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Die verlassene Tuberkulose-Klinik in Kolkwitz in Brandenburg

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Kolkwitz. Die Tuberkulose-Klinik in Kolkwitz, bekannt als Sanatorium Kolkwitz, war eine bedeutende medizinische Einrichtung in der Nähe von Cottbus im Bundesland Brandenburg. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet, zu einer Zeit, als Tuberkulose eine der häufigsten und gefährlichsten Infektionskrankheiten war. Das Sanatorium lag in einer waldreichen, ruhigen Gegend, da man glaubte, dass frische Luft und ein naturnahes Umfeld zur Heilung der Patienten beitragen würden.

Die Klinik bot umfassende medizinische Betreuung für Tuberkulose-Patienten, die oft lange Behandlungszeiträume benötigten. Zu den typischen Behandlungsmethoden gehörten die Frischlufttherapie, bei der Patienten viel Zeit im Freien verbrachten, auch im Winter, um die Lungen zu stärken. Strikte Ruhe und eine gesunde Ernährung waren ebenfalls zentrale Bestandteile der Therapie. Mit Fortschreiten der medizinischen Forschung kamen auch spezifische Medikamente gegen Tuberkulose zum Einsatz, was die Heilungschancen der Patienten erheblich verbesserte.

In der Nachkriegszeit und insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren, als die Entdeckung wirksamer Antibiotika die Behandlung von Tuberkulose revolutionierte, nahm die Bedeutung von Sanatorien wie der Klinik in Kolkwitz ab. Viele dieser Einrichtungen wurden geschlossen oder umgewidmet, da Tuberkulose zunehmend unter Kontrolle gebracht werden konnte. Auch die Tuberkulose-Klinik in Kolkwitz existiert heute in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr. Die Gebäude wurden möglicherweise für andere medizinische oder soziale Zwecke genutzt oder sind Teil historischer Dokumentationen und Erinnerungen an die Gesundheitsgeschichte der Region.

Die Tuberkulose-Klinik in Kolkwitz steht stellvertretend für die zahlreichen Sanatorien, die im frühen 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle im Kampf gegen Tuberkulose spielten. Sie erinnert an eine Zeit, in der diese Krankheit eine ernsthafte Bedrohung darstellte und spezialisierte Einrichtungen notwendig waren, um die Ausbreitung und die Folgen der Krankheit zu bekämpfen.

Glashütte 1971 – Die Uhren beherrschen die Stadt im Erzgebirge

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Glashütte, eine Stadt im Erzgebirge, ist weltweit bekannt für ihre traditionsreiche Uhrenindustrie. Im Jahr 1971 befand sich Glashütte in der DDR und war ein Zentrum für die Herstellung hochwertiger mechanischer Uhren. Die Geschichte der Uhrenherstellung in Glashütte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Ferdinand Adolph Lange 1845 die erste Uhrenmanufaktur gründete und den Grundstein für den Ruf der Stadt als Uhrenmetropole legte.

Während der DDR-Zeit wurden die privaten Uhrenmanufakturen in Glashütte verstaatlicht und in den volkseigenen Betrieb (VEB) Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) überführt. GUB war der zentrale Akteur in der Uhrenproduktion der DDR und vereinte alle bisherigen Uhrenhersteller der Region unter einem Dach. Dies geschah in einer Zeit, in der die DDR stark auf Zentralisierung und Verstaatlichung setzte, um die Wirtschaft zu kontrollieren und zu planen.

1971 war ein Jahr, in dem die Uhrenindustrie in Glashütte weiter unter den Bedingungen der sozialistischen Planwirtschaft arbeitete. Die Produktion war auf Massenfertigung ausgerichtet, wobei sowohl einfache als auch anspruchsvollere mechanische Uhren hergestellt wurden. Trotz der Einschränkungen durch die Planwirtschaft und die teilweise mangelhafte Versorgung mit hochwertigen Materialien gelang es den Glashütter Uhrenbetrieben, eine gewisse Qualität zu wahren und sowohl im Inland als auch im sozialistischen Ausland Anerkennung zu finden.

In dieser Zeit wurden in Glashütte nicht nur Armbanduhren, sondern auch andere Präzisionsinstrumente wie Chronometer und Stoppuhren produziert. Die Ingenieure und Uhrmacher in Glashütte setzten ihr Wissen und Können ein, um weiterhin innovative und zuverlässige Produkte zu entwickeln, obwohl sie oft mit begrenzten Ressourcen und technologischen Herausforderungen konfrontiert waren.

Die Ausbildung von Uhrmachern in Glashütte war ebenfalls von hoher Bedeutung. Die Stadt beherbergte renommierte Ausbildungsstätten, an denen neue Generationen von Uhrmachern ausgebildet wurden. Diese Tradition der handwerklichen Ausbildung und des Know-hows trug wesentlich dazu bei, den hohen Standard der Glashütter Uhrenproduktion zu erhalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Glashütte im Jahr 1971 ein bedeutendes Zentrum der Uhrenproduktion in der DDR war. Trotz der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der sozialistischen Planwirtschaft gelang es den Glashütter Uhrenbetrieben, die Tradition der hochwertigen Uhrenherstellung fortzusetzen und den Ruf der Stadt als Zentrum der Uhrmacherkunst zu bewahren. Die Stadt und ihre Uhrenindustrie standen für handwerkliche Präzision und technische Innovation, eingebettet in die spezifischen Herausforderungen und Bedingungen der DDR-Zeit.

