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Ergebnisse der Stadtratssitzung von Salzwedel vom 04.12. 2024

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Die dritte Sitzung des neu gewählten Stadtrates der Hansestadt Salzwedel fand vor einem gut besetzten Sitzungssaal statt und war von einer bemerkenswerten Vielfalt an Themen und Beschlüssen geprägt. Sie brachte nicht nur grundlegende politische Entscheidungen, sondern auch eine Reihe persönlicher Ereignisse und Ehrungen, die den Beginn der Amtszeit des neuen Stadtrates kennzeichneten.

Personalien und Ehrungen
Zu Beginn der Sitzung wurde Frau Kiele als neue Stadträtin vereidigt. Ihr Eintritt in den Stadtrat wurde von den Anwesenden mit großem Applaus begrüßt, und sie wurde herzlich in die Reihen des Stadtrates aufgenommen. Ihre Ernennung markierte einen bedeutenden Moment in der Sitzung, da der Stadtrat nun vollständig mit seinen gewählten Mitgliedern vertreten war. Die neue Stadträtin, die durch ihre langjährige Tätigkeit im städtischen Dienst bereits bekannt war, nahm ihre Aufgaben mit dem festen Vorsatz auf, sich aktiv und verantwortungsvoll in die politischen Entscheidungsprozesse einzubringen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung gedachte Bürgermeister Rhein in seinem Bericht der verstorbenen Kommunalpolitiker Norbert Block und Frank Ludwig. Beide waren über viele Jahre hinweg prägende Figuren in der Stadtpolitik gewesen und hatten sich mit großem Engagement für das Wohl der Stadt und ihrer Bürger eingesetzt. Bürgermeister Rhein würdigte ihre Verdienste und hob hervor, dass ihre Arbeit auch in Zukunft als Vorbild für alle Kommunalpolitiker dienen werde.

Darüber hinaus informierte der Bürgermeister die Stadträte über den bevorstehenden Ruhestand von Martina Hartwig, der langjährigen Bauamtsleiterin. Sie habe in den vergangenen Jahrzehnten das Bauamt der Stadt mit großem Engagement geführt und zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt. Als ihre Nachfolgerin wurde Hella Jesper vorgestellt, die künftig die Leitung des Bauamts übernehmen wird. Die Stadträte zeigten sich optimistisch und unterstützten die Entscheidung des Bürgermeisters, Jesper für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu gewinnen.

Der Stadtrat nutzte die Gelegenheit, um den Stadträten Dahnicke und Beckmann zu ihren runden Geburtstagen zu gratulieren. Beide hatten sich über Jahre hinweg tatkräftig in der Stadtpolitik engagiert, und ihre Arbeit wurde von allen Anwesenden hoch geschätzt.

Genehmigung der Niederschrift
Ein wichtiges Thema in der Sitzung war die Genehmigung der Niederschrift der letzten Sitzung. Stadtrat Grasch meldete Bedenken an, da die Wiedergabe einer Aussage von Herrn Schönfeld zur Erhöhung der Aufwandsentschädigung nicht vollständig in der Niederschrift erfasst worden sei. Dies führte zu einer kurzen Diskussion unter den Stadträten, wobei der Stadtratsvorsitzende Hundt vorschlug, das Protokoll noch einmal anzuhören und etwaige Fehler in der nächsten Sitzung zu korrigieren. In der Abstimmung wurde das Protokoll schließlich mit zwei Enthaltungen angenommen, was das kontinuierliche Bestreben des Stadtrates unterstreicht, Transparenz und Sorgfalt in allen offiziellen Dokumenten zu gewährleisten.

Bericht des Bürgermeisters
Bürgermeister Rhein ergriff anschließend das Wort und informierte den Stadtrat über eine Reihe aktueller Themen und Entwicklungen in der Stadt. Er hob die Bedeutung des Ehrenamtes hervor und wies auf den bevorstehenden Tag des Ehrenamtes hin, der als Anerkennung der vielen freiwilligen Helfer und Unterstützer in der Stadt gefeiert werden sollte. Ehrenamtliches Engagement sei ein unverzichtbarer Bestandteil des sozialen Lebens in Salzwedel und trage maßgeblich zum positiven Image der Stadt bei.

Des Weiteren berichtete Bürgermeister Rhein über die Vorbereitungen für den Winterdienst. Salzwedel sei gut auf die kalte Jahreszeit vorbereitet, und die kommunalen Dienste seien bestens ausgestattet, um für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Besonders hervorgehoben wurde die gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen städtischen Abteilungen, die dazu beitrage, dass alle erforderlichen Maßnahmen rechtzeitig und effizient umgesetzt werden könnten.

Ein zentrales Thema im Bericht des Bürgermeisters war auch der Stand der Bauprojekte in der Stadt. Rhein gab einen Überblick über die abgeschlossenen und laufenden Bauvorhaben, darunter der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Klein-Wieblitz, die Sanierung des Schulhofs der Lessing-Grundschule und die Renovierung des Werner-Seelen-Binder-Stadions. Insgesamt seien im laufenden Jahr rund 7 Millionen Euro in Hochbaumaßnahmen investiert worden, was die positive Entwicklung in der Stadt unterstreiche.

Rhein informierte auch über die Bewilligung von Fördermitteln in Höhe von 150.000 Euro für die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeugs. Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr auch in Zukunft zu gewährleisten.

Neben den baulichen Maßnahmen sprach der Bürgermeister auch die Grundsteuerreform an. Er erläuterte, dass die neuen Regelungen für die Steuerpflichtigen im kommenden Jahr angepasst werden müssten und stellte die geplanten Zahlungsmodalitäten vor.

Schließlich lud Rhein die Bürger zu den bevorstehenden Veranstaltungen „Salzwedel am 2. Advent“ und dem Weihnachtsmarkt ein, die eine willkommene Gelegenheit bieten würden, die festliche Jahreszeit gemeinsam zu feiern.

Diskussion um einen umstrittenen Künstler
Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung war die Diskussion über den umstrittenen Künstler Steimle, der für eine Veranstaltung in der Stadt angefragt hatte. Ein Einwohner brachte zur Sprache, dass der Künstler mit seinem letzten Auftritt für Kontroversen gesorgt hatte. Bürgermeister Rhein betonte in seiner Antwort, dass die Stadt zwar Kunstfreiheit respektiere, es jedoch keine spezifische Richtlinie für die Auswahl von Künstlern gebe. Er machte deutlich, dass jede Veranstaltung im Einklang mit den städtischen Werten und dem Wohl der Bevölkerung stehen müsse.

Beschlussvorlagen und Anträge
Die Sitzung setzte sich fort mit der Beratung und Abstimmung zahlreicher Beschlussvorlagen. Besonders hervorzuheben ist die mehrheitliche Zustimmung zur Aufstellung von vorhabenbezogenen Bebauungsplänen für Photovoltaikanlagen in Griecheldorf und Groß-Gerstedt. Dies wurde als wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren Energieversorgung in der Region betrachtet.

Einstimmig verabschiedet wurde auch der Wirtschaftsplan des Kindertagesstätten-Eigenbetriebes, der die Finanzierung und Planung für die kommenden Jahre regelte. Ebenso wurde die Entsendung von Stadträtin Schwesig als Beisitzerin im Verein zur Förderung des Künstler- und Stipendiatenhauses einstimmig beschlossen, was das Engagement der Stadt für Kunst und Kultur unterstrich.

Ein weiteres Thema, das zu intensiven Diskussionen führte, war die Änderung der Kostenbeitragssatzung für die Kindertagesstätten. Stadtrat Dreefs sprach sich für eine Erhöhung der Elternbeiträge aus, um den gestiegenen Kosten und der angespannten Haushaltslage entgegenzuwirken. Bürgermeister Rhein unterstützte diese Argumentation und erklärte, dass eine moderate Erhöhung notwendig sei, um die Qualität der Einrichtungen aufrechtzuerhalten, ohne sozial schwache Familien zu belasten. In einer namentlichen Abstimmung wurde der Antrag jedoch abgelehnt, was zeigt, dass der Stadtrat in dieser Frage unterschiedlicher Meinung war.

Weiterhin wurden verschiedene Anträge zur Kunst im öffentlichen Raum sowie zur Förderung von Jugendprojekten im Stadtrat angenommen. Dies spiegelte das Bestreben des Stadtrates wider, die Stadt nicht nur als lebenswerte, sondern auch als kulturell aktive Gemeinde weiterzuentwickeln.

