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Schulkunst im Denkmal: Kreative Visionen für Eisenhüttenstadts Gesamtschule

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Die Gesamtschule 3 mit gymnasialer Oberstufe in Eisenhüttenstadt ist ein einzigartiges Beispiel für die Verbindung von historischem Erbe und moderner Bildung. Der 1957 errichtete Schulkomplex ist als Einzeldenkmal innerhalb des Flächendenkmals Eisenhüttenstadt anerkannt, was spezielle Anforderungen an seine Sanierung und Erweiterung stellt. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass die Schule nicht nur ihre bauliche Substanz erhalten, sondern auch den wachsenden Anforderungen an den Bildungsbetrieb gerecht werden muss.

Im Jahr 2015 stellte die Schule fest, dass bestimmte räumliche und funktionale Vorgaben nicht mehr erfüllt werden konnten. Insbesondere fehlten geeignete Räume, die modernen pädagogischen Konzepten wie der Gruppenarbeit gerecht werden. Zudem zeigte sich, dass der Hausmeister unter verbesserten Bedingungen arbeiten sollte. Diese Erkenntnisse führten 2018 zur Antragstellung für eine Erweiterung des Schulgebäudes. Was zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht absehbar war, war das starke Wachstum der Schule. Mittlerweile lernen dort über 750 Schülerinnen und Schüler, unterstützt von einem engagierten Kollegium, das aus acht Lehrkräften besteht.

Die geplante Erweiterung stellt eine besondere Herausforderung dar. Einerseits soll ein moderner und nachhaltiger Bau entstehen, andererseits müssen die Planer die Denkmalschutzvorgaben berücksichtigen. Diese Balance zu finden, ist keine leichte Aufgabe, zumal die Erweiterung auch den Spagat zwischen Denkmalschutz und Kunst am Bau schaffen muss. Kunst am Bau ist ein wichtiger Bestandteil zeitgemäßer Schulneubauten, die nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend sein sollen. Ziel ist es, mindestens den Bronze-Status als zertifizierter nachhaltiger Bau zu erreichen.

Ein wesentliches Element des Erweiterungsprojekts ist die Einbindung der Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung des neuen Gebäudes. In Zusammenarbeit mit dem Museum Utopie und Alltag in Eisenhüttenstadt entwickelten sie während einer Sommerkunstschule zahlreiche kreative Ideen für die künstlerische Gestaltung der Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus. Diese bietet mit ihren 12 Quadratmetern Fläche ideale Voraussetzungen für die Umsetzung von Kunst am Bau. Bereits 1957, als die Schule von Otto Lopau entworfen wurde, spielten künstlerische Elemente wie Mosaiken, Wandbilder und Brunnen eine wichtige Rolle im Schulkomplex. Diese Tradition soll nun fortgeführt werden.

Unter dem Motto „Ein Wandbild macht Schule“ entwickelten die Schülerinnen und Schüler in drei Workshops verschiedene Ideen, die teilweise technisch anspruchsvoll sind. Eine Herausforderung bestand beispielsweise darin, den Tanz auf eine Wand zu bringen. Hierzu wurden interaktive Elemente diskutiert, wie die Integration von Monitoren, auf denen Aufnahmen abgespielt werden können, sowie die Möglichkeit, abstrakte Formen und Klanginstallationen zu kombinieren.

In einem anderen Workshop entstand die Idee, Keramikfliesen zu verwenden, die interaktive Klänge erzeugen können. Diese Fliesen sollen elektronisch verstärkt werden, sodass sie beim Anschlagen Töne erzeugen, die sich zu Rhythmen und Klangcollagen verbinden lassen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten auch daran, eine visuelle Sprache für diese Klänge zu entwickeln, sodass die entstandenen Melodien und Rhythmen reproduziert werden können. Neben der technischen Umsetzung lag der Fokus auch auf der künstlerischen Gestaltung der Wand. In einem weiteren Workshop unter der Leitung von Tim Köhler wurden verschiedene Kunstrichtungen erforscht, die als Inspiration für das Wandbild dienen sollen. Graffiti-Art, Mural-Art und Einflüsse aus der lateinamerikanischen Kunst sowie moderne Kunst und die Lebenswelt der Teenager wurden miteinander kombiniert, um ein einzigartiges Wandbild zu schaffen.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Gestaltung der Schule ermöglichte den Schülerinnen und Schülern nicht nur einen kreativen Ausdruck, sondern auch eine tiefergehende Beschäftigung mit der Geschichte ihrer Schule. Sie lernten, die Vergangenheit zu schätzen und gleichzeitig ihre Visionen für die Zukunft einzubringen. Auch wenn nicht alle Ideen umgesetzt werden können, ist der Prozess selbst von unschätzbarem Wert. Er zeigt, dass die Gesamtschule 3 nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort der kreativen Entfaltung und der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist.