Glashütte 1971 – Dokumentation des DDR Fernsehens über Glashütte. Zeitdokument über das Leben in und um Glashütte und der Uhrenproduktion.

Was sich die Menschen in der DDR alles einfallen ließen, um telefonieren zu können

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Das Telefonieren in der DDR war durch verschiedene Faktoren geprägt, die die Kommunikation stark beeinflussten. Anders als heute war das Telefon in der DDR kein alltägliches Kommunikationsmittel für alle, sondern ein Luxus, der mit vielen Einschränkungen verbunden war.

Telefonanschlüsse und Infrastruktur
Die Versorgung mit Telefonanschlüssen war in der DDR stark limitiert. Haushalte, die einen Telefonanschluss besaßen, waren in der Minderheit. Vor allem in den ländlichen Gebieten war der Zugang zu Telefonanschlüssen eingeschränkt, und es gab lange Wartezeiten für die Installation eines neuen Anschlusses. Diese konnten mehrere Jahre betragen.

Öffentliche Telefone
Um die geringe Verbreitung privater Telefonanschlüsse zu kompensieren, gab es viele öffentliche Telefonzellen und Postämter mit Telefonen. Diese waren oft stark frequentiert und es war üblich, für ein Telefongespräch anstehen zu müssen.

Qualität und Zuverlässigkeit
Die Qualität der Telefonleitungen war oft schlecht. Es gab häufig Störungen und die Sprachqualität ließ zu wünschen übrig. Die Infrastruktur war veraltet und es gab nur begrenzte Investitionen in die Modernisierung des Telefonnetzes.

Überwachung und Kontrolle
Eine Besonderheit des Telefonierens in der DDR war die allgegenwärtige Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi). Telefongespräche konnten abgehört und aufgezeichnet werden, insbesondere wenn eine Person als politisch verdächtig galt. Dies führte dazu, dass viele Menschen vorsichtig waren, was sie am Telefon besprachen.

Internationale Telefonate
Telefonate ins westliche Ausland waren mit zusätzlichen Hürden verbunden. Sie mussten oft vorher beantragt und konnten nur über spezielle Vermittlungsstellen geführt werden. Die Kosten waren hoch und es gab strenge Kontrollen.

Telefonkultur
In der DDR entwickelte sich eine eigene Telefonkultur, die sich durch Effizienz und Prägnanz auszeichnete. Aufgrund der Einschränkungen und Überwachung wurden Telefongespräche meist kurz und sachlich gehalten. Für private und vertrauliche Gespräche traf man sich lieber persönlich.

Zusammengefasst war das Telefonieren in der DDR ein von Einschränkungen, schlechter Infrastruktur und Überwachung geprägtes Erlebnis. Trotz der Hindernisse nutzten die Menschen die verfügbaren Möglichkeiten, um miteinander in Kontakt zu bleiben und wichtige Informationen auszutauschen.

Im nachfolgenden Video spricht Dr. Stefan Wolle, der wissenschaftliche Leiter des DDR Museum über die Telefonie in der DDR. Telefone waren eine Rarität und vor den Telefonzellen bildeten sich Schlangen. Was sich die Menschen in der DDR alles einfallen ließen, um telefonieren zu können, erfahrt ihr in diesem Video.

Dr. Stefan Wolle: Jahrgang 1950, Studium der Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin, 1972 Relegation aus politischen Gründen, Arbeit in einem Produktionsbetrieb, 1976–89 Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR, 1984 Promotion, 1990 Mitarbeiter des Komitees für die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit, 1991-96 Assistent an der Humboldt-Universität, 1996–98 Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1998–2000 Referent bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, danach freier Autor, zeitweilige Mitarbeit im Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin, seit 2005 wissenschaftlicher Leiter des DDR Museum. weitere Videos unter https://www.youtube.com/@ddrmuseum/videos

Jenaer OB Thomas Nitzsche über eine „oberirdisch autofreie Innenstadt“

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Die Freitagsbotschaft von Jenaer Oberbürgermeister Thomas Nitzsche am 13. Dezember 2024 widmete sich vor allem einem zentralen Thema: dem Parken in der Innenstadt. In seinem ausführlichen Beitrag beleuchtete er verschiedene Maßnahmen, die die Stadt ergreifen möchte, um die Parkplatzsituation in der Innenstadt zu verbessern und gleichzeitig die Attraktivität der Stadt zu erhöhen.

Einleitung und politischer Kontext
Nitzsche begann die Freitagsbotschaft mit einem aktuellen politischen Thema: der Wahl von Mario Voigt zum neuen Thüringer Ministerpräsidenten. Der Oberbürgermeister beglückwünschte Voigt zu seiner Wahl und betonte die Wichtigkeit dieser politischen Entwicklung für Thüringen. Besonders hervorhob er die Bedeutung eines zügigen Beschlusses des Landeshaushalts, da viele kommunale Projekte auch von der Finanzierung durch das Land abhängen. Diese politische Vorbemerkung war nicht nur ein Zeichen für die Aktualität der Nachricht, sondern verdeutlichte auch den Zusammenhang zwischen kommunaler und Landespolitik.