Anfragen und Anregungen
Abschließend gab es mehrere Anfragen und Anregungen aus den Reihen des Stadtrates. Stadtrat Matthias erkundigte sich nach dem Grund für die fehlende Einladung der sachkundigen Einwohner zum Grünkohlessen, einer Veranstaltung, die traditionell zur Förderung des Austauschs zwischen den politischen Gremien und der Bürgerschaft dient. Stadträtin Danicke regte an, politischen Druck auf die Avakon auszuüben, um die hohen Durchleitungskosten für Energie zu senken, was die Haushalte der Bürger entlasten könnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die dritte Sitzung des Stadtrates der Hansestadt Salzwedel von einer konstruktiven und sachlichen Atmosphäre geprägt war. Die Stadträte befassten sich mit einer Vielzahl an Themen, die nicht nur die unmittelbare Stadtentwicklung, sondern auch langfristige Perspektiven für Salzwedel betrafen. Die getroffenen Beschlüsse und diskutierten Anträge zeigen das Engagement der Stadtvertretung für eine zukunftsfähige und sozial gerechte Stadtentwicklung.

Bodo Ramelow über seine 10-jährige Amtszeit als thüringer Ministerpräsident

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Das Interview, das Bodo Ramelow gemeinsam mit Mike Langer (Altenburg TV) und Maik Schulz (Oscar am Freitag-TV) führte, bietet einen umfassenden Rückblick auf seine zehnjährige Amtszeit als Ministerpräsident von Thüringen und reflektiert sowohl seine Erfolge als auch die Herausforderungen, mit denen er konfrontiert war. Ramelow, der seine Amtszeit bald beenden wird, äußerte sich dabei auch selbstkritisch und nahm Stellung zu politischen Entscheidungen, die Thüringen in den letzten Jahren geprägt haben.

Verantwortung und Demokratie
Zu Beginn des Gesprächs hob Ramelow die grundlegende Bedeutung der Demokratie hervor. Er erklärte, dass Demokratie für ihn nicht nur eine politische Struktur, sondern ein kontinuierlicher Prozess sei, der Verantwortung und den Übergang von Macht beinhaltet. Eine der zentralen Lehren, die er während seiner Amtszeit gezogen habe, sei, dass Politiker irgendwann abtreten müssen, um Platz für neue Ideen und Impulse zu machen. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit habe er sich auf das mögliche Ausscheiden aus dem Amt vorbereitet und eine klare Übergabe an seinen Nachfolger organisiert. Dies sei nicht nur eine Frage politischer Verantwortung, sondern auch ein Ausdruck des Respekts gegenüber der Demokratie und den Wählern.

Arbeitsstil und Erfolge der ersten Amtszeit (2014-2019)
Ramelow selbst beschreibt seinen Arbeitsstil als pragmatisch und themenorientiert. Er legte großen Wert darauf, Lösungen zu finden, die jenseits von ideologischen und parteipolitischen Differenzen lagen. Für ihn stehe immer das Problem im Vordergrund, und nicht die Auseinandersetzung mit politischen Gegnern. Er betonte, dass Vertrauen und Transparenz eine entscheidende Rolle spielten, um in der Politik handlungsfähig zu bleiben und Lösungen zu finden, die den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden.

In seiner ersten Amtszeit von 2014 bis 2019 nannte Ramelow insbesondere die verbesserte Finanzierung der Kommunen als einen wichtigen Erfolg. Gerade ländliche Regionen hätten von den erhöhten Zuschüssen profitiert, was eine Verbesserung der Infrastruktur und der Lebensqualität mit sich brachte. Ein weiterer Erfolg war die Einführung der Beitragsfreiheit für Kindergärten in Thüringen, bei der zwei von drei Jahren kostenfrei gestellt wurden. Dies sei nicht nur für die Familien ein Gewinn gewesen, sondern auch für die Bildungseinrichtungen, die durch die erhöhte Zahl an Kindern gestärkt wurden. Zudem unterstützte Ramelow die regionale Entwicklung und förderte Projekte zur Stärkung des ländlichen Raums sowie des regionalen Mittelstands.

Herausforderungen und Entscheidungen in der zweiten Amtszeit
Die zweite Amtszeit von Ramelow, die von 2019 bis 2024 dauerte, war von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Besonders hervorzuheben sind die Corona-Pandemie und die umstrittene Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten im Jahr 2020. Im Rückblick auf die Pandemie räumte Ramelow ein, dass in der Anfangsphase nicht alle Entscheidungen optimal getroffen wurden. Dennoch betonte er, dass es wichtig sei, die Fehler zu benennen und daraus zu lernen. Für künftige Krisen müsse ein klarer Maßnahmenplan entwickelt werden, der auf den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie basiere.

Ein weiteres Schlüsselerlebnis in der zweiten Amtszeit war die Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten, die mit den Stimmen der AfD zustande kam. Diese Wahl löste eine politische Krise sowohl in Thüringen als auch in der Bundesrepublik aus. Ramelow kritisierte Kemmerichs Entscheidung, nach seiner Wahl keine Minister zu berufen und stattdessen zurückzutreten. Er bezeichnete dieses Verhalten als verantwortungslos, da es das Vertrauen in den demokratischen Prozess schwer erschüttert habe.

Die Minderheitsregierung und der politische Kampf
Trotz der politischen Krise nach der Kemmerich-Wahl führte Ramelow die Thüringer Regierung als Minderheitsregierung weiter. Dies stellte eine große Herausforderung dar, da in einer solchen Konstellation politische Mehrheiten häufig schwer zu erzielen sind. Ramelow verteidigte jedoch die Entscheidung, eine Minderheitsregierung zu bilden, und hob hervor, dass es trotz der schwierigen politischen Bedingungen möglich war, bedeutende politische Erfolge zu erzielen. So wurden insgesamt 146 Gesetze und Verordnungen verabschiedet, was Ramelow als Beweis für die Handlungsfähigkeit der Regierung wertete.

Die Arbeit in der Minderheitsregierung sei nicht nur durch die politische Lage erschwert worden, sondern auch durch die Fragmentierung der parlamentarischen Mehrheiten. Dennoch sei es ihm wichtig gewesen, stets im Interesse der Bevölkerung zu handeln und notwendige Reformen voranzutreiben.

Migrationspolitik und der Aufstieg der AfD
Ein weiteres zentrales Thema des Gesprächs war die Migrationspolitik und der Aufstieg der AfD. Ramelow verteidigte Angela Merkels Entscheidung, 2015 die Grenzen für Geflüchtete zu öffnen. Aus seiner Sicht gab es keine wirkliche Alternative zu dieser Entscheidung, da eine Schließung der Grenzen unweigerlich dazu geführt hätte, dass Menschen in Lebensgefahr geraten wären. Die moralische Verantwortung habe für ihn Vorrang gehabt.

Er kritisierte jedoch die Art und Weise, wie in Deutschland über Asyl und Migration diskutiert werde. Die Debatte sei oft von populistischen Parolen und einer eingeengten Sichtweise geprägt. Ramelow plädierte für legale Zuwanderungswege und eine stärkere Integration von Zuwanderern, vor allem durch die Möglichkeit, über Arbeit einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Die AfD, so Ramelow, sei ein Produkt dieser Polarisierung. Er kritisierte die einfachen Parolen der Partei und forderte eine klare Auseinandersetzung mit deren demokratiegefährdenden Positionen.

Bekämpfung des Faschismus und die Zukunft der Demokratie
Ramelow äußerte auch seine Bedenken hinsichtlich des zunehmenden Rechtsextremismus und des Aufstiegs des Faschismus. Er sprach sich für eine aktive Bekämpfung des Faschismus aus und forderte die Aufnahme einer antifaschistischen Klausel ins Grundgesetz. Der Aufstieg der AfD und die zunehmend verbalen Ausfälle in politischen Debatten seien für ihn Alarmsignale, die nicht ignoriert werden dürften.

Persönliche Reflexion und Ausblick
Am Ende des Gesprächs gab Ramelow auch persönliche Einblicke in seine Amtsführung. Er räumte ein, dass er in einigen Situationen autoritär gehandelt habe, was er jedoch mit dem Ziel der schnellen Problemlösung in Krisenzeiten rechtfertigte. Das Ziel sei immer gewesen, Lösungen zu finden, und manchmal sei dies nur auf einem unkonventionellen Weg möglich gewesen. Ramelow beschrieb sich selbst als jemanden, der mit solchen unkonventionellen Lösungen oft „Freunde und Feinde verdutzt“ habe, was für ihn jedoch ein Zeichen von Kreativität und Pragmatismus war.

