Yorckstraße in die südlichen Vorortstrecken verzweigt.

Eine der größten Herausforderungen dieses Bauvorhabens war seine Lage: Auf einer Gesamtlänge von rund 6 Kilometern musste die Strecke unter die Erdoberfläche verlegt werden, um den oberflächennahen Verkehr nicht zu beeinträchtigen. Dennoch waren sichtbare Eingriffe unumgänglich. Ganze Häuserblocks fielen der Spitzhacke zum Opfer, während benachbarte Gebäude durch Vertiefung ihrer Fundamente gesichert wurden. Vor den eigentlichen Bauarbeiten mussten bestehende Leitungen in den Straßen verlegt werden.

Der unterirdische Bau erforderte immense Anstrengungen. Zuerst wurden Träger zur Begrenzung der Baugrube in den Boden gerammt, das Pflaster wich einer vorläufigen Fahrbahndecke. Tiefbrunnen saugten Tag und Nacht das Grundwasser ab, das etwa 3 Meter unter der Straßendecke stand, um die Tunnelbaurensohle trocken zu halten. Anschließend wurde der Boden ausgeschachtet, die Baugrube ausgesteift und ausgewohlt. Eine Sohlenschutzschicht aus Beton wurde eingebracht und mit einer vierfachen Dichtungslage als Grundwasserschutz versehen. Darauf folgten die Betonierungsarbeiten der Sohle (armiert mit Rundeisen) und der abgedichteten Seitenwände. Die Decke entstand durch das Verlegen von Deckenträgern, dazwischen gespannten Betonkappen und einer abschließenden Abdichtung. Erst nach dem Verfüllen der Baugrube über der Decke und dem Wiederansteigen des Grundwassers zur alten Höhe war der Tunnelrohbau fertig.

Die Umsetzung auf den Baustellen war weitaus komplexer als im Bau-Trickfilm. Allein der Erdaushub war eine Mammutaufgabe. 1,8 Millionen Kubikmeter Boden mussten unter sehr beengten örtlichen Verhältnissen ausgeschachtet werden. Vom Pferdevorwerk über Feldbahnen bis hin zu Aufzügen und Lastkraftwagen kamen alle verfügbaren Transportmittel zum Einsatz, um die Erdmassen abzufahren. Förderbänder schafften den Aushub in mehreren Staffeln zu Eisenbahnwagen. Für die Aussteifung und Ausbohlung der 6 km Baugrube wurden 75.000 Kubikmeter Bauholz benötigt – gleichsam wurden ganze Wälder in die Tunnelschächte eingebaut.

Besonders schwierig gestalteten sich die Unterfahrung bestehender Infrastrukturen. Unter den Gleisen des Stetiner Bahnhofs, wo der lebhafte Fernverkehr in die Ostseebäder aufrechterhalten werden musste, wurden vorwiegend in nächtlichen Betriebspausen etwa 1200 Meter eiserne Hilfsbrücken zur Abfangung der Gleise eingebaut. Der Erdaushub war hier besonders mühsam und erfolgte mit großen Greifern. Auch die Unterfahrung der Wasserläufe, der Spree und des Landwehrkanals, stellte die Planer vor Herausforderungen, da Schifffahrt und Vorflut nicht gestört werden durften. Die Unterfahrung der Spree (etwa 60 Meter breit an dieser Stelle) wurde auf zwei Bauabschnitte verteilt; eine Notbrücke sicherte Versorgungsleitungen und den Fußgängerverkehr. Sprengungen von Brückenmauerwerk und Pfeilern, teils Unterwassersprengungen, waren hierfür notwendig.

Im Abschnitt um den Bahnhof Friedrichstraße, der besonders verkehrsbelastet war, stieß die Bauleitung auf einen Kolk aus Faulschlamm und Moor auf der Tunnelsohle. Dies zwang dazu, sogenannte Pressbetonpfähle von 8 bis 17 Metern Länge auf einer Fläche von 650 Quadratmetern in den tragfähigen Untergrund zu bohren. Auf dem Weg zur Straße Unter den Linden mussten im Zuge der Neustädtischen Kirchstraße zahlreiche Häuser weichen, die später durch einen eindrucksvollen Neubau ersetzt werden sollten. Auch die Unterfahrung der Linden selbst bis zum Brandenburger Tor war Teil des Projekts.