Parken in der Innenstadt: Ein vielschichtiges Problem
Der Hauptfokus von Nitzsches Botschaft lag auf der Parkraumbewirtschaftung in der Jenaer Innenstadt. Hier zeichnete sich ein wachsender Konflikt zwischen den Bedürfnissen der Anwohner und den Pendlern ab, die ihre Autos in der Stadt abstellen. Die Parkplatzsituation war zunehmend von Konkurrenz geprägt, da Pendler oft die Parkplätze der Anwohner in Anspruch nahmen, was zu einer angespannten Atmosphäre führte.

Die Lösung dieses Problems, so Nitzsche, wurde durch eine Veränderung des Bundesrechts möglich. Die Stadt habe nun die rechtliche Möglichkeit, Anwohnerparkplätze effizienter zu gestalten, was insbesondere den Anwohnern zugutekommen soll. Dabei ging der Oberbürgermeister auf die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung ein, bei der Parkautomaten aufgestellt und Kontrollen durchgeführt werden sollen. Dies würde nicht nur den Anwohnern eine bevorzugte Parkmöglichkeit verschaffen, sondern auch dafür sorgen, dass die Parkplatzsituation insgesamt fairer gestaltet wird.

Finanzielle Aspekte der Parkraumbewirtschaftung
Ein zentrales Thema der Freitagsbotschaft war die Finanzierung der Parkraumbewirtschaftung. Nitzsche erklärte, dass das Aufstellen von Parkautomaten und die Durchführung von Kontrollen mit erheblichen Kosten verbunden seien. Bislang deckte die Gebühr für den Anwohnerparkausweis lediglich die Kosten für die Ausstellung des Ausweises. Um die höheren Kosten der Bewirtschaftung zu decken, erlaube das geänderte Bundesrecht eine Erhöhung der Gebühren. Die Stadt Jena werde dabei jedoch eine moderate Gebühr von 120 Euro pro Jahr (entsprechend 10 Euro pro Monat) erheben, was im Vergleich zu anderen Städten, in denen Gebühren zwischen 200 und 300 Euro liegen, relativ gering sei. Diese Gebühr sei notwendig, um die Verwaltungskosten zu decken und gleichzeitig den Stadthaushalt nicht übermäßig zu belasten.

Die Ziele der Parkraumbewirtschaftung
Ein weiteres Ziel dieser Maßnahme sei es, die Innenstadt für alle attraktiver zu machen, indem der Parkdruck auf den oberirdischen Parkplätzen reduziert wird. Durch eine intelligente Preisgestaltung erhofft sich Nitzsche, dass mehr Menschen bereit sind, in Parkhäuser oder Tiefgaragen zu fahren. Diese sind bislang unterausgelastet, und die Stadt möchte mit höheren Parkgebühren im Straßenraum eine Lenkungswirkung erzielen, die Autofahrer dazu anregen soll, auf diese Parkmöglichkeiten auszuweichen. Die Parkhäuser seien gut ausgestattet und verfügten über ausreichend Kapazitäten, um den Parkbedarf in der Innenstadt zu decken.

Nitzsche erklärte, dass dieses Konzept langfristig dazu beitragen sollte, die Innenstadt insgesamt weniger von parkenden Autos zu dominieren, was zu einer höheren Lebensqualität für die Bewohner und eine angenehmere Atmosphäre für Fußgänger und Radfahrer führen würde. Das Ziel sei es, den Verkehr in der Innenstadt zu beruhigen und den Platz für Fußgänger und Radfahrer zurückzugewinnen, ähnlich wie dies in der Wagnergasse vor einigen Jahren geschehen sei.

Verkehrspolitische Vision: Eine „oberirdisch autofreie Innenstadt“
Ein weiterer zentraler Punkt in der Freitagsbotschaft war die Vision einer „oberirdisch autofreien Innenstadt“. Nitzsche betonte, dass es nicht um eine völlige Abschaffung des Autos in der Innenstadt gehe, sondern darum, den Verkehr unter die Erde zu verlagern. Er vergleicht dies mit der Entwicklung der Wagnergasse, die früher von starkem Verkehr geprägt war und heute eine Fußgängerzone ist. Durch die Lenkungswirkung der Parkgebühren erhofft sich die Stadt, dass immer mehr Autofahrer ihre Fahrzeuge in Parkhäusern abstellen und somit die oberirdischen Parkflächen für andere Nutzungsmöglichkeiten freigegeben werden.

Das Ziel sei es, die Innenstadt zu einem attraktiven Ort für die Menschen zu machen, an dem Autos nicht mehr die Dominanz über den öffentlichen Raum übernehmen. Dieser Schritt werde nicht nur zur Verbesserung der Lebensqualität in der Innenstadt beitragen, sondern auch die Wirtschaft ankurbeln, indem die Verweildauer der Menschen in der Stadt erhöht wird. Nitzsche verwies auf positive Erfahrungen aus anderen Städten und zeigte sich optimistisch, dass dieses Konzept auch in Jena erfolgreich umgesetzt werden kann.