Trotz der Herausforderungen und der schwierigen politischen Zeit betonte Ramelow, dass er eine tiefe Verbundenheit mit Thüringen und seiner Bevölkerung empfinde. Auch in Zukunft wolle er die Interessen des Landes vertreten – sei es als Ministerpräsident oder in einer anderen Funktion. Abschließend erklärte er, dass die Demokratie immer verteidigt werden müsse und er bereit sei, einen Beitrag dazu zu leisten, Thüringen als Modell für verantwortungsvolle und fortschrittliche Politik zu positionieren.

Dieses Interview bietet einen tiefen Einblick in die Sichtweise von Bodo Ramelow auf die politische Lage in Thüringen und Deutschland, auf die Herausforderungen seiner Amtszeit und auf die Zukunft der Demokratie.

Zauber der Bergbautradition und Handwerkskunst: Die Seele von Seiffen

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Die Weihnachtszeit in Seiffen ist eine Zeit voller Traditionen, Besinnung und gelebtem Glauben – ein Erlebnis, das die Besucher tief berührt. Inmitten des Erzgebirges, wo die Spuren der harten Bergbauarbeit und die christliche Hoffnung allgegenwärtig sind, treffen Vergangenheit und Gegenwart auf beeindruckende Weise aufeinander.

Die Bedeutung der Bergbautradition
Seiffen verdankt seine Geschichte und kulturelle Prägung dem Bergbau. In der Dunkelheit der Stollen, wo Bergleute mit einfachsten Werkzeugen Meter für Meter in das harte Gestein vordrangen, entstand eine enge Verbindung von Glaube und Arbeit. Der Pastor der Seiffener Bergkirche, Michael Harzer, beschreibt diese Verbindung mit einem Satz: „Wenn du in die Tiefe steigst, dann schau auf in die Höhe.“ Dieses Bewusstsein für den Schutz und Beistand Gottes durchzog das Leben der Bergarbeiter und prägt die Region bis heute.

Die Weihnachtszeit bietet einen besonderen Einblick in diese Tradition. Die sogenannte Mettenschicht, eine besinnliche Zusammenkunft der Bergleute am Heiligen Abend, wird bis heute zelebriert. Dabei lesen Pastoren die Weihnachtsgeschichte vor und sprechen ein Dankesgebet – eine lebendige Erinnerung an die christlichen Wurzeln des Bergbaus.

Handwerkskunst und Holztradition
Als der Bergbau nicht mehr ausreichte, um die Menschen zu ernähren, entwickelte sich im 17. Jahrhundert das Drechslerhandwerk. Das Erzgebirge war reich an Holz und die Mechanik der Wasserräder, die zuvor in den Pochwerken zur Erzaufbereitung genutzt wurden, konnte für Drechselbänke adaptiert werden. Seiffen wurde zur Wiege des erzgebirgischen Holzhandwerks.

Heute ist der Ort weltberühmt für seine Holzkunst: Schwibbögen, Nussknacker, Pyramiden und die charakteristischen Bergmann- und Engel-Figuren. In kleinen Manufakturen wie der Drechslerei Schalling wird die Kunst des Drechselns in Handarbeit weitergeführt. Thomas Schalling, der das Familienunternehmen in vierter Generation führt, betont die Bedeutung des Traditionsbewusstseins: „Die Darstellung kann modern sein, aber die Fertigung muss traditionell bleiben.“

Die Seiffener Bergkirche – ein Wahrzeichen
Im Zentrum von Seiffen thront die Bergkirche, ein achteckiger Bau, der der Dresdner Frauenkirche nachempfunden ist. Sie wird auch „Lichterkirche“ genannt, denn an Heiligabend erstrahlt ihr Innenraum im warmen Schein von 160 Kerzen. Sie ist das meistabgebildete Bauwerk der erzgebirgischen Holzkunst und ein Symbol für den Glauben und die Hoffnung der Region.

Michael Harzer, der auch als Chronist des Ortes tätig ist, erzählt, wie tief die Kirche mit der Geschichte der Bergarbeiter verbunden ist. Zahlreiche Exponate im Inneren – von Statuen bis zu einem Sargauflegekreuz aus dem 17. Jahrhundert – wurden von Bergarbeitern gestiftet. Besonders die Figuren von Bergmann und Engel, die die Kirche schmücken, sind Sinnbilder für Arbeit und göttlichen Beistand.

Familienbetrieb und gelebte Tradition
Die Weitergabe von Traditionen ist in Seiffen nicht nur ein Konzept, sondern gelebte Realität. In der Familie Schalling arbeitet inzwischen die fünfte Generation. Der junge Robby Schalling zeigt mit seinem Gesellenstück – einer detailgetreuen Nachbildung der Seiffener Bergkirche – wie Tradition und Moderne verschmelzen können. „Es ist beruhigend, neben meinem Vater zu arbeiten und von ihm zu lernen“, sagt er, während er an den filigranen Details der Kirche arbeitet.

Weihnachten in Seiffen: Ein besonderes Erlebnis
Zur Adventszeit verwandelt sich Seiffen in ein Lichtermeer. Überall sind die handgefertigten Holzkunstwerke zu sehen, die den Zauber von Weihnachten spürbar machen. Besucher aus der ganzen Welt kommen, um die besondere Atmosphäre des Ortes zu erleben, den Ursprung der erzgebirgischen Traditionen zu erkunden und vielleicht ein Stück davon mit nach Hause zu nehmen.

Die Verbindung aus bergmännischem Erbe, handwerklichem Können und christlichem Glauben macht Seiffen zu einem einzigartigen Ort, der die Essenz von Weihnachten auf eine Weise widerspiegelt, wie man sie nur im Erzgebirge finden kann. Hier spürt man, dass die Traditionen nicht nur ein Relikt der Vergangenheit sind, sondern ein lebendiger Teil der Gegenwart – ein Lichtstrahl in der Dunkelheit, der Hoffnung und Wärme schenkt.

Interkultureller Austausch und Integration: Das Engagement von DIMCIB Dresden e.V.

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Der Verein DIMCIB Dresden e.V. ist eine zentrale Anlaufstelle für interkulturellen Austausch und Integration in Dresden. Im Rahmen der 34. Interkulturellen Tage, die vom 15. September bis 6. Oktober stattfanden, präsentierte sich der Verein als Ort der Begegnung und des Dialogs. Mit vielfältigen Aktivitäten und einem Begegnungszentrum, das Menschen unterschiedlicher Herkunft verbindet, leistet der Verein einen wichtigen Beitrag zum sozialen Miteinander und kulturellen Verständnis.

Ein Ort der Begegnung für alle
Das Begegnungszentrum des Vereins dient als Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen und Hintergründe. Es ist nicht nur ein Raum für Ausländer, die in Deutschland leben, sondern ein Ort, an dem auch Einheimische willkommen sind. Hier steht der Austausch im Mittelpunkt: Wer Fragen hat oder Unterstützung sucht, findet ein offenes Ohr und engagierte Helfer.

„Wir hatten diese Idee 2015 und arbeiten seitdem kontinuierlich in diese Richtung“, erklärt ein Mitglied des Vereins. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und einen Raum zu schaffen, in dem kulturelle Vielfalt als Bereicherung erlebt wird. Neben religiösen Einrichtungen wie Moscheen bietet das Zentrum vor allem praktische Unterstützung für Kinder, Frauen, junge Männer und Jugendliche.

Bildung und kulturelles Lernen
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit von DIMCIB ist die Bildungsförderung für Kinder. Neben der Vermittlung grundlegender Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben lernen die Kinder auch mehr über ihre kulturellen Wurzeln. „Es macht uns Freude, unsere Religion und Kultur besser kennenzulernen und dies gemeinsam zu erleben“, sagt eine ehrenamtliche Lehrkraft.

Doch das Lernen ist nicht nur theoretisch: Praxisorientierte Aktivitäten wie gemeinsames Backen oder Basteln gehören ebenfalls zum Programm. Solche kreativen Projekte fördern nicht nur die Fähigkeiten der Kinder, sondern stärken auch das Gemeinschaftsgefühl.