Nach Fertigstellung des Tunnelrohbaus begann auf allen Bauabschnitten der Innenausbau der Bahnhofs- und Betriebsanlagen. Schotter wurde eingebracht, auf dem die Gleise verlegt wurden. Für die Betriebssicherheit sorgen halb selbsttätige Stellwerke mit beleuchteten Gleistafeln. Der Wärter konnte Signale und Weichen von einem 40teiligen Schalterwerk aus bedienen. Tunnellichtsignale, vom Zug automatisch gestellt, geben Streckenabschnitte frei, während mechanische Fahrsperren jeden Zug bremsen, der ein Haltesignal überfahren sollte. Die Stromversorgung erfolgt über Hochspannungskabel (30.000 Volt Drehstrom) zu Unterwerken, die den Strom in den Fahrstrom von 800 Volt Gleichstrom umwandeln. Diese Unterwerke waren ferngesteuert und benötigten keine Dauerbedienung. Die einzelnen Bahnhöfe sind durch hellbunte Kacheln in verschiedenen Farben voneinander unterscheidbar. Bequeme Treppen und Fahrtreppen verbinden die Bahnhöfe mit der Straßenoberfläche.

Das Projekt, geplant mit vier Jahren Bauzeit, war zeitweise das größte Bauvorhaben der Reichshauptstadt. Es gab etwa 11.000 „Volksgenossen“ Arbeit und Brot. Es wurde als eine Leistung dargestellt, die den Willen zu deutscher Werkgemeinschaft und deutschem Wiederaufbau demonstrierte.

Nach Beendigung der Rohbauarbeiten und des Innenausbaus konnten schließlich die Probefahrten beginnen. Wer heute einen der hellen, geräumigen Bahnhöfe der Nordsüd-Bahn betritt und unter dem Herzen der Millionenstadt schnell und sicher seinem Ziel zustrebt, dem ist kaum bewusst, welch gewaltige Arbeitsleistung notwendig war, um dieses neue, große Werk der Reichsbahn zu erschließen.

Neue Anlaufstelle im Herzen Potsdams: Tafel jetzt auch in der St. Nikolaikirche

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Potsdam bekommt eine neue Ausgabestelle der Tafel, zentral gelegen in der St. Nikolaikirche am Alten Markt. Dieses Angebot richtet sich in erster Linie an bedürftige Menschen, mit einem besonderen Fokus auf Rentnerinnen und Rentner, aber auch andere Hilfebedürftige sind herzlich willkommen.

Ab diesem Frühjahr haben Bedürftige die Möglichkeit, Lebensmittel der Tafel Potsdam in der St. Nikolaikirche abzuholen. Die neue Ausgabestelle soll zuerst am Mittwochnachmittag von 14:00 bis 15:00 Uhr die Aufnahme der Tafelkunden ermöglichen, und in der darauffolgenden Woche beginnt dann die erste Lebensmittelausgabe.

Die St. Nikolaikirche wurde von der Tafel angesprochen, um im Herzen der Stadt eine Ausgabestelle zu eröffnen. Die zentrale Lage der Kirche ist ein entscheidender Vorteil, da sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die nicht mehr so mobil sind und eine Anlaufstelle in der Innenstadt benötigen.

Die neue Ausgabestelle ist eine „Hand in Handarbeit“ zwischen der Tafel und der Gemeinde der St. Nikolaikirche. Die Tafel bringt die vorbereiteten Lebensmittelgaben zur Kirche. Vor Ort wird die Ausgabestelle im Mocker Kirchenkellerraum eingerichtet, der auch von außen sehr gut erreichbar ist.

Neben der Ausgabe von Lebensmitteln bietet die St. Nikolaikirche auch mehr als nur eine schnelle Abholung. Bedürftige sind eingeladen, Zeit in dem Raum zu verbringen, zusammenzukommen und sich auszutauschen. Es wird Kaffee, Kuchen, Tee und Wasser geben. Zudem werden Menschen von der Gemeinde anwesend sein, die Zeit für Gespräche haben.

Die herzliche Einladung ergeht an alle, die Bedarf sehen. Obwohl das Angebot primär für Rentner gedacht ist, werden andere hilfebedürftige Menschen ausdrücklich nicht abgewiesen, da eine Anlaufstelle in der Innenstadt für alle weniger Mobilen von großer Bedeutung ist. Mit diesem neuen Standort in der St. Nikolaikirche wird die Tafel Potsdam ihre Reichweite erweitern und eine wichtige Unterstützung im Herzen der Stadt anbieten.

Mehr als nur Sattmacher: Unvergessene Fast-Food-Klassiker der DDR

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Fast Food in der DDR – das war anders als im Westen. Es ging nicht um Burger mit exotischen Saucen, sondern um herzhafte, schnelle Gerichte, die oft das Beste am Tag waren. Diese Imbisse standen für unkomplizierten Genuss und waren fester Bestandteil des Alltags, ob unterwegs, auf dem Rummel, bei Arbeiterfestspielen oder einfach am Imbisstand. Viele dieser Gerichte waren schnell zubereitet, aber nie lieblos, und einige sind bis heute beliebte Klassiker.