Weitere Maßnahmen und Parkgebühren
Neben den oben genannten Maßnahmen kündigte Nitzsche auch eine Anpassung der Parkgebühren an. In der Innenstadt sollen künftig 3 Euro pro Stunde verlangt werden, in der Peripherie 1,50 Euro und in den übrigen Stadtgebieten 75 Cent pro Stunde. Zudem wird es Parkmöglichkeiten wie den Seidelparkplatz geben, auf dem Tagestickets für 4,50 Euro erworben werden können. Nitzsche erhofft sich durch diese Maßnahmen eine verstärkte Nutzung der Parkhäuser und eine nachhaltige Veränderung des Parkverhaltens der Menschen.

Ein langfristiger Wandel
Zum Abschluss seiner Botschaft stellte Nitzsche klar, dass die geplanten Änderungen nicht von heute auf morgen die Parkplatzsituation in der Innenstadt vollständig verändern würden. Es sei ein langfristiger Prozess, bei dem die Menschen Schritt für Schritt umdenken und bereit sind, ihre Parkgewohnheiten zu ändern. Die Stadt sei jedoch zuversichtlich, dass die Einführung dieser Maßnahmen einen positiven Effekt auf die Innenstadt haben werde, sowohl in Bezug auf die Lebensqualität der Anwohner als auch auf die Attraktivität für Besucher und Geschäftsinhaber.

Nitzsche betonte abschließend, dass die Veränderungen ein zentrales Ziel verfolgten: die Innenstadt von Jena für alle Menschen – sei es für Anwohner, Besucher oder Geschäftsleute – angenehmer und lebendiger zu gestalten. Der Oberbürgermeister wünschte allen ein schönes Wochenende und einen besinnlichen Advent.

Mit dieser umfassenden und differenzierten Betrachtung der Parkproblematik in Jena setzte Nitzsche einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und lebenswerteren Innenstadt.

DDR-Kreuzfahrten als Spiegelbild der politischen und gesellschaftlichen Widersprüche

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Die Geschichte der DDR-Kreuzfahrten ist ein faszinierendes, oft vergessenes Kapitel, das tief in die politische und gesellschaftliche Struktur der Deutschen Demokratischen Republik blicken lässt. Drei Jahrzehnte lang betrieb der Arbeiter- und Bauernstaat mit großem Aufwand ein Kreuzfahrtprogramm, das trotz zahlreicher Herausforderungen die ideologischen Ziele des Regimes zu verkörpern suchte. Über fast drei Jahrzehnte hinweg betrieb die DDR mit großem Aufwand Kreuzfahrten, die nicht nur als Freizeitangebot, sondern auch als politisches Instrument dienten. Mit enormem Aufwand versuchte das Politbüro, eine Idee umzusetzen, die in ihrer Paradoxie den sozialistischen Anspruch der DDR herausforderte: Kreuzfahrten als Teil eines Systems, das sich gleichzeitig nach außen abschottete und seinen Bürgern dennoch eine Illusion von Freiheit und Weltläufigkeit bot. Diese Schiffe repräsentierten eine idealisierte Miniatur der DDR – gefüllt mit loyalen, gut arbeitenden und für das System funktionierenden Menschen.

Ursprünge und ideologische Wurzeln
Die Idee der staatlich subventionierten Vergnügungsreisen als Arbeitsanreiz und Belohnung für das Volk geht auf die NS-Zeit zurück. Das Programm „Kraft durch Freude“ (KdF) der Nationalsozialisten zielte darauf ab, die Arbeiterklasse durch Erholung und Freizeitangebote ideologisch zu binden. In diesem Rahmen lief 1937 in Hamburg die „Wilhelm Gustloff“ vom Stapel, ein klassenloses Kreuzfahrtschiff, das Reisen ins Mittelmeer, den Atlantik und nach Skandinavien ermöglichte. Dieses Modell diente später der DDR als Vorbild.

Wie auch das KdF-Programm verfolgten die DDR-Kreuzfahrten eine politische Mission. Die Schiffe sollten nicht nur den Sozialismus repräsentieren, sondern auch die Loyalität der Bürger zur Partei stärken und das Versprechen eines glücklichen Lebens im Sozialismus erfüllen.

Der Beginn der DDR-Kreuzfahrten
Die Ursprünge der DDR-Kreuzfahrten liegen in der politischen Krise nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953. In den Wirren des gescheiterten Aufstandes schlug der Gewerkschaftsboss Herbert Warnke dem damaligen Parteichef Walter Ulbricht den Bau eines Kreuzfahrtschiffes vor. Dieses sollte als Arbeitsanreiz und Belohnung für die unzufriedene Bevölkerung dienen. Ulbricht griff die Idee auf und sah darin nicht nur eine Verheißung einer glücklichen Zukunft, sondern auch ein Symbol für die kommunistische Gesellschaft.

Im Jahr 1960 lief das erste Urlauberschiff der DDR, die Fritz Heckert, vom Stapel. Es war nicht nur der modernste Passagierdampfer seiner Zeit, sondern auch das erste Schiff weltweit, das mit Gasturbinen im Passagierbetrieb fuhr. Die Fritz Heckert sollte durch ihre klassenlose Unterbringung den sozialistischen Anspruch eines Schiffes für alle Werktätigen erfüllen. Der Mythos, dass alle Werktätigen und Betriebe freudig für den Bau des Schiffes gespendet hätten, hielt sich zwar lange, doch tatsächlich wurden viele Betriebe zur Spende verpflichtet.