Wie die endgültige Gestaltung der Wand aussehen wird, bleibt spannend. Die Ergebnisse der Sommerkunstschule bieten jedoch einen faszinierenden Ausblick auf die zukünftige Verbindung von Kunst, Geschichte und Bildung an dieser besonderen Schule. Die kreativen Impulse der Schülerinnen und Schüler werden sicherlich dazu beitragen, das architektonische Erbe der Schule mit der modernen Schulkultur in Einklang zu bringen. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Überraschungen die nächste Sommerkunstschule bereithalten wird und wie sich die Schule weiterentwickeln wird, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Spremberg: Einwohnerversammlung Windkraftanlagen im Stadtwald

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Das Thema der geplanten Errichtung von 13 neuen Windenergieanlagen im Stadtwald von Spremberg beschäftigt die Einwohner der Stadt zutiefst. Dies wurde insbesondere durch eine Einwohnerantrag des Naturschutzvereins „Natura Spremberg“ verdeutlicht, der forderte, dass die Bürger umfassend über die Risiken und Auswirkungen des Projekts informiert werden sollten. Innerhalb kürzester Zeit sammelten die Initiatoren des Antrags über 1.800 Unterschriften, was die Dringlichkeit des Anliegens unterstrich. Infolgedessen fand am 3. September eine Einwohnerversammlung auf der Spremberger Freilichtbühne statt, zu der sich etwa 1.750 Personen einfanden, um sich über das Vorhaben und dessen potenzielle Folgen zu informieren.

Die Versammlung wurde von Kai Uwe Reiper, dem Vorsitzenden des Naturschutzvereins, eröffnet, der die Motivation hinter dem Einwohnerantrag erläuterte. Der Verein hatte sich intensiv mit der Brandenburger Kommunalverfassung beschäftigt und nach zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächen im Stadtwald und auf politischer Ebene den Antrag im März 2023 eingereicht. Trotz vieler Gespräche auf politischer Ebene, unter anderem mit Vertretern der Landesregierung und verschiedenen Abgeordneten, hatten die Initiatoren das Gefühl, nicht ausreichend gehört zu werden. Dies sei auch der Grund, warum die Einwohnerversammlung letztlich notwendig wurde.

Während der Veranstaltung wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Bau der Windkraftanlagen erläutert. Bürgermeisterin Christine Herera sowie weitere Vertreter der Stadt und der Stadtwerke Spremberg erklärten, dass Windenergieanlagen als privilegierte Vorhaben im Außenbereich errichtet werden dürfen, wie es das Baugesetzbuch vorsieht. Seit letztem Jahr haben diese Anlagen zudem den Status von Vorhaben von überragendem öffentlichen Interesse, was ihnen einen erheblichen Vorrang gegenüber anderen Interessen, wie dem Landschaftsschutz, einräumt. Diese rechtlichen Vorgaben wurden in der Versammlung mehrfach betont, ebenso wie die Tatsache, dass die Stadt versucht, innerhalb dieser Vorgaben das Beste für die Bürger zu erreichen.

Im Stadtgebiet Spremberg wurden verschiedene Flächen hinsichtlich ihrer Eignung für Windkraftanlagen untersucht. Dabei kristallisierten sich vier Konzentrationszonen als besonders geeignet heraus. Die Fläche, die im Fokus der aktuellen Planungen steht, umfasst 362 Hektar und liegt in der Nähe des Industrieparks Schwarze Pumpe. Hier sollen 13 Windräder errichtet werden, von denen 25 % der erzeugten Energie direkt in das Stromnetz der Stadt eingespeist werden sollen. Die dafür benötigte Fläche umfasst insgesamt 23 Hektar, was etwa 1,8 % des Stadtwaldes ausmacht.