Unterstützung für Neuankömmlinge
Für Menschen, die neu in Deutschland sind, ist der Einstieg in die Gesellschaft oft mit Herausforderungen verbunden. Sprachliche Barrieren, Unkenntnis über administrative Abläufe oder kulturelle Unterschiede können zu Unsicherheiten führen. Hier bietet der Verein wertvolle Unterstützung: „Wenn jemand Probleme hat oder etwas nicht versteht, können sie uns jederzeit ansprechen“, betont ein Vereinsmitglied.

Besonders Deutschkonvertierte, die sich dem Islam zugewandt haben, profitieren von den Angeboten. Dr. Magdi, ein aktives Mitglied des Vereins, organisiert regelmäßig Veranstaltungen, die speziell auf die Bedürfnisse dieser Gruppe zugeschnitten sind. Ein Teilnehmer berichtet: „Ich fühle mich hier wohl, weil ich die Möglichkeit habe, mit anderen über meine Erfahrungen zu sprechen und Lösungen für Probleme zu finden.“

Gemeinschaft als Schlüssel zur Integration
DIMCIB versteht Integration nicht als einseitigen Prozess, sondern als gemeinsames Engagement von Einheimischen und Zugewanderten. Regelmäßige Treffen, bei denen gekocht, gespielt und diskutiert wird, schaffen einen Raum für Austausch und Verständnis. „Wir warten die ganze Woche auf diesen Tag, an dem wir uns treffen und gemeinsam etwas unternehmen“, erzählt ein Teilnehmer. Diese Aktivitäten tragen nicht nur zur Entspannung bei, sondern fördern auch den sozialen Zusammenhalt.

Herausforderungen der Zukunft
Die Arbeit von DIMCIB Dresden e.V. ist von großer Bedeutung, insbesondere in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen. „In 10 oder 15 Jahren wird es sicherlich noch mehr Herausforderungen geben, sei es politisch oder gesellschaftlich“, prognostiziert ein Mitglied des Vereins. Daher ist es umso wichtiger, dass Organisationen wie DIMCIB ihre Arbeit fortsetzen und ausbauen.

Ein Ort der Hoffnung und des Friedens
Die Vision des Vereins ist es, ein Ort zu sein, an dem Menschen sich wohlfühlen und offen über ihre Probleme sprechen können. „Unser Ziel ist es, in Frieden miteinander zu leben“, betont ein Vertreter des Vereins. Die Interkulturellen Tage sind ein Beispiel dafür, wie ein solcher Austausch gelingen kann. Sie zeigen, dass Integration durch gegenseitigen Respekt und gemeinsame Aktivitäten möglich ist.

DIMCIB Dresden e.V. steht für ein Miteinander, das über kulturelle und religiöse Grenzen hinweggeht. Mit Engagement, Kreativität und Menschlichkeit zeigt der Verein, wie Integration in der Praxis gelingen kann. In einer Zeit, in der Zusammenhalt wichtiger denn je ist, leistet DIMCIB einen unverzichtbaren Beitrag zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft.

Das Hochwasser von Zeitz 2013: Ein Kampf gegen die Fluten

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Im Sommer 2013 wurde Deutschland von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht, das zahlreiche Städte und Gemeinden entlang der Flüsse in Mitleidenschaft zog. Auch die Stadt Zeitz im südlichen Sachsen-Anhalt war schwer betroffen. Die Elster und ihre Zuflüsse traten über die Ufer und verwandelten die Region in ein Katastrophengebiet. Das Hochwasser stellte nicht nur die Einsatzkräfte, sondern auch die Bewohner vor enorme Herausforderungen.

Die Vorgeschichte: Eine gefährliche Wetterlage
Bereits im Mai 2013 war klar, dass eine kritische Wetterlage bevorstand. Nach wochenlangen Regenfällen waren die Böden im Mitteldeutschen Raum gesättigt, und die Flüsse führten bereits Hochwasser. Am 1. Juni 2013 verschärfte sich die Lage dramatisch: Ein Tiefdruckgebiet brachte neue, intensive Niederschläge, die vor allem die Einzugsgebiete von Elbe, Saale und Elster betrafen. Für Zeitz, das direkt an der Weißen Elster liegt, wurde schnell klar, dass die Situation brenzlig werden würde.

Die Weiße Elster, die normalerweise einen beschaulichen Flusslauf bietet, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem reißenden Strom. Bereits am 2. Juni begannen die Pegel in Zeitz rasant zu steigen. Die Stadtverwaltung richtete Krisensitzungen ein und bereitete erste Evakuierungen vor.

Der 3. Juni 2013: Die Katastrophe erreicht Zeitz
Am 3. Juni 2013 erreichte die Hochwasserwelle die Stadt. Der Pegel der Weißen Elster überschritt die Marke von fünf Metern – ein Wert, der seit Jahrzehnten nicht mehr gemessen worden war. Straßenzüge, Keller und Erdgeschosse wurden in Windeseile überflutet. Besonders betroffen waren die tiefer gelegenen Stadtteile wie die Altstadt und Teile von Zangenberg.

Die Einwohner waren von der Geschwindigkeit der Ereignisse überrascht. Viele hatten gehofft, die Situation würde sich stabilisieren, doch die Wassermassen ließen ihnen keine Zeit zur Vorbereitung. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) waren rund um die Uhr im Einsatz, um Deiche zu sichern und Polder zu füllen. Freiwillige Helfer bildeten Menschenketten, um Sandsäcke zu transportieren. Doch trotz aller Bemühungen waren die Kräfte oft machtlos gegen die Naturgewalt.

Die Auswirkungen: Zerstörung und Evakuierungen
Rund 2.500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen und in Notunterkünften untergebracht werden. Die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur waren immens: Straßen wurden unterspült, Brücken beschädigt, und die Kanalisation brach teilweise zusammen. Besonders dramatisch war die Lage in historischen Bauten, die den Wassermassen nicht standhalten konnten.

Auch wirtschaftlich traf das Hochwasser die Region hart. Zahlreiche kleine Betriebe mussten ihren Betrieb einstellen, weil Maschinen, Waren und Arbeitsräume beschädigt wurden. Landwirtschaftliche Flächen rund um Zeitz standen meterhoch unter Wasser, was zu Ernteausfällen und finanziellen Verlusten führte.

Die Hilfsmaßnahmen: Solidarität und Wiederaufbau
Trotz der Katastrophe zeigte sich in den Tagen nach dem Hochwasser eine beeindruckende Solidarität. Freiwillige Helfer aus ganz Deutschland kamen nach Zeitz, um beim Aufräumen und Wiederaufbau zu helfen. Spendenaktionen wurden ins Leben gerufen, und Hilfsorganisationen leisteten unermüdlichen Einsatz.

Die Bundesregierung stellte gemeinsam mit den Ländern einen Hilfsfonds in Milliardenhöhe bereit, um die Schäden zu kompensieren. Doch für viele Zeitzer war die Rückkehr zur Normalität ein langer Weg. Häuser mussten trockengelegt und saniert, Existenzen neu aufgebaut werden.

Eine Stadt lernt aus der Katastrophe
Das Hochwasser von 2013 war für Zeitz ein Weckruf. Die Stadt begann, in den Ausbau des Hochwasserschutzes zu investieren. Neue Schutzmauern und Deiche wurden errichtet, und die Warnsysteme verbessert. Dennoch bleibt die Sorge vor künftigen Überschwemmungen.

Die Katastrophe von 2013 hat Zeitz geprägt. Sie hat nicht nur die Verwundbarkeit der Stadt offengelegt, sondern auch gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt und Prävention in solchen Krisen sind. Die Erinnerungen an die Fluten bleiben lebendig – als Mahnung und als Zeichen für die Widerstandskraft einer Gemeinschaft, die sich den Naturgewalten stellt.