18 Monate nach Baubeginn brach die Fritz Heckert zu ihrer Jungfernfahrt auf. An Bord befanden sich 350 Passagiere, die von der Partei nach politischer Zuverlässigkeit ausgewählt worden waren. Der Luxus an Bord des Schiffes sorgte für das Sprichwort: „Wir sind doch hier nicht auf der Fritz Heckert“, was so viel bedeutete wie, dass viele Wünsche unerfüllt bleiben mussten.

Der Mauerbau und die Folgen für die Kreuzfahrten
Der Bau der Berliner Mauer im August 1961 veränderte die Umstände für die Kreuzfahrten in der DDR grundlegend. Mit der systematischen Abschottung des Landes und der Abschaffung des Grundrechts auf Freizügigkeit wurde das Konzept der Fritz Heckert, Fahrten in die weite Welt zu unternehmen, hinfällig. Hinzu kam ein zweites Schiff, die Völkerfreundschaft, das die DDR 1960 erworben hatte. Dieses Schiff hatte eine bewegte Vergangenheit: Es war ursprünglich die schwedische Stockholm, die 1956 durch eine Kollision mit dem italienischen Luxusliner Andrea Doria berühmt geworden war.

Nach dem Mauerbau wurden auch die Kreuzfahrten der Völkerfreundschaft stark eingeschränkt, insbesondere durch den Verlust der Mittelmeerhäfen. Anders als die Fritz Heckert konnte die Völkerfreundschaft jedoch über den Atlantik fahren und ermöglichte Reisen nach Kuba, dem neuen Traumziel für DDR-Bürger.

Die Kubakrise und die Rolle der Völkerfreundschaft
Im Herbst 1962 geriet die Völkerfreundschaft während der Kubakrise in eine heikle Lage. Die USA hatten eine Seeblockade um Kuba errichtet, nachdem sowjetische Raketenbasen auf der Insel entdeckt worden waren. Trotz dieser Blockade steuerte die Völkerfreundschaft weiter ihren Zielhafen Havanna an und geriet in gefährliche Nähe zu US-Kriegsschiffen. In letzter Sekunde gab US-Präsident John F. Kennedy grünes Licht, und das Schiff durfte nach Kuba einfahren. Damit wurde die Völkerfreundschaft zum „Blockadebrecher“ und war das einzige Schiff, das die Blockade passieren durfte.

Reisebeschränkungen und die Sehnsucht nach der weiten Welt
Für die meisten DDR-Bürger blieben solche Abenteuer jedoch unerreichbar. Die Urlaube wurden meist in der heimischen Datsche, auf Campingplätzen oder an den Stränden Bulgariens verbracht. Ohne die staatlichen Organisationen war es praktisch unmöglich, eine Reise zu unternehmen, da es keinen freien Reisemarkt gab. Dennoch erlebte die DDR ab den 1960er Jahren einen Reiseboom. Die Sehnsucht nach der weiten Welt wuchs, da jedes unerreichbare Reiseziel zu einem Idealbild wurde.

Staatsreisen und die Rolle der Partei
Obwohl die Urlauberschiffe scheinbar für Reisen in die ganze Welt offenstanden, waren sie tatsächlich stark reglementiert. Die Teilnahme an Kreuzfahrten war oft politischen Entscheidungsträgern oder treuen Parteigenossen vorbehalten. Ein prominentes Beispiel war die Reise Walter Ulbrichts mit der Völkerfreundschaft nach Ägypten im Jahr 1965. Diese Reise, die akribisch vorbereitet worden war, sollte Ulbrichts internationales Ansehen stärken. Sie blieb jedoch ein Einzelfall, da die Kosten solcher Staatsreisen sehr hoch waren. Später wurden die Kreuzfahrten immer mehr für die Parteielite reserviert und dienten als Belohnung für Veteranen sowie zur Sicherung der Loyalität der Führungskräfte.

Die späte Phase: Arkona und das Ende der DDR-Kreuzfahrten
In den 1980er Jahren war die Wirtschaft der DDR in einer tiefen Krise. Ein Milliardenkredit aus der Bundesrepublik rettete den Staat vor dem Bankrott. Ein Teil dieses Geldes wurde für den Kauf eines neuen Kreuzfahrtschiffes verwendet: der Arkona, die in Westdeutschland gebaut und als „Traumschiff“ für das ZDF bekannt war. Die DDR kaufte das Schiff für 143 Millionen Westmark und taufte es in Arkona um. Der Kaufprozess war jedoch umstritten, da das Schiff ursprünglich einem Apartheidstaat gehörte und die DDR offiziell ein Embargo gegen Südafrika verhängt hatte. Mit Hilfe einer Hamburger Reederei als Zwischenhändler wurde der Deal dennoch abgewickelt.

Die Arkona war größer, schneller und luxuriöser als ihre Vorgänger. Doch mit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 endete auch die Ära der DDR-Kreuzfahrten. Am 3. Oktober 1990, dem Tag der deutschen Einheit, wurde die Arkona offiziell in den Dienst der Bundesrepublik gestellt.