Trotz der umfangreichen Präsentationen und Erklärungen blieben viele Fragen offen, insbesondere hinsichtlich der ökologischen Folgen des Projekts. Ein zentrales Anliegen vieler Anwesender war der Schutz des Trinkwassers und des ökologischen Gleichgewichts im Stadtwald. Ein Mitglied des NABU-Regionalverbands äußerte die Sorge, dass durch den Bau der Windkraftanlagen seltene Pflanzen- und Tierarten sowie wichtige Wasserschutzgebiete gefährdet werden könnten. Besonders kritisch wurde die Verwendung von SF6, einem stark klimaschädlichen Gas, das in den Schaltanlagen der Windräder zum Einsatz kommt, diskutiert. Obwohl das Gas nicht giftig ist, ist es 22.800-mal klimaschädlicher als CO2 und hat eine sehr lange Verweildauer in der Atmosphäre. Die Vertreter der Stadtwerke betonten, dass sie sich der Problematik bewusst sind und hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen würden, um Umwelt und Menschen zu schützen.

Am Ende der Veranstaltung wurde deutlich, dass viele Bürger weiterhin besorgt über die möglichen Auswirkungen der Windkraftanlagen auf die Umwelt und die Lebensqualität in Spremberg sind. Trotz der umfassenden Information blieben zahlreiche Fragen unbeantwortet, und viele Teilnehmer verließen die Versammlung mit gemischten Gefühlen. Die Diskussion um die Windkraftanlagen wird in Spremberg sicherlich noch weitergehen, da das Thema für die Zukunft der Stadt und ihrer Bewohner von großer Bedeutung ist.

Gelebte Geschichte: Videointerview mit Rainer Eichhorn

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Rainer Eichhorn, geboren am 13. Oktober 1950 in Zwickau, hat sein ganzes Leben in dieser Stadt verbracht und ist bis heute tief in ihrer Geschichte verwurzelt. Seine Lebensgeschichte ist geprägt von seiner Treue zur Kirche und seiner Entscheidung, trotz des Drucks in der DDR, ein geradliniges und christliches Leben zu führen. Diese Werte prägten seine Jugend und seine Entscheidungen, sich weder der Pionierorganisation noch der Jugendweihe anzuschließen. Stattdessen entschied er sich für die Konfirmation, obwohl dies in der DDR oft mit Nachteilen verbunden war.

Trotz dieser Herausforderungen gelang es Eichhorn, die Erweiterte Oberschule zu besuchen, was für Nicht-Pioniere und Nicht-Jugendgeweihte alles andere als selbstverständlich war. Er sah es als seine Pflicht an, sich in dieser privilegierten Position als Christ zu bewähren, ohne dabei angreifbar zu werden. Er lebte nach dem Bibelwort „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“, wobei er sich innerlich immer treu blieb und den staatlichen Anforderungen nur äußerlich nachkam, ohne seine Prinzipien zu verraten.

Eichhorns Bild von der DDR ist differenziert. Er betrachtet die DDR weder durch eine nostalgische rosarote Brille noch als ein reines Schreckensregime. Vielmehr sieht er die vielen Grautöne, die sowohl positive als auch negative Aspekte beinhalteten. Er betont, wie wichtig es ist, diese differenzierte Sichtweise an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben, damit sie die DDR nicht einseitig verklären oder verteufeln.

Während der Friedlichen Revolution und am Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 spielte Eichhorn keine aktive Rolle. Obwohl er seit seinem 19. Lebensjahr Mitglied der DDR-CDU war, fühlte er sich in diesen bewegten Zeiten eher als Beobachter denn als Akteur. Am Tag des Mauerfalls entschied er sich bewusst, nicht in den Westen zu fahren, obwohl er die Gelegenheit gehabt hätte. Stattdessen besuchte er eine der ersten großen Montagsdemonstrationen auf dem Zwickauer Hauptmarkt, wo er emotional berührt war, da er die Unsicherheit und die Ungewissheit der Menschen spürte, die zwar Veränderung wollten, aber nicht wussten, wohin diese führen sollte.

Die Transformationszeit nach 1990 bedeutete für Eichhorn, wie für viele andere Menschen in den neuen Bundesländern, tiefgreifende Veränderungen. Er bewundert die Menschen, die es geschafft haben, trotz großer Herausforderungen neuen Lebensmut zu fassen. Besonders wichtig war ihm, den neu gewählten Stadtverordneten klarzumachen, dass Politik mehr ist als öffentliche Reden. Sie mussten lernen, dass echte politische Arbeit auch hinter den Kulissen stattfindet, wo Lösungen in oft mühsamen Diskussionen erarbeitet werden müssen. Ebenso stellte die Umstrukturierung der Verwaltung eine große Herausforderung dar, bei der Eichhorn von seiner Erfahrung als Architekt profitieren konnte. Er wusste, dass es wichtig ist, vorausschauend zu planen, um den Wandel zu meistern.