Die Stasi im Jahr 1985: Kontrolle und Reaktion auf gesellschaftliche Bewegungen

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Das Jahr 1985 war ein Übergangsjahr, das zwischen einer stabilen, aber zunehmend krisenhaften DDR und den Veränderungen auf globaler Ebene lag. Das neue Band der Edition Die DDR im Blick der Stasi beleuchtet, wie die Staatssicherheit dieses Jahr analysierte und welche Berichterstattung das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) an die DDR-Führung weiterleitete. Besonders prägend für die politische Lage war der Machtantritt von Michael Gorbatschow in der Sowjetunion, der das internationale Klima veränderte, aber noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die DDR-Politik hatte. Die langfristigen Folgen von Gorbatschows Reformpolitik, insbesondere die Perestroika und Glasnost, waren zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

Innerhalb der DDR war 1985 von außen gesehen ein Jahr der Stagnation. Die Wirtschaft war zwar durch Kredite aus der Bundesrepublik stabilisiert worden, doch blieben die strukturellen Mängel weiterhin bestehen. Die Umweltproblematik, die wachsende Zahl an Ausreisewilligen und die allgemeine Erstarrung des politischen Systems prägten das Land. In vielerlei Hinsicht befand sich die DDR in einem permanenten Krisenmodus. Eine der Hauptaufgaben der Staatssicherheit in diesem Jahr war es, diese Krisensymptome zu überwachen und Berichte an die Staats- und Parteiführung zu liefern.

Das sowjetische Ehrenmal in Berlin-Triptow, das an den Sieg der Roten Armee über das nationalsozialistische Deutschland erinnerte, spielte in den Berichten der Stasi eine wichtige Rolle. Die Berichterstattung zu diesem Thema umfasste nicht nur die offiziellen Gedenkveranstaltungen, sondern auch die Reaktionen der Bevölkerung. Die jährliche Erinnerung an das Kriegsende war ein hochpolitisches Ereignis, das tief in die kollektive Erinnerung eingriff. Dabei zeigte sich, dass viele Bürger über die Geschichte der DDR und ihre eigene Situation im Land nachdachten. Einige Berichte dokumentieren die Diskussionen, die in diesem Kontext aufkamen – zum Beispiel bei der Landessynode der evangelischen Kirche in Thüringen. In diesen Gesprächen wurde das Thema Kriegsende behandelt, und sogar die sowjetischen Speziallager, die nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet worden waren, fanden Erwähnung. Diese Lager, die von der DDR-Führung jahrzehntelang totgeschwiegen wurden, wurden in der Diskussion plötzlich wieder aufgerufen, was auf ein wachsendes Bedürfnis nach Aufarbeitung der jüngeren Geschichte hindeutete.

Auch die Frauen für den Frieden, eine der wichtigsten oppositionellen Gruppen der DDR, nahmen das Gedenken zum Anlass, öffentlich zu protestieren. Bei ihrem Nachtgebet in Ostberlin im Mai 1985 nutzten sie die Figur der Trümmerfrauen als Metapher für ihre Veranstaltung. Diese Frauen symbolisierten den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, doch in den Augen der oppositionellen Bewegung standen sie auch für die Zerstörung durch das bestehende politische System der DDR. Ihre Forderungen nach Frieden und einer besseren Zukunft wurden durch das Gedenken an den Krieg in einen breiteren historischen Kontext gesetzt.

Interessanterweise spielten Fluchten und Ausreisen, die in der Wahrnehmung der DDR als größte Bedrohungen galten, in der Berichterstattung des Jahres 1985 nur eine untergeordnete Rolle. Es gab in diesem Jahr keine auffälligen Fluchtbewegungen oder Massenexodusse, die die Staatsführung besonders beunruhigten. In den offiziellen Berichten des MfS wird dieses Thema nur dann relevant, wenn es in westlichen Medien Aufmerksamkeit erregte. Ein bemerkenswerter Fall war die Flucht eines Wasserschutzpolizisten, der mit seinem Patrouillenboot von Potsdam über die Havel nach Westberlin gelangte. Diese Flucht fand jedoch erst dann Eingang in die Berichterstattung des MfS, als westliche Medien darüber berichteten. Es zeigte sich, dass das MfS vor allem auf externe Wahrnehmungen reagierte und weniger auf die eigentlichen Ursachen der Ausreisebewegung einging.

Das Jahr 1985 war also von der Wahrnehmung der DDR-Führung als ein Jahr des Übergangs und der Fortsetzung des „normalen Krisenmodus“ geprägt. Auch wenn die internen Probleme wie Umweltschäden, politische Stagnation und die Ausreisebewegung weiterhin drängten, blieb die öffentliche Diskussion innerhalb der DDR häufig unter der Oberfläche. Die Stasi wiederum konnte eine Vielzahl von Bürgerreaktionen überwachen und analysieren, jedoch war es zunehmend schwerer, die wachsenden Unzufriedenheiten und die Forderungen nach Reformen zu unterdrücken. Die Berichte des MfS zeugen von einer Gesellschaft im Wandel, die trotz der fortgesetzten Kontrolle durch die Staatsmacht immer mehr Raum für Kritik und Debatten schuf. Doch bis zum Ende des Jahrzehnts sollte sich die Situation der DDR grundlegend verändern – auch durch die globalen politischen Entwicklungen, die Gorbatschows Reformpolitik in der Sowjetunion einläutete.

Arbeiten für den Staat: Die Jugendwerkgruppen als Orte der Zwangsarbeit

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Alexander Müller wurde 1969 in der DDR geboren und verbrachte einen Großteil seiner Jugend in verschiedenen Heimen, die Teil des Jugendhilfesystems der DDR waren. Die prägenden Erfahrungen, die er dort machte, waren von Misshandlungen, Gewalt und Zwangsarbeit begleitet. Doch der Weg, der ihn in diese Heime führte, war bereits von Anfang an von einer schwierigen Familiengeschichte geprägt. Seine Mutter, eine Künstlerin und Kunsthandwerkerin, hatte sich durch ihre unkonventionelle Lebensweise und ihre Weigerung, sich dem gesellschaftlichen Druck zu beugen, immer wieder in Konflikt mit den staatlichen Behörden gebracht. Mehrmals wurde sie inhaftiert, was auch das Leben ihres Sohnes stark beeinflusste. Alexander wuchs ohne eine konstante Mutterfigur auf, da sie immer wieder aus dem Leben seines Kindes gerissen wurde, was ihm seine Kindheit erschwerte.

Bereits im Kindergarten und in der Schule erlebte Alexander eine Art von Isolation, die durch die wiederholten Inhaftierungen seiner Mutter noch verstärkt wurde. Nicht nur Mitschüler, sondern auch Pädagogen gingen mit ihm sehr hart um. Aufgrund der Inhaftierungen seiner Mutter wurde er gemobbt und ausgegrenzt. Die ablehnende Haltung der Erwachsenen gegenüber ihm hinterließ tiefe Spuren. Die Unfähigkeit der Institutionen, auf seine Situation einzugehen, führte dazu, dass er sich von der Welt um ihn herum zunehmend entfremdete. Der Druck, der auf ihm lastete, und die ständige Stigmatisierung durch die Gesellschaft führten dazu, dass er versuchte, diesen Umständen zu entfliehen, indem er die Schule schwänzte. Doch diese Flucht in den Widerstand gegen das System führte nur dazu, dass er schließlich in ein Heim eingewiesen wurde.

Die Heimunterbringung, die für Alexander eine der einschneidensten Erfahrungen seines Lebens darstellte, war in seinen Augen eine Form von Erpressung. Ihm wurde der Kontakt zu seiner Mutter in Aussicht gestellt, wenn er sich den strengen und oft willkürlichen Regeln des Heims fügte. Doch die Realität war eine andere. Als seine Mutter versuchte, ihn aus dem Heim zu holen, wurden ihre Bemühungen von den Behörden vereitelt. Er selbst erhielt nie eine klare Erklärung, warum seine Entlassung verweigert wurde. Die Situation verschlechterte sich weiter, als er von sexuellen Übergriffen im Heim „Sonnenland“ berichtete. Als er sich an die Jugendhilfe in Plauen wandte, verschlechterte sich seine Lage noch weiter. Statt dass man ihm half, wurde er zunehmend diskreditiert. Berichte wurden verfasst, die ihn als Dieb und Gewalttäter darstellten, was seine Situation weiter erschwerte und ihn im Heim isolierte.

Sein Versuch, sich politisch auszudrücken, führte zu seiner Ausschulung und Verlegung in eine Jugendwerkgruppe. In einem Aufsatz, in dem er die sowjetische Intervention in Afghanistan mit dem Falklandkrieg verglich, stellte er seine Haltung zum politischen System der DDR dar. Für die DDR-Behörden war dies ein klarer Anlass, ihn aus der Schule zu werfen und in eine Jugendwerkgruppe zu verlegen. Die Bedeutung dieser Entscheidung war für ihn gravierend: Sie bedeutete eine Verschärfung seiner Situation, da ihm nun nicht nur der Zugang zu Bildung verwehrt wurde, sondern er auch zu Zwangsarbeit verpflichtet wurde. Er musste für verschiedene DDR-Betriebe arbeiten, darunter die Fahrzeugindustrie, die Sachsenring-Werke und die Parkhauswerke in Karl-Marx-Stadt.