Die Geschichte der DDR-Kreuzfahrten ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und der politischen Verhältnisse in der DDR. Sie zeigte die Widersprüche zwischen den propagierten sozialistischen Idealen und der Realität einer privilegierten Parteielite. Während die Kreuzfahrtschiffe für einige wenige ein Tor zur Welt darstellten, blieben sie für die Mehrheit der Bürger unerreichbar. Die Sehnsucht nach Freiheit und der weiten Welt, die diese Schiffe symbolisierten, wurde zu einem prägenden Element im Leben vieler DDR-Bürger – und letztlich auch zu einem Symbol für die Begrenzungen des Systems.

Mario Voigt (CDU) zum Ministerpräsidenten in Thüringen gewählt

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Mario Voigt begann seine Rede als neu gewählter Ministerpräsident von Thüringen mit einem Dank an seinen Vorgänger Bodo Ramelow, der das Land in den vergangenen zehn Jahren durch herausfordernde Zeiten geführt habe. Auch die früheren Ministerpräsidenten Dieter Althaus, Christine Lieberknecht und Bernhard Vogel wurden für ihre Beiträge zur Entwicklung Thüringens gewürdigt. Voigt betonte die große Verantwortung, die das Amt des Ministerpräsidenten mit sich bringe, und äußerte sich demütig und respektvoll gegenüber der Aufgabe, das Land zu führen.

Er hob hervor, dass er als Ministerpräsident aus der Generation stamme, die den Großteil ihres Lebens im geeinten Deutschland verbracht habe, und unterstrich, wie wichtig es sei, aus der Geschichte der friedlichen Revolution zu lernen. Thüringen solle stolz auf seine Geschichte sein, gleichzeitig müsse jedoch die politische Verantwortung auf die Herausforderungen der Gegenwart ausgerichtet werden.

In seiner Rede legte Voigt die sechs Schwerpunkte seiner Regierungsarbeit dar. Im Bereich Bildung stellte er fest, dass Bildung der Schlüssel zu Chancen sei und daher im Zentrum seiner politischen Agenda stehen werde, um allen Kindern in Thüringen die bestmögliche Vorbereitung auf das Leben zu ermöglichen. Im Bereich Wirtschaft kündigte er an, dass Thüringen Impulse für die Wirtschaft brauche, um Arbeitsplätze zu sichern und neues Wachstum zu fördern. Zudem soll die Bürokratie abgebaut werden, um Unternehmen zu entlasten.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Gesundheit. Voigt versprach, ein modernes und verlässliches Gesundheitssystem zu schaffen, das allen Bürgern in Thüringen den Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglicht. Auch das Thema Migration nahm Voigt auf, wobei er betonte, dass Migration mit Klarheit und Menschlichkeit gestaltet werden müsse, wobei die Integration und der gesellschaftliche Zusammenhalt im Vordergrund stünden.

Darüber hinaus kündigte Voigt an, die Zusammenarbeit mit den Kommunen zu intensivieren, um die lokale Infrastruktur und die Lebensqualität zu verbessern. Auch eine digitale und bürgernahe Verwaltung soll aufgebaut werden, um den Menschen in Thüringen eine schnellere und effizientere Verwaltung zu bieten.

Zum Abschluss seiner Rede dankte Voigt seiner Familie, insbesondere seinen Eltern und Schwiegereltern, für ihre Unterstützung auf seinem Weg. Zusammenfassend stellte Voigt die Schwerpunkte seiner politischen Agenda vor, die sowohl auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der Thüringer Bürger als auch auf eine zukunftsorientierte und inklusive Politik ausgerichtet ist.

Energieautarkes Gemeindeamt 2.0 in Haselbachtal in Sachsen

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Das neue Gemeindeamt in Haselbachtal im Landkreis Bautzen markiert einen entscheidenden Schritt in der Gemeindeentwicklung und symbolisiert einen zukunftsweisenden Umgang mit Nachhaltigkeit, Digitalisierung und moderner Verwaltung. Mit dem Neubau, der barrierefrei, energieautark und digitalisiert gestaltet ist, wird nicht nur die Verwaltung der Gemeinde auf eine neue Ebene gehoben, sondern auch ein zentraler Treffpunkt für die Bürger geschaffen. Das Gemeindeamt vereint damit praktische Funktionalität und repräsentative Bedeutung.

Der Neubau wird mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit umgesetzt. Durch den Einsatz von Photovoltaikanlagen, Erdwärme und einer intelligenten Gebäudesteuerung wird ein energieeffizientes und kostensparendes Modellprojekt geschaffen. Dabei geht es nicht nur um den ökologischen Nutzen, sondern auch um die Vorbildfunktion für ländliche Regionen. Mit modernster Gebäudetechnik und effizienter Dämmung zeigt Haselbachtal, wie ein bewusster Umgang mit Ressourcen gestaltet werden kann, um die Herausforderungen des Klimawandels aktiv anzugehen.

Das Gebäude bietet darüber hinaus zusätzliche Einrichtungen wie einen Gemeindesaal für Sitzungen und Veranstaltungen sowie eine öffentliche Bibliothek. Diese zusätzlichen Funktionen machen das neue Gemeindeamt zu einem lebendigen Zentrum, das weit über die rein administrative Nutzung hinausgeht. Die zentrale Lage des Gebäudes im Ortszentrum verbessert die Erreichbarkeit erheblich und hebt die Attraktivität des Standortes hervor. Im Gegensatz zum bisherigen, schwer erreichbaren Gebäude am Rand der Gemeinde, wird der Neubau eine sichtbare und repräsentative Rolle im Ortsbild einnehmen.