Heute ist Eichhorn in der Zeitzeugenarbeit aktiv, die ihm sehr am Herzen liegt. Er sieht es als seine Aufgabe an, den nachfolgenden Generationen ein realistisches Bild der DDR zu vermitteln. Bereits in den 1990er Jahren reiste er regelmäßig in die alten Bundesländer, um dort über die Geschichte der DDR zu sprechen und Brücken zwischen den unterschiedlichen Erfahrungen in Ost und West zu bauen. Für Eichhorn ist es wichtig, dass die heutige und zukünftige Generationen aus erster Hand erfahren können, wie das Leben in der DDR wirklich war, um ein umfassendes Verständnis der gemeinsamen deutschen Geschichte zu entwickeln.

Gelebte Geschichte: Videointerview mit Peter Neumann

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Peter Neumann, geboren am 12. März 1955 in Berlin-Weißensee (damals Hohenschönhausen), blickt auf ein bewegtes Leben zurück, das stark von den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen in der DDR und der Wiedervereinigung geprägt ist. Bereits als Kind erlebte er die Teilung Berlins hautnah: Während des Mauerbaus im August 1961 befand er sich bei seiner Großmutter in West-Berlin, während seine Eltern im Osten lebten. Diese Erfahrung prägte seine Sicht auf die deutsch-deutsche Teilung und die darauffolgenden Entwicklungen.

In der Schule wurde schnell klar, dass ein Abitur für ihn nicht infrage kam, da er und seine Familie sich entschieden hatten, nicht der FDJ (Freie Deutsche Jugend) beizutreten. Dies hinderte ihn jedoch nicht daran, sich beruflich zu entfalten. Er begann eine Facharbeiterausbildung und arbeitete später in einem Betonwerk. Trotz der begrenzten Möglichkeiten in der DDR fand er Wege, sich aktiv zu engagieren, insbesondere im Bereich Umweltschutz. Er baute eine kleine Bibliothek im Betrieb auf, in der er Literatur zur Umweltproblematik sammelte und versuchte, das Bewusstsein seiner Kollegen für ökologische Fragen zu schärfen. Dieses Engagement spiegelte seinen Wunsch wider, Veränderungen vor Ort zu bewirken, ohne dabei provokativ aufzutreten.

Der Fall der Mauer am 9. November 1989 war für Neumann ein ambivalentes Ereignis. Zwar erkannte er die historische Bedeutung dieses Moments, doch er beobachtete auch, wie schnell die politischen Ideale der DDR-Bevölkerung, symbolisiert durch den Slogan „Wir sind das Volk“, in den Ruf nach Konsum und der D-Mark („Wir sind ein Volk“) umschlugen. Für ihn war dies eine Enttäuschung, da er gehofft hatte, dass die friedliche Revolution zu einer tiefgreifenderen gesellschaftlichen Veränderung führen würde.

In der Transformationszeit nach der Wiedervereinigung war Neumann in der Innenverwaltung tätig, wo er an der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) beteiligt war. Dabei setzte er sich insbesondere für die Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität ein, die bereits in den letzten Monaten der DDR begann, als viele Funktionäre versuchten, sich staatlichen Besitz anzueignen.

Obwohl er den 3. Oktober 1990, den Tag der deutschen Einheit, nicht als sein Fest betrachtete und sich lange Zeit gegen die Vereinigung aussprach, erkennt er heute an, dass die Wiedervereinigung Deutschlands letztlich der beste Weg war. Mit 30 Jahren Abstand sieht er die Entwicklungen in einem anderen Licht und ist froh, auf der „richtigen Seite der Welt“ angekommen zu sein.

Heute engagiert sich Peter Neumann als Zeitzeuge, insbesondere in der Arbeit mit Jugendlichen. Er sieht es als seine Aufgabe, jungen Menschen, die die DDR nur aus Erzählungen kennen, ein realistisches Bild dieser Zeit zu vermitteln. Besonders schätzt er den Austausch mit Schülern und Lehrern, der ihm ermöglicht, Missverständnisse aufzuklären und die Komplexität der DDR-Geschichte zu erläutern. Dieses Engagement bereitet ihm große Freude, da es ihm ermöglicht, seine Erfahrungen weiterzugeben und zugleich von den Perspektiven der jüngeren Generationen zu lernen.