Die Jugendwerkgruppen, in denen Alexander untergebracht war, waren aus seiner Sicht Orte der Zwangsarbeit, an denen die Kinder und Jugendlichen nicht nur physisch misshandelt, sondern auch psychisch gebrochen wurden. Bildung war ein Fremdwort, und die einzige Aufgabe der Jugendlichen bestand darin, für den Staat zu arbeiten. In den Durchgangsheimen, in denen er untergebracht war, herrschten unmenschliche Bedingungen. Die Kinder und Jugendlichen wurden wie „Verwaltungsakte“ behandelt und lebten unter ständiger Kontrolle der Behörden. Der Mangel an Vertrauen gegenüber den Erwachsenen und die ständige Angst vor Bestrafung prägten seine gesamte Zeit in den Heimen. Für Alexander war diese Zeit ein permanenter Zustand der Isolation und Unterdrückung, der ihn in seiner Entwicklung und seinem Selbstwertgefühl schwer beeinträchtigte.

Mit 14 Jahren wurde ihm das Erziehungsrecht seiner Mutter entzogen, was ihn völlig dem System der DDR auslieferte. Er erlebte, wie sich die Gewalt und der Druck im Jugendwerkhof Burg, einem weiteren Heim, in dem er untergebracht war, weiter verschärften. Im Jugendwerkhof herrschte eine harte Hackordnung, die durch Gewalt und Misshandlungen durch die Erzieher aufrechterhalten wurde. Die Arbeit war extrem hart, und die Jugendlichen mussten in gefährlichen Arbeitsumfeldern tätig sein. Alexander beschrieb die Maschinen, mit denen er arbeiten musste, als veraltet und gefährlich, ohne jeglichen Arbeitsschutz. Außerdem wurden ihm Löhne für verschlissene Arbeitsmittel abgezogen, was die ohnehin schon prekären Arbeitsbedingungen weiter verschärfte.

Die Zwangsarbeit, die Alexander im Jugendwerkhof leisten musste, fand in verschiedenen DDR-Betrieben statt. Er arbeitete unter anderem für das Stahl- und Walzwerk Burg, die Salzgitter AG, die Kneckewerke, die Schuhwerke und sogar für IKEA. Er berichtete von der Produktion von Verschlussbändern für Stahlbleche, Transportkisten, Kneckebrot und Schuhen für westliche Firmen wie Salamander. In Torgau arbeitete er unter anderem für die Weißgeräteindustrie in Billitz-Ernberg, die Werftenindustrie und die Firma Fortschritt. Die Arbeitsbedingungen waren katastrophal, die Maschinen veraltet, und der Druck, die Arbeitsnormen zu erfüllen, war enorm. Wer die Vorgaben nicht erreichte, wurde bestraft – mit Einzelarrest, Dunkelarrest oder Strafsport. Diese Strafen hinterließen bei Alexander tiefe psychische Narben und prägten sein Leben nachhaltig.

Die ständige Angst, die Arbeitsnormen nicht zu erreichen, führte dazu, dass Alexander kaum Pausen einlegen konnte und stets unter dem Gefühl der Bedrohung stand. Die unmenschlichen Bedingungen, die er in den Jugendwerkhöfen erlebte, zeigten ihm, wie wenig der Staat an das Wohl seiner Bürger dachte und wie sehr er bereit war, die Jugend als Arbeitsressource auszubeuten. Die Zwangsarbeit, die er als solchen bezeichnete, war für ihn eine der schmerzhaftesten und entwürdigendsten Erfahrungen seiner Jugend. Die ständige Überwachung und die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten gaben ihm das Gefühl, ein Rädchen im System zu sein, dessen Existenz keine Bedeutung hatte.

Nach seiner Entlassung aus dem Heim, in dem er die letzten Jahre seiner Jugend verbracht hatte, sah sich Alexander erneut mit einer Form von Zwangsarbeit konfrontiert. Er wurde mit einer Arbeitsplatzbindung in den Kraftverkehr in Plauen gezwungen, was er als eine weitere Form der Kontrolle und Ausbeutung empfand. Auch hier gab es keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten für ihn, und er wurde vom Staat überwacht, ohne dass er eine echte Chance hatte, sein Leben selbst zu gestalten. Doch trotz dieser anhaltenden Kontrolle und Ausbeutung begann Alexander in den letzten Jahren der DDR, die Wende als einen Zeitpunkt der Hoffnung zu erleben. Er traf Gleichgesinnte, die ebenfalls die Hoffnung auf Veränderung teilten. In dieser Zeit begann er zu erkennen, dass er trotz all der traumatischen Erfahrungen und der ständigen Unterdrückung ein „völlig normaler Jugendlicher“ war, der das Recht hatte, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Diese Erkenntnis war für ihn eine der wichtigsten Wendeerfahrungen. Sie half ihm, die schweren Jahre im System der DDR hinter sich zu lassen und einen Weg in ein neues Leben zu finden. Die Erinnerung an die Zwangsarbeit und die unmenschlichen Bedingungen, die er durchlebte, ist jedoch ein Teil seiner Vergangenheit, den er nie vergessen wird. Die prägenden Erfahrungen seiner Jugend haben ihn nachhaltig beeinflusst und ihm gezeigt, wie stark das System der DDR in das Leben der Menschen eingriff und wie es ihre Entwicklung verhinderte.

Die Krämerbrücke in Erfurt: Leben und Arbeiten auf einem Wahrzeichen

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Die Krämerbrücke in Erfurt ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein bewohntes und belebtes Symbol der Thüringer Landeshauptstadt. Als längste durchgehend bebaute und bewohnte Brücke Europas zieht sie jährlich Tausende Touristen an. Doch wie gestaltet sich das Leben und Arbeiten auf einem solchen historischen Wahrzeichen? In einer ARD Room Tour gibt Künstlerin Britta Einblicke in ihr Leben auf der Brücke – eine Mischung aus Tradition, Gemeinschaft und Kreativität.

Ein Leben inmitten der Geschichte
Britta lebt seit mehreren Jahren auf der Krämerbrücke, in einem Gebäude mit einer Jahrhunderte alten Geschichte. Ursprünglich von einer Antiquitätenhändlerin übernommen, ist das Haus für sie nicht nur Wohnraum, sondern auch Atelier und Galerie. Diese enge Verbindung von Leben und Arbeit spiegelt die historische Nutzung der Brücke wider: Schon im Mittelalter war sie ein Ort des Handels und der Begegnung.

Die Wohnung selbst ist klein, etwa 50 Quadratmeter groß, mit niedrigen Decken und schiefen Wänden – typische Merkmale der historischen Bausubstanz. Ursprünglich waren es drei separate Häuser, die im Mittelalter zusammengelegt wurden. Trotz der beengten Verhältnisse empfindet Britta die Räumlichkeiten als charmant und inspirierend. Die Mischung aus modernen Elementen, wie individuell angefertigten Fenstern, und den ursprünglichen Strukturen schafft eine einzigartige Atmosphäre.

Gemeinschaft und Nachbarschaft
Das Leben auf der Krämerbrücke ist geprägt von einer besonderen Gemeinschaft. Nachbarn kennen sich, helfen einander und treffen sich regelmäßig. „Man sagt, es ist wie ein Dorf in der Stadt“, beschreibt Britta die enge Nachbarschaft. Diese Nähe wird durch die bauliche Struktur der Brücke noch verstärkt – Fenster liegen sich gegenüber, und oft winken sich die Bewohner zu.

Neben dieser Nachbarschaftlichkeit gibt es auch viele Begegnungen mit Touristen, die die Brücke bewundern und dabei oft gar nicht realisieren, dass sie sich bereits darauf befinden. Die Mischung aus lokalem Leben und internationalem Flair macht das Leben auf der Krämerbrücke so einzigartig.