Mit einem Projektvolumen von knapp acht Millionen Euro ist dies das größte Vorhaben, das jemals in der Region umgesetzt wurde. Die Finanzierung wäre ohne den hohen Fördersatz von 90 Prozent nicht möglich gewesen. Dies zeigt, wie wichtig eine gezielte Unterstützung für strukturschwache Regionen ist, um solche ambitionierten Projekte realisieren zu können. Bürgermeister und Verantwortliche sehen in dem neuen Gemeindeamt nicht nur eine Investition in die Gegenwart, sondern auch in die Zukunft – sowohl für die Gemeinde als auch für kommende Generationen.

„Dieses Projekt ist für uns als Gemeinde ein historischer Schritt“, betont der Bürgermeister, der selbst als ehemaliger Bauamtsleiter die Planung mit initiiert hat. „Die Menschen sollen stolz auf ihr Gemeindeamt sein und sich nicht mehr schämen müssen.“ Das Gebäude wird künftig auch die technischen Grundlagen für einen volldigitalen Verwaltungsbetrieb bieten, was die Effizienz und Bürgernähe der Verwaltung deutlich erhöhen wird.

Durch den innovativen Ansatz bei der Planung und Umsetzung zeigt Haselbachtal, wie sich ländliche Gemeinden modernisieren und gleichzeitig Tradition und Gemeinschaftssinn stärken können. Dieses Projekt verbindet die Vision einer nachhaltigen und digitalisierten Verwaltung mit dem Ziel, das Leben der Einwohner spürbar zu verbessern und die Region langfristig zu stärken. Das energieautarke Gemeindeamt ist nicht nur ein Schritt in die Zukunft, sondern auch ein Vorbild für vergleichbare Gemeinden, die ähnliche Herausforderungen meistern wollen.

Gründung des BSW-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern in Parchim

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Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat seinen Landesverband Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Die Gründungsversammlung fand im Luisenspeicher in Parchim statt, wo rund 50 Mitglieder auf dem ersten Landesparteitag zusammenkamen. Dabei wurden die Ämter der Gremien, darunter auch der Vorstand, per geheimer Wahl besetzt.

Der Staatssekretär im Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern, Friedrich Stretmanns, wurde mit 75 % der Stimmen ohne Gegenkandidaten zum Vorsitzenden gewählt. Sein potenzieller Konkurrent, Toralf Herzer, zog seine Kandidatur zugunsten des Parteifriedens zurück. Stretmanns kündigte an, sich auf soziale Gerechtigkeit und den Kampf gegen Altersarmut zu konzentrieren, Themen, die seiner Ansicht nach von anderen Parteien vernachlässigt wurden.

Ebenfalls ins Führungsduo gewählt wurde die Pastorin Melanie Dango, die Frieden zu ihrem zentralen Anliegen erklärt hat. Persönlich inspiriert von Geschichten aus ihrer Familie, plädiert sie für Diplomatie und ein friedliches Miteinander.

Stretmanns und Dango wurden zugleich als Spitzenkandidaten des Landesverbands für die Bundestagswahl im Februar nominiert. In den kommenden Wochen liegt der Fokus auf der Organisation der Wahlkampagne und dem Aufbau der Parteistrukturen. Gleichzeitig möchte die Partei neue Mitglieder gewinnen und sich weiter öffnen.

Ein kontroverses Thema bleibt die Frage der Mitgliederaufnahme, die derzeit zentral vom Bundesvorstand in Berlin geregelt wird. Während einige Landesverbände diese Praxis kritisieren, zeigt sich Stretmanns entspannt und verweist auf eine satzungsgemäße Regelung, die einen weitgehend automatischen Aufnahmeprozess ermöglicht.

Die junge Partei strebt nach Geschlossenheit und Stabilität, um sich als Alternative für einen politischen Neustart im Bundestag zu positionieren. Die Entscheidung darüber liegt im Februar bei den Wählerinnen und Wählern.

Der „Schlächter von Polen“: Hans Frank und seine Verbrechen

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Niklas Frank, der Sohn des berüchtigten NS-Kriegsverbrechers Hans Frank, hat sich in den letzten Jahren immer wieder öffentlich mit der Geschichte seines Vaters auseinandergesetzt und sich klar von ihm distanziert. Hans Frank, der von Adolf Hitler zum Generalgouverneur im von den Nazis besetzten Polen ernannt wurde, ging als einer der brutalsten Massenmörder des Dritten Reichs in die Geschichte ein. Der „Schlächter von Polen“, wie er genannt wurde, war direkt verantwortlich für die Vernichtung von Millionen von Menschen, darunter die jüdische Bevölkerung Polens. Niklas Frank, der 1946 mit nur sieben Jahren den Tod seines Vaters durch den Strang miterlebte, hat sich nie mit dem Erbe seines Vaters identifiziert. Im Gegenteil, er hat sich in zahlreichen Interviews und Veröffentlichungen mit der Rolle seines Vaters im Holocaust und den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