Sigmund Jähn: Der erste Deutsche im All und sein Vermächtnis

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Sigmund Jähn, geboren am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz, war der erste Deutsche im All. Von 1976 bis 1978 wurde der damalige DDR-Bürger in der UdSSR zum Kosmonauten ausgebildet. Am 26. August 1978 startete er mit Sojus 31 zur Raumstation Saljut 6 und kehrte am 3. September 1978 mit Sojus 29 zur Erde zurück. Während seines einwöchigen Aufenthalts in der Raumstation führte Jähn bedeutende Experimente in Bereichen wie Fernerkundung, Medizin und Biologie durch und nutzte dabei unter anderem die DDR-Multispektralkamera MKF-6M.

Nach seiner Rückkehr übernahm Jähn die Leitung des Zentrums für Kosmische Ausbildung bei der NVA in Eggersdorf bei Strausberg, einer Position, die er bis zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten innehatte. Neben seiner beruflichen Tätigkeit promovierte er 1983 am Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam über Fernerkundung.

Jähn war maßgeblich an der Gründung der Association of Space Explorers (ASE) im Jahr 1985 beteiligt und gehörte dem Exekutivkomitee an. Nach der Auflösung der NVA im Oktober 1990 arbeitete Jähn als freier Berater für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und ab 1993 auch für die Europäische Weltraumorganisation (ESA). In dieser Rolle betreute er mehrere europäische Astronauten und half bei der Vorbereitung von Missionen wie Mir-92 und Euromir-94.

Seine Karriere begann bei der DDR-Luftstreitkräfte, wo er 1955 eintrat und eine militärische Ausbildung absolvierte. Jähn studierte an der Militärakademie „Juri A. Gagarin“ in der UdSSR und war bis 1976 Inspekteur für die Jagdfliegerausbildung und Flugsicherheit bei den DDR-Luftstreitkräften.

Sigmund Jähn war verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er starb am 21. September 2019 im Alter von 82 Jahren. Sein Vermächtnis als Pionier der Raumfahrt und sein Engagement für die Förderung der Raumfahrt bleiben unvergessen.

Stadtrundgang durch das jüdische Thüringen

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Jüdisches Leben in Thüringen hat eine lange und bewegte Geschichte, die tief in die Vergangenheit zurückreicht und bis in die Gegenwart fortwirkt. Bereits im Mittelalter gab es in Thüringen bedeutende jüdische Gemeinden, insbesondere in Städten wie Erfurt, wo eine der ältesten Synagogen Europas, die Alte Synagoge, noch heute als Zeugnis der jüdischen Geschichte steht. Diese Synagoge, die um das Jahr 1100 erbaut wurde, ist eine der ältesten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Synagogen in Europa und beherbergt unter anderem den berühmten Erfurter Schatz, eine Sammlung von Gold- und Silbermünzen sowie jüdischen Ritualobjekten.

Im 14. Jahrhundert erlebten die jüdischen Gemeinden in Thüringen, wie in vielen anderen Teilen Europas, schwere Zeiten. Pogrome, die durch die Pest-Pandemie und damit verbundene antisemitische Verschwörungstheorien ausgelöst wurden, führten zur Vertreibung und Ermordung zahlreicher Juden. Trotz dieser Verfolgungen blieb jüdisches Leben in Thüringen präsent und erlebte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Blütezeiten.

Mit der Aufklärung und den Reformen des 19. Jahrhunderts erhielten die Juden in Thüringen, wie in anderen deutschen Gebieten, allmählich mehr Rechte und Freiheiten. Jüdische Gemeinden konnten wieder wachsen, und es entstanden neue Synagogen, jüdische Schulen und Vereine. Erfurt, Jena und andere Städte entwickelten sich zu Zentren jüdischen Lebens und kulturellen Austauschs.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 markierte jedoch einen dramatischen Wendepunkt. Die jüdische Bevölkerung Thüringens, die vor der Verfolgung geflohen war, sah sich nun mit Entrechtung, Enteignung und schließlich Deportation konfrontiert. Viele der Thüringer Juden wurden in Konzentrationslagern ermordet. Die Synagogen und anderen Einrichtungen der jüdischen Gemeinden wurden zerstört oder zweckentfremdet. Die Erinnerung an diese dunkle Zeit ist heute fest in das kollektive Gedächtnis der Region eingebettet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR 1949 gab es nur noch eine kleine Anzahl Juden, die in Thüringen lebten. Die jüdische Gemeinde Erfurt wurde jedoch wiedergegründet und blieb ein Symbol des Überlebens und der Wiedergeburt. In den letzten Jahrzehnten hat sich das jüdische Leben in Thüringen allmählich erholt, insbesondere durch Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach 1990.