Ein unangefochtener König der ostdeutschen Fast-Food-Kultur war der Bräuler, wie das Brathähnchen genannt wurde. Außen knusprig mit einer würzigen Haut, innen saftig und zart, wurde er meist mit den Händen gegessen. Es gab ihn in speziellen Bräulerbars, am Imbiss oder bei Großveranstaltungen. Serviert wurde er oft mit Kartoffelsalat, einer Semmel und einem Klecks Bautzner Senf. Der Bräuler galt als greifbarer Luxus, ein kleiner Feiertag im Alltag.

Eine einzigartige Eigenentwicklung war die Ketwurst, erfunden in Berlin. Länglich und saftig steckte eine heiße Wurst tief in einem vorgebohrten Brötchen. Dazu kam eine kräftige Sauce aus Tomate, Paprika, Senf, süßlich-würzig, manchmal leicht scharf. Sie war keine Nachahmung des Hotdogs, sondern etwas Eigenes, Ostdeutsches.

Der DDR-Burger, bekannt als Grilletta, wurde 1982 erfunden. Er bestand aus einem runden Sauerteigbrötchen und einer dicken Bulette aus Schweinefleisch. Manchmal kamen Ketchup, Senf oder Chutneysauce hinzu. Verkauft an Bahnhöfen, in Konsumimbissen und auf Festen, war sie warm, fettig und sättigend – das ostdeutsche Streetfood, bevor es das Wort gab.

Auch Pizza hatte eine ostdeutsche Variante: die Kruster. Eckig, rustikal und voller Kreativität, bestand sie aus einem Hefeteig, oft mit Roggenmehl. Belegt wurde sie mit dem, was verfügbar war: Jagdwurst, Zwiebeln, Letscho, Schmelzkäse, Paprika oder auch mal ein Ei. Sie beeindruckte nicht durch Exotik, sondern durch Fantasie und machte einfach satt und glücklich.

Die DDR-Currywurst unterschied sich ebenfalls: Sie wurde meist ohne Darm serviert, in Scheiben geschnitten und mit einer kräftigen Tomatensauce übergossen. Diese Sauce, ein Geheimnis jeder Bude, enthielt Tomatenmark, Zucker, Senf, Curry, Paprika und immer einen Hauch Liebe. Sie war ein Feierabendessen, ein Imbisstandklassiker, der nach Straße, Alltag und Leben schmeckte.

Nicht zu vergessen die Thüringer Roster, eine Wurst aus Schweinefleisch, gewürzt mit Majoran, Knoblauch und Kümmel. Sie wurde traditionell auf Holzkohle gegrillt. Serviert im Brötchen oder auf dem Teller, aber immer mit Senf, war die Roster kein Snack, sondern ein Ritual bei Veranstaltungen wie Fußballspielen oder Gartenfesten.

Die Bockwurst im Brötchen war überall zu finden: an der Kaufhalle, am Bahnhof, am Kulturhaus. Warm, schnell und verlässlich, wurde sie auf die Hand gegeben, oft dampfend und mit Bautzner Senf. Auch wenn das Brötchen nicht immer frisch war, die Wurst war es und sie machte satt.
Neben den deftigen Optionen gab es auch Süßes für unterwegs. Der Pfannkuchen, im Osten nie Berliner genannt (in Sachsen Kreppel, in Thüringen Ballen). Ein frittierter Hefeteigballen, gefüllt (meist mit Himbeere, Erdbeer, manchmal Pflaume) und gezuckert – ein Klassiker bis heute.

Abseits der klassischen Imbisse gab es auch Gerichte, die eher an die schnelle Küche zu Hause oder in Kantinen erinnerten, aber dennoch prägend waren. Dazu gehören die Karlsbaderschnitte, eine überbackene Weißbrotscheibe mit Butter, Tomatenmark, Schinken oder Jagdwurst und Käse. Oder die Armen Ritter, aus altem Weißbrot, Milch, Ei und Zucker zubereitet, in Butter gebraten und mit Zimt und Zucker bestreut – ein süßes Abendbrot, das nach Kindheit schmeckte.