Kreatives Arbeiten in historischem Ambiente
Britta hat ihre Wohnung und ihr Atelier bewusst so gewählt, dass sie beides in einem Haus vereinen kann. Im Erdgeschoss befindet sich ihr Laden, in dem sie nicht nur ihre eigenen Werke, sondern auch Arbeiten von befreundeten Künstlern verkauft. Hier knüpft sie an eine alte Tradition der Brücke an: das Färben. Mithilfe einer japanischen Technik färbt sie Woll- und Seidentücher mit natürlichen Pflanzenfarben.

Im Atelier teilt sie den Raum mit Marcel Kromow, einem Fotografen, der sich auf Stillleben spezialisiert hat. Besonders beeindruckend ist die barocke Stuckdecke im Atelier – ein Relikt aus der Zeit, als das Gebäude einem Kannengießer gehörte. Diese Decke mit ihrer zentralen Glockenverzierung ist für Marcel nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch eine Inspirationsquelle für seine Arbeiten.

Ein Ort voller Möglichkeiten
Die Krämerbrücke ist weit mehr als ein historisches Bauwerk. Für Britta und viele andere Bewohner ist sie ein Ort der Kreativität, der Begegnung und des Miteinanders. Ihre persönliche Geschichte zeigt, wie lebendig ein Leben auf einem Wahrzeichen sein kann – geprägt von der Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Für Besucher und Bewohner gleichermaßen bleibt die Krämerbrücke ein magischer Ort, der durch seine einzigartige Mischung aus Geschichte und moderner Lebendigkeit fasziniert. Die ARD Room Tour bietet einen seltenen Einblick hinter die Kulissen dieses außergewöhnlichen Wahrzeichens und lässt erahnen, wie es ist, Teil dieses besonderen Mikrokosmos zu sein.

Zusammenfassung der Stadtratssitzung von Wernigerode am 05.12.2024

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Die Sitzung beginnt mit einer Gedenkminute für zwei ehemalige Stadträte. Es handelt sich hierbei um eine respektvolle Geste des Stadtrats, die an die langjährigen politischen Persönlichkeiten erinnert, die Wernigerode geprägt haben. Nach der Gedenkminute erfolgt die Feststellung der Beschlussfähigkeit, die ohne Beanstandungen festgestellt wird. Die Tagesordnung wird zur Abstimmung gestellt, und sie wird einstimmig angenommen, was ein deutliches Zeichen für die Übereinstimmung und Harmonie im Rat darstellt.

Anschließend folgt die Bekanntgabe von Beschlüssen, die in nichtöffentlichen Teilen früherer Sitzungen gefasst wurden. Diese beinhalten eine Reihe von Personalangelegenheiten, welche aufgrund ihrer Sensibilität nicht öffentlich behandelt werden können. Weiterhin wird die Zustimmung zur Veräußertung einer städtischen Immobilie und der Abschluss eines Erdbaurechtsvertrages bekanntgegeben, was darauf hinweist, dass die Stadt weiterhin ihre Ressourcen in Einklang mit ihren langfristigen Entwicklungszielen verwaltet.

Im Rahmen der Einwohnerfragestunde werden zwei Themen angesprochen. Herr Rothart äußert seine Besorgnis über die Mehrwegsangebotspflicht auf dem Weihnachtsmarkt und fragt, ob die Stadt Wernigerode sowie die WTG (Wernigeröder Tourismus GmbH) diesen Missstand zeitnah beheben werden. Der Oberbürgermeister reagiert auf die Frage und verspricht eine schriftliche Beantwortung sowie eine Weiterleitung der Anfrage an den Veranstalter des Weihnachtsmarktes, um schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen. Die Thematik zeigt auf, wie Bürgerengagement in lokale Entscheidungen einfließt und wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse der Einwohner zeitnah zu reagieren.

Frau Götz bittet den Stadtrat darum, das Buch „Spurensuche“ von Peter Lehmann, das sich mit den Grausamkeiten von Kriegen und deren Bezug zu Wernigerode auseinandersetzt, an die Schulen der Stadt weiterzugeben. Der Oberbürgermeister zeigt sich offen für diesen Vorschlag und verweist auf die Zuständigkeit der Amtsleiterin Frau Lisowski. Dieser Antrag unterstreicht das Interesse an der Förderung von Bildung und dem Diskurs über schwierige, aber wichtige Themen wie Krieg und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Der Oberbürgermeister informiert die Sitzungsteilnehmer über verschiedene anstehende Termine, darunter kulturelle Veranstaltungen wie das Schürker Klippenglühen, die Eröffnung eines neuen Spielplatzes in Minsleben, verschiedene Dorfweihnachtsfeiern sowie der Weihnachtsmarkt, der bis zum 22. Dezember stattfindet und anschließend durch den Wintermarkt an der Blumenuhr bis zum 6. Januar ersetzt wird. Diese Veranstaltungen spiegeln die lebendige und vielfältige Kultur in Wernigerode wider und bieten den Bürgern zahlreiche Gelegenheiten zur Begegnung und zur Teilnahme an gemeinschaftlichen Ereignissen.

Er kündigt zudem die Lesung von Ulrich Mattes im Konzerthaus Liebfrauen an und erinnert an den bevorstehenden Neujahrsempfang im Marstall sowie an die Ausschreibung für Auszubildende in der Stadtverwaltung. Diese Ankündigungen zeigen, wie die Stadt sowohl kulturell als auch im Hinblick auf die Berufsausbildung aktiv ist. Der Oberbürgermeister verweist außerdem auf den Stiftungsbericht 23 und informiert die Ratsmitglieder darüber, dass das Beteiligungsportal der Stadt nun auf das Portal des Landes Sachsen-Anhalt weitergeleitet wird. Diese Umstellung soll die Kommunikation zwischen den Bürgern und der Stadtverwaltung weiter optimieren. Zudem bittet er um Teilnahme an einer Umfrage zur Nutzung der Informationsmedien der Stadt, um die Bürgerbeteiligung zu stärken.

Ein weiteres Thema, das zur Diskussion steht, ist die mögliche Übernahme des Brockenplateaus durch die Stadt Wernigerode. Der Oberbürgermeister nimmt zu dieser Frage Stellung und stellt klar, dass in den letzten Jahren kein qualifiziertes Angebot für den Ankauf des Brockenplateaus vorlag. Er betont, dass es keine „Notsituation“ auf dem Brockenplateau gibt, da dieses Gebiet nicht aktiv vermarktet wird und somit keine Gefahr besteht, dass es bald an einen privaten Investor verkauft wird. Der Oberbürgermeister äußert jedoch auch Zweifel am Bau eines Veranstaltungssaals auf dem Brocken und erklärt, dass ihm wesentliche Informationen wie ein Betreiberkonzept und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse fehlen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Stattdessen plädiert er für eine qualitativ hochwertige Weiterentwicklung des Brockens, bei der sich die Stadt einbringen würde, ohne die bestehenden Herausforderungen zu überschätzen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung fordert Herr Schatz, die Diskussion über das Brockenprojekt im öffentlichen Teil fortzusetzen, da auch der Landkreis Wernigerode finanziell über die Kreisumlage beteiligt sein könnte. Dies unterstreicht die Bedeutung der gemeinsamen Verantwortung und des Dialogs auf regionaler Ebene. Herr Thurm kritisiert hingegen die Länge der Tagesordnung und regt an, zusätzliche Parkplätze am Ziegenbergsblick zu schaffen, um den Verkehr in diesem Bereich zu entlasten. Er fordert außerdem eine Straffung der Tagesordnung, um effizienter arbeiten zu können.

In der Folge gibt der Oberbürgermeister Auskunft zur aktuellen Situation der Wasserversorgung in Wernigerode. Aufgrund von Grenzwertüberschreitungen musste die Wasserversorgung vorübergehend eingestellt werden. Der Oberbürgermeister versichert jedoch, dass die Situation unter Kontrolle sei und die Bevölkerung weiterhin gut versorgt wird. Herr Winkelmann nimmt die Gelegenheit wahr, die Verkehrslage in der unteren Breiten Straße während des Weihnachtsmarktes zu kritisieren und fordert eine bessere Beschilderung sowie mehr Rücksichtnahme von den Verkehrsteilnehmern. Dies zeigt, wie auch kleinere, alltägliche Probleme die Bürger beschäftigen und wie wichtig es ist, diese in einer Sitzung anzusprechen.