Heute sind die jüdischen Gemeinden in Thüringen wieder aktiv und nehmen eine wichtige Rolle im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Region ein. Erfurt ist weiterhin ein Zentrum jüdischen Lebens, mit der neuen Synagoge, die 1952 eingeweiht wurde, und einem regen Gemeindeleben. Die historische Bedeutung des jüdischen Erbes in Thüringen wird durch die Pflege und den Erhalt der vielen Gedenkstätten, Museen und historischen Stätten bewahrt, die an das reiche, aber auch schmerzvolle jüdische Erbe der Region erinnern.

Sigmund Jähn: Mondlandung und Raumfahrt-Erfahrungen in Bleicherode

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Im Jahr 2008 sprach Sigmund Jähn in Bleicherode über seine Raumfahrt-Erfahrungen und die Mondlandung. Er erinnerte sich an das tiefgreifende Erlebnis, die Erde aus dem Weltraum zu sehen. Für ihn war es ein eindrucksvoller Moment, der ihm verdeutlichte, wie zerbrechlich und klein unser Planet im Vergleich zum gesamten Universum ist. Diese Erfahrung machte ihm bewusst, wie wichtig es ist, den Frieden auf der Erde zu bewahren und unsere Umwelt zu schützen.

Jähn würdigte auch den Einfluss von Helden auf Nationen, sei es im Sport oder in der Raumfahrt. Er sprach über seinen eigenen Flug und den Stolz, den er empfand, als er seine Mission zum 30-jährigen Jubiläum der DDR widmete. Er hob hervor, wie beeindruckt er von der Arbeit seiner Zeitgenossen war, die mit bescheidenen Mitteln Großes erreicht hatten.

Als er 30 Jahre nach seinem Raumflug nach Bleicherode zurückkehrte, reflektierte er über den Zustand der deutschen Raumfahrt und die bedeutenden Beiträge aus der Region, wie die Raketenforschung von Wernher von Braun und anderen. Jähn berichtete über die Entdeckungen der Raketenwissenschaft und den Einsatz der gewonnenen Technologien im Weltraum.

In der Diskussion über die amerikanische Mondlandung erklärte Jähn, dass er an die Echtheit der Mondmissionen glaube. Er verwies auf die technischen Herausforderungen und die Notwendigkeit vieler Menschen für solch ein großes Projekt. Für ihn war es schwer vorstellbar, dass die Mondlandungen gefälscht wurden, da die Komplexität und der Aufwand solch ein Unterfangen unmöglich machten.

Jähn dankte den Anwesenden in Bleicherode für ihre Gastfreundschaft und übergab ein Dankeschön für den Empfang, das seine Anerkennung für die Unterstützung und das Interesse an der Raumfahrt symbolisierte.

Prora: U-Boot-Bunker & Tunnel unter der Ostsee?

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Der KdF-Bau in Prora ist ein monumentales Bauprojekt aus der Zeit des Nationalsozialismus, das sich an der Ostseeinsel Rügen befindet. Die Konstruktion begann 1936 und war ursprünglich als Ferienanlage für die Arbeiterschaft der Nationalsozialistischen Partei gedacht. Der Name „KdF“ steht für „Kraft durch Freude“, ein Programm zur Freizeitgestaltung und Erholung, das Teil der NS-Politik zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Förderung der Ideologie war.

Der Bau des Prora-Komplexes wurde von den Nationalsozialisten als gigantisches Projekt geplant, das 4.500 Ferienwohnungen umfassen sollte. Die Anlage erstreckt sich über etwa 4,5 Kilometer entlang der Ostseeküste und sollte Platz für bis zu 20.000 Menschen bieten. Die Architektur des Prora-Baus ist beeindruckend und zeigt die monumentale Bauweise der damaligen Zeit, mit langen, geraden Linien und funktionalen Strukturen, die eine Massenunterbringung ermöglichen sollten.

Die Planung und Konstruktion des KdF-Baus spiegelten die grandiosen Visionen der Nationalsozialisten wider, waren jedoch auch ein Ausdruck ihrer totalitären Kontrolle und ihres Machtanspruchs. Die Fertigstellung des Baus wurde durch den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundenen Ressourcenengpässe stark verzögert, und die Anlage wurde nie wie geplant genutzt. Nach dem Krieg wurde der Bau von der sowjetischen Besatzungsmacht übernommen und später von der DDR für verschiedene Zwecke verwendet, unter anderem als Kasernengelände.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands stand der KdF-Bau lange Zeit leer und verfiel zusehends. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch begonnen, die historische Bedeutung des Bauwerks zu erkennen und es teilweise zu renovieren. Heute ist der Prora-Komplex teilweise in Privatbesitz und wird zum Teil als Wohnanlage genutzt. Zudem gibt es Bemühungen, die geschichtliche Dimension des Bauwerks durch Museen und Ausstellungen zu dokumentieren, um die Geschichte der Zeit des Nationalsozialismus und ihrer Architektur zu bewahren.