Weitere Klassiker waren das Würzfleisch, eine volkstümliche Variante aus dem Osten, oft aus Hähnchen oder Schwein, in einer hellen Sauce mit Käse überbacken, serviert mit Toast. Oder der Gebackene Blumenkohl, paniert und frittiert, das vegetarische Hauptgericht, das in Schulküchen und bei Großeltern Standard war. Auch der Stramme Max (Brot, Schinken, Spiegelei) und die Speckfettbämme (Brot mit warmem Speckfett, Salz, Pfeffer, Zwiebeln und Gurke) waren schnelle, sättigende Abendbrot-Optionen.

Gerichte wie Quarkkeulchen (kleine Quark-Mehl-Küchlein, gebraten, serviert mit Apfelmus oder Kompott) und die süße Schokoladensuppe (Milch, Kakao, Zwieback, Speisestärke) waren ebenfalls beliebte schnelle Mahlzeiten, besonders bei Kindern.

Auch wenn viele dieser Gerichte einfach waren, sind sie bis heute unvergessen. Sie rochen nach Alltag, schmeckten nach Zuhause und bewiesen, dass schnelles Essen trotzdem voller Gefühl sein konnte. Sie waren mehr als nur Gerichte – sie waren oft ein Stück Zusammenhalt oder ein kleiner Glücksmoment im grauen Alltag.

Vom Notbehelf zum Trend: Die Geschichte des Plattenbaus in der DDR und heute

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Die Nachkriegsjahre in Deutschland waren von massivem Wohnungsmangel geprägt, insbesondere auch in der jungen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Um dem entgegenzuwirken und gleichzeitig ein Symbol für den Fortschritt des Sozialismus zu schaffen, setzte die Regierung Anfang der 1970er Jahre auf ein neues, revolutionäres Bauverfahren: den Plattenbau.

Das Konzept war ebenso einfach wie effizient: Häuser wurden aus vorgefertigten Betonplatten zusammengesetzt. Das bekannteste und am weitesten verbreitete Modell war die Wohnungsbauserie 70, kurz WBS70. Diese basierte auf einem Grundschema von 1,20 m x 1,20 m großen Elementen, die nach einem Baukastenprinzip gefügt wurden. Die Gebäudehöhe war meist auf 5, 6 oder 11 Etagen begrenzt, die Fassaden oft mit farbigen, meist orangen Kacheln verziert.

Die Vorteile dieser Bauweise lagen auf der Hand: Die Kosten wurden gesenkt und die Bauarbeiten drastisch beschleunigt. Sobald die Fundamente gegraben waren, dauerte der Bau einer einzigen Wohnung angeblich nur 18 Stunden. Ganze Viertel entstanden so in Rekordzeit.

Für viele Menschen in der DDR bedeutete der Umzug in eine Plattenbauwohnung einen enormen Fortschritt an Lebensqualität. Während Altbauwohnungen oft unrenoviert waren, die Toilette auf dem Hof lag und mit Kohleöfen geheizt wurde, boten die Neubauten modernen Komfort. Man zog in Wohnungen mit Einbauküche, einem Bad mit Warmwasser und Badewanne, Zentralheizung. Zudem war die Infrastruktur in den neuen Plattenbauvierteln, wie dem als Vorzeigeprojekt geplanten Marzahn in Ostberlin, von Anfang an mitgedacht: Kindergärten, Ärzte und Lebensmittelläden waren in unmittelbarer Nähe angelegt – eine Kleinstadt mit den modernsten Errungenschaften.

Nach der Wiedervereinigung änderte sich das Image der Plattenbauten schlagartig. Sie wurden von vielen Westdeutschen mit Herablassung betrachtet und erhielten abfällige Bezeichnungen wie „Arbeiterschließfach“ oder „Wohnklo mit Kochnische“. Die uniformen Siedlungen in Städten wie Berlin, Leipzig, Halle oder Rostock, die sich „wie ein Ei dem anderen“ glichen, galten als Inbegriff der DDR-Monotonie.
Doch das Blatt hat sich erneut gewendet. Dank umfangreicher Sanierungsprogramme wurden viele Plattenbausiedlungen renoviert. Das negative Image verblasste allmählich. Heute gilt das Wohnen in einer „echten DDR-Platte“ wieder als fast schon hip und vor allem als preisgünstig. Besonders begehrt sind sogenannte „Edelplatten“, aufwendig sanierte Plattenbauten, bei denen nicht nur die oft gute Aussicht aus den oberen Etagen als unbezahlbar gilt.

So hat der Plattenbau eine bemerkenswerte Reise hinter sich: Von einer notwendigen und gefeierten Lösung für den Wohnungsmangel über ein Symbol der als rückständig empfundenen DDR bis hin zu einer sanierten und wieder populären Wohnform im vereinten Deutschland.