Herr Bergfeld spricht sich für die Beendigung des Projekts „Wernigeröder Modell“ aus und plädiert dafür, aufgrund der Haushaltskonsolidierung und des knappen Personals zunächst beim bewährten Augsburger Modell zu bleiben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Umsetzung von Projekten auch die finanziellen und personellen Ressourcen der Stadt im Blick zu behalten. Herr Zimmermann unterstützt diesen Vorschlag und fordert, dass bei der Bewertung der Beschlussvorlagen weiterhin das Augsburger Modell verwendet wird, da es in der Vergangenheit gute Ergebnisse geliefert hat.

Es folgen weitere Themen, darunter die Besprechung von Eilentscheidungen und die Neufassungen wichtiger Satzungen, wie der Feuerwehrsatzung und der Sondernutzungssatzung, die einstimmig angenommen werden. Auch die Neufassung der Friedhofsatzung und der Friedhofsgebührensatzung werden zur weiteren Beratung in die entsprechenden Ausschüsse verwiesen.

Ein weiteres bedeutendes Thema ist die finanzielle Förderung des Trainingsplatzes am Bielstein, die nach einer Präsentation des Projekts durch Herrn Wieker und einer Diskussion mit dem Verein FC Einheit Wernigerode mehrheitlich angenommen wird. Dies zeigt das Engagement der Stadt in der Förderung von Sport und der Infrastruktur für die Jugend. Zudem wird die Einführung eines Wirtschaftspreises zur weiteren Beratung in die Ausschüsse verwiesen, während die Auflösung der Kindertageseinrichtung Kindergrippe am Auerhahn ebenfalls zur weiteren Beratung überwiesen wird.

Die Sitzung endet mit einem Hinweis auf den nichtöffentlichen Teil und den besten Wünschen für die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage sowie das neue Jahr. Der Oberbürgermeister unterstreicht damit noch einmal die Bedeutung der bevorstehenden Feiertage für die Stadt und ihre Bürger.

Von Kindheitsträumen zu Sammlerstücken: Der heutige Blick auf DDR-Fernlenkautos

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Die Spielzeugproduktion in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war geprägt von einer beeindruckenden Bandbreite und Kreativität, trotz der oft knappen Ressourcen. Unter den beliebten Spielzeugkategorien stachen Fernlenkautos hervor, die in vielen Kinderzimmern zu finden waren. Diese Fahrzeuge waren mehr als bloße Spielzeuge – sie repräsentierten technische Errungenschaften, Kindheitsträume und eine besondere Form des kreativen Umgangs mit begrenzten Mitteln. Dieser Text beleuchtet die Vielfalt der Fernlenkautos in der DDR, von bekannten Klassikern bis hin zu ungewöhnlichen und seltenen Modellen.

Die Anfänge: Technisches Spielzeug und erste Modelle
Die ersten Fernlenkautos der DDR wurden in den 1950er-Jahren produziert. Hersteller wie Pressu und Anker brachten Modelle heraus, die oft an sowjetische oder amerikanische Straßenfahrzeuge angelehnt waren. Diese Spielzeuge zeichneten sich durch robuste Metallkonstruktionen und einfach zu bedienende Fernsteuerungen aus. Eines der frühesten Modelle war der Wartburg 311, der mit batteriebetriebener Lenkung ausgestattet war und durch sein realistisches Design beeindruckte.

Ein besonderes Highlight war der Tatra 600, ein Modell, das für seine eleganten Linien und die Liebe zum Detail bekannt war. Diese Fahrzeuge waren nicht nur für Kinder ein Vergnügen, sondern begeisterten auch Sammler. Ein weiteres frühes Modell war der Bolski Fiat, ein Spielzeugauto mit beeindruckenden Funktionen wie blinkenden Lichtern und einer Rückfahrfunktion. Diese frühen Fahrzeuge legten den Grundstein für die Beliebtheit von Fernlenkautos in der DDR.

Klassiker: Der Wartburg 353 und seine Varianten
Kein anderes Modell war in den Kinderzimmern der DDR so verbreitet wie der Wartburg 353. Besonders beliebt war die Polizei-Version, die in den 1960er-Jahren erschien. Diese Variante war mit blauen Rundumleuchten und einer realistischen Lackierung ausgestattet. Der Wartburg 353 wurde von Pressu gefertigt und war aufgrund seiner Stabilität und technischen Funktionen eines der langlebigsten Modelle.

Der Wartburg war nicht nur ein Spielzeug, sondern auch ein Symbol des DDR-Alltags. Kinder verwandelten Gärten und Wohnzimmer in Rennstrecken, auf denen der Wartburg gegen andere Modelle antrat. Die Polizei-Version des 353 war besonders faszinierend, da sie nicht nur die Fantasie anregte, sondern auch ein Stück Realität in die Spielewelt brachte.

Ungewöhnliche Modelle: De Tomaso Mangusta und Alfetta Spider
Neben den Klassikern gab es auch exotische Modelle, die eher selten waren. Der De Tomaso Mangusta war eines dieser Fahrzeuge. Mit seiner sportlichen Erscheinung und den ungewöhnlichen Funktionen war er ein Highlight in jedem Kinderzimmer. Ähnlich verhielt es sich mit dem Alfetta Spider, einem stilvollen Modell, das mit seiner Liebe zum Detail beeindruckte.

Diese Fahrzeuge waren oft auf spezielle Anlässe beschränkt, da sie nicht in Massen produziert wurden. Ihre Seltenheit macht sie heute zu begehrten Sammlerobjekten. Kinder, die eines dieser Modelle besaßen, waren in der Nachbarschaft oft die Stars.

Technische Innovationen: Hydraulik und RC-Systeme
In den 1980er-Jahren wurden die Modelle technisch anspruchsvoller. Einige Fahrzeuge wurden mit Hydrauliksystemen ausgestattet, die realistische Bewegungen ermöglichten. Ein Beispiel hierfür ist der Bulldozer von MSB Brandenburg, der nicht nur durch sein realistisches Design, sondern auch durch seine technische Raffinesse überzeugte.

Zusätzlich wurden erste Modelle mit Fernsteuerungssystemen entwickelt, die auf Funktechnik basierten. Diese sogenannten RC-Systeme (Remote Control) boten eine bessere Kontrolle und ein realistischeres Spielerlebnis. Besonders faszinierend war die Möglichkeit, Fahrzeuge in alle Richtungen zu lenken und ihre Geschwindigkeit zu steuern.

Einzigartige Konstruktionen: Der Unikat-Kran und das Baukasten-System
Ein weiteres Highlight der DDR-Spielzeugproduktion war das Unikat-System, das Konstruktionsspielzeug mit Fernlenktechnik kombinierte. Kinder konnten aus Metallbaukästen eigene Fahrzeuge oder Kräne zusammenbauen und diese dann mit einer Fernsteuerung bedienen. Diese Spielzeuge förderten nicht nur die Kreativität, sondern auch das technische Verständnis.

Ein berühmtes Beispiel war der Unikat-Kran, der mit pneumatischen Bewegungen ausgestattet war. Kinder konnten den Kran tatsächlich heben und senken, was ihn zu einem beliebten Spielzeug für angehende Ingenieure machte. Solche Modelle zeigten die beeindruckende Innovationskraft der DDR-Spielzeughersteller.

Die Rolle der Spielzeugindustrie in der DDR
Die Spielzeugindustrie der DDR war nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern auch ein kulturelles Phänomen. Die Produktion von Fernlenkautos spiegelte den technischen Fortschritt wider und bot gleichzeitig eine Flucht in die Welt der Fantasie. Trotz knapper Ressourcen und wirtschaftlicher Herausforderungen gelang es den Herstellern, qualitativ hochwertige und innovative Spielzeuge zu produzieren.

Ein Großteil der Produktion wurde ins westliche Ausland exportiert, um Devisen zu erwirtschaften. Dennoch fanden viele Modelle ihren Weg in die Kinderzimmer der DDR, wo sie Teil unzähliger Spielstunden wurden.

Die Fernlenkautos der DDR waren mehr als nur Spielzeug – sie waren Symbole einer besonderen Zeit. Von Klassikern wie dem Wartburg 353 bis hin zu seltenen Modellen wie dem De Tomaso Mangusta boten sie eine beeindruckende Vielfalt und technische Raffinesse. Heute sind diese Fahrzeuge nicht nur begehrte Sammlerstücke, sondern auch ein Stück lebendiger Geschichte. Sie erzählen von der Kreativität, dem Einfallsreichtum und der Leidenschaft, mit der die Menschen in der DDR trotz aller Einschränkungen das Beste aus ihrer Situation machten.