Der KdF-Bau in Prora bleibt ein faszinierendes und zugleich bedrückendes Zeugnis der Ambitionen und der dunklen Seiten der NS-Zeit.

Thüringen TV vom 29.08.2024 – Ein Wochenrückblick

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Hier ist eine Zusammenfassung der Berichte von Thüringen TV:

Meininger Laufradrennen:
In Meiningen fand das 31. Radrennen statt, bei dem die jüngsten Teilnehmer beim Laufradrennen besonders hervorstachen. Die Veranstaltung umfasste verschiedene Altersklassen, von Kleinkindern auf Laufrädern bis hin zu erfahrenen Radfahrern. Es wurden sowohl nationale Klassen als auch Schulrennen durchgeführt, um die Lücke zwischen den Altersgruppen zu schließen. Der Event fördert den Nachwuchs und hat eine lange Tradition.

Christopher Street Day (CSD) in Jena:
Am Christopher Street Day demonstrierten etwa 2500 Menschen für Vielfalt und die Rechte queerer Menschen. Trotz der großen Hitze war die Stimmung positiv. Die Veranstaltung betonte Forderungen wie die Verbesserung des Selbstbestimmungsgesetzes und die Gleichstellung von Regenbogenfamilien. Das Fest bot auch Informationsstände und Redebeiträge und diente dazu, die Werte der Toleranz und Vielfalt zu fördern.

Feierlichkeiten zum 950-jährigen Bestehen von Nimritz:
Nimritz feierte sein 950-jähriges Bestehen mit einer Festwoche, die zahlreiche Highlights bot. Die Feierlichkeiten umfassten ein Familiennachmittag mit verschiedenen Aktivitäten wie Glücksrad, Torwand-Schießen und Alpaka-Fütterung. Die Veranstaltung bot auch kreative Angebote wie das Bemalen von Stäben und die Herstellung von Kräuteressig sowie eine Vielzahl an kulinarischen Genüssen. Der Höhepunkt des Festes war ein Abendkonzert und ein Gottesdienst am Sonntag.

Wanderausstellung zur Suchtprävention in Gotha:
In Gotha wurde die Wanderausstellung „Suchtprävention: Gestern, Heute, Morgen“ eröffnet. Die Ausstellung bietet einen Überblick über die Entwicklung der Suchtprävention und setzt einen besonderen Fokus auf Resilienz. Sie ist interaktiv gestaltet und soll junge Menschen für verantwortungsbewusstes Verhalten sensibilisieren. Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober geöffnet und wird von verschiedenen Institutionen unterstützt.

Internationale Freiwilligenarbeit am Jenaer Fuchsturm:
Junge Freiwillige aus verschiedenen Ländern arbeiteten eine Woche lang am Fuchsturm in Jena, um die Natur und die Umgebung zu pflegen. Die Teilnehmer berichteten von positiven Erfahrungen, der guten Zusammenarbeit und den kulturellen Austauschen, die sie während des Camps erleben durften. Das Camp fördert nicht nur die Pflege des Wahrzeichens, sondern auch internationale Freundschaften.

1150 Jahre Stadtfest in Schmalkalden:
Schmalkalden feierte sein 1150-jähriges Bestehen mit einem großen Stadtfest, das durch Musik, Essen und verschiedene Veranstaltungen geprägt war. Das Fest bot ein abwechslungsreiches Programm mit musikalischen Darbietungen, kulinarischen Ständen und traditionellen Feierlichkeiten im Schloss Wilhelmsburg. Die Stadtfestwoche zog zahlreiche Besucher an und bot viele Gelegenheiten zum Feiern und Entdecken.

Sahra Wagenknecht (BSW) und Katrin Göring-Eckardt (Die Grünen) im Gespräch

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Im Talk streiten BSW-Chefin Sahra Wagenknecht, Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und der Soziologe Steffen Mau über Klüngel mit der AfD, die Folgen des Attentats von Solingen und einen DDR-Ampel-Vergleich.

Sahra Wagenknecht (www.sahra-wagenknecht.de)ist eine deutsche Politikerin, Publizistin und Autorin, die in der politischen Landschaft Deutschlands eine markante Figur ist. Sie wurde am 16. Juli 1969 in Jena, DDR, geboren und wuchs in Ostdeutschland auf. Wagenknecht ist bekannt für ihre scharfsinnige Rhetorik und ihre oft kontroversen Positionen, die sowohl in ihrer Partei als auch in der breiteren Öffentlichkeit Diskussionen auslösen.

Wagenknecht begann ihre politische Karriere in den späten 1980er Jahren als Mitglied der SED-Nachfolgepartei PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus), die später in die heutige Partei Die Linke überging. Sie trat früh als eine prominente Stimme des linken Flügels der Partei hervor und setzte sich besonders für eine strikte Einhaltung sozialistischer Ideale ein.

In ihrer politischen Laufbahn konzentrierte sich Wagenknecht auf soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftspolitik und eine kritische Haltung gegenüber dem Kapitalismus. Sie war von 2010 bis 2014 stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag und von 2015 bis 2019 deren Fraktionsvorsitzende. In dieser Zeit war sie eine der prominentesten und medienwirksamsten Figuren der Partei.

Wagenknecht erlangte auch außerhalb der Politik Aufmerksamkeit durch ihre Bücher und Publikationen, in denen sie sich mit wirtschaftspolitischen Themen, Globalisierung und Kapitalismuskritik auseinandersetzt. Ihr Buch „Reichtum ohne Gier“, das 2016 erschien, wurde ein Bestseller und führte zu breiten Diskussionen über die soziale Ungleichheit in Deutschland.

Trotz ihrer Erfolge und Popularität war Wagenknecht innerhalb ihrer Partei nicht unumstritten. Ihre kritischen Positionen gegenüber der Migrationspolitik und der Europäischen Union führten zu Spannungen innerhalb der Linken. Im Oktober 2023 gab sie bekannt, dass sie eine neue politische Bewegung gründen werde, da sie sich mit der Ausrichtung ihrer bisherigen Partei zunehmend unzufrieden zeigte. Das BSW, Bündnis Sahra Wagenknecht.

Sahra Wagenknecht bleibt eine polarisierende Figur in der deutschen Politik, die für ihre klaren und oft radikalen Standpunkte sowohl bewundert als auch kritisiert wird.

Katrin Göring-Eckardt (www.goering-eckardt.de), geboren am 3. Mai 1966 in Erfurt, ist eine prominente deutsche Politikerin der Grünen. Sie gehört zu den bedeutendsten Figuren der Partei und hat in verschiedenen politischen Funktionen gewirkt. Ihre Karriere ist gekennzeichnet durch ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Demokratie.

Göring-Eckardt wuchs in der DDR auf und studierte nach der Wende an der Universität Jena Evangelische Theologie. Ihr politisches Engagement begann in der Nachwendezeit, als sie sich den Grünen anschloss. Schon früh machte sie sich einen Namen durch ihren Einsatz für Umwelt- und Menschenrechtsthemen sowie ihre Fähigkeit, komplexe politische Themen verständlich zu kommunizieren.

Sie wurde 1998 erstmals in den Bundestag gewählt, wo sie verschiedene wichtige Positionen innehatte. Besonders hervorzuheben ist ihre Rolle als Fraktionsvorsitzende der Grünen von 2002 bis 2005. In dieser Zeit setzte sie sich intensiv für die Umweltpolitik und soziale Themen ein und trug zur Profilierung der Grünen als verantwortungsvolle Regierungspartei bei.

Von 2005 bis 2013 war Katrin Göring-Eckardt Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, eine Position, in der sie maßgeblich an der parlamentarischen Arbeit und der Stärkung der parlamentarischen Demokratie mitwirkte. Ihre Arbeit in dieser Funktion wurde für ihre Integrität und ihre Fähigkeit, verschiedene politische Lager zusammenzubringen, geschätzt.

Nach ihrem Engagement im Bundestag arbeitete sie an verschiedenen Projekten und blieb eine bedeutende Stimme der Grünen. Im Jahr 2017 wurde sie erneut in den Bundestag gewählt und setzte ihre politische Arbeit fort, wobei sie insbesondere die Themen Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Demokratie vorantrieb.

Göring-Eckardt ist bekannt für ihren klaren und engagierten Stil sowie ihre Fähigkeit, wichtige politische Themen zu adressieren. Sie steht für eine Politik, die sowohl ökologische Verantwortung als auch soziale Fairness in den Mittelpunkt stellt. In ihrer Karriere hat sie sich stets für eine gerechte und nachhaltige Zukunft eingesetzt und bleibt eine prägende Persönlichkeit in der deutschen Politik.