In den letzten Jahren hat sich Niklas Frank nicht nur mit seiner eigenen Familiengeschichte beschäftigt, sondern auch immer wieder die politischen Entwicklungen in Deutschland kommentiert, die ihn an die Ideologien des Nationalsozialismus erinnern. Besonders die AfD, die mit ihrem nationalistischen, fremdenfeindlichen und oft gewaltverherrlichenden Diskurs für Aufsehen sorgt, hat ihn immer wieder zu scharfen Aussagen veranlasst. Frank sieht eine deutliche Parallele zwischen der Rhetorik der AfD und der der Nationalsozialisten, insbesondere wenn es um die Hetze gegen Minderheiten und die verbreitete Ideologie von „Volksgemeinschaft“ und „Feindbildern“ geht. Diese Verbindung zwischen AfD und Nationalsozialismus ist nicht nur eine persönliche Einschätzung, sondern wird durch seine jahrelangen Recherchen zu den Reden und Taten seines Vaters sowie durch die Aussagen führender AfD-Politiker immer wieder bestätigt.

In einer Reportage, die am 11. Dezember 2024 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, begleitete ein Team Niklas Frank zu einer Wahlkampfveranstaltung in Thüringen. Dort trat der AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke auf, der mit seiner nationalistischen Rhetorik regelmäßig für Skandale sorgt. Höcke, der zum Flügel der AfD gehört, einer besonders rechten und nationalistischen Strömung innerhalb der Partei, ist bekannt für seine Äußerungen, die nicht nur von Politikern der anderen Parteien scharf verurteilt werden, sondern auch von zahlreichen Beobachtern als Ausdruck eines gefährlichen, revisionistischen Nationalismus gesehen werden. Höcke hat etwa die Existenz des Holocaust-Denkmals in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet und fordert immer wieder eine Umdeutung der deutschen Geschichte, die sich von der Erinnerung an die NS-Verbrechen entfernt.

Niklas Frank war auf dieser Wahlkampfveranstaltung, um genau diesen politischen Diskurs zu konfrontieren. Er wollte nicht nur mit den AfD-Anhängern sprechen, sondern sie auch auf die gefährlichen Parallelen zwischen den Worten der heutigen Politiker und der Rhetorik des Nationalsozialismus hinweisen. Er erklärte, dass er immer wieder Parallelen zwischen den Aussagen der AfD und den Reden seines Vaters im Dritten Reich sehe. Besonders die Hetze gegen „Fremde“ und die Darstellung von „Volk“ und „Nation“ als bedroht von äußeren Feinden erinnerten ihn an die Propaganda der Nationalsozialisten, die im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs in Deutschland verbreitet wurde.

Auf der Wahlkampfveranstaltung in Nordhausen, einer Stadt in Thüringen, konfrontierte Frank die AfD-Anhänger mit extremen Aussagen, die von AfD-Politikern in der Vergangenheit getätigt wurden. So hatte ein Abgeordneter der AfD in einem Tweet sinngemäß gesagt, dass es ihm gleichgültig sei, wenn Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ertrinken oder bei ihrer Flucht ums Leben kommen, und dass er sich nicht dagegen wehren würde, wenn eine Rettung zu spät käme. Diese Aussagen, die von der AfD nie ausreichend distanziert wurden, bezeichnete Niklas Frank als „mordlustig“ und als Aufruf zur Gewalt gegen Menschen, die von einem anderen Land oder einer anderen Kultur stammen.

Niklas Frank ging sogar noch weiter und bezog sich auf die Aussagen führender AfD-Politiker wie Höcke und Alexander Gauland, die immer wieder in ihren Reden die deutsche Vergangenheit relativieren oder gar verhöhnen. Gauland hatte beispielsweise einmal erklärt, dass die zwölf Jahre des Nationalsozialismus nur ein „Vogelschiss“ in der über 1000-jährigen deutschen Geschichte gewesen seien. Eine Aussage, die in der AfD viel Zustimmung fand und die Frank als Ausdruck einer gefährlichen Geschichtsvergessenheit und Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus ansieht. Für ihn ist die AfD ein „Mörderverein“, der mit seinen Aussagen Menschen zu Hass und Gewalt anstachelt.

Frank hat diese Worte nicht nur als bloße Wortwahl kritisiert, sondern als politische Taktik, die darauf abzielt, die Gesellschaft zu spalten und Feindbilder zu schaffen. Er zieht dabei eine direkte Linie von der Rhetorik der AfD zu den Parolen der Nationalsozialisten, die mit ihrer Hetze gegen Juden, Roma und andere Minderheiten die Grundlage für die Verbrechen des Holocausts legten. Frank spricht von einer „Vernichtungsideologie“, die in der AfD wieder salonfähig gemacht wird, und warnt davor, dass solche Tendenzen immer wieder aus dem politischen Mainstream herausbrechen und eine Gesellschaft destabilisieren können.

Während seines Besuchs in Thüringen versuchte Niklas Frank, die Menschen vor Ort zum Nachdenken anzuregen. Am AfD-Infostand fragte er die Anwesenden direkt, wie sie zu den extremen Äußerungen ihrer Partei stünden. Eine Frage, die viele der Anhänger entweder mit Schweigen beantworteten oder mit einer Ablehnung, die oft in Aggression umschlug. Einige der AfD-Anhänger beleidigten ihn, versuchten ihn verbal zu attackieren und verhinderten, dass er das Gespräch fortsetzte. Für Frank war diese Reaktion ein weiteres Beispiel dafür, wie die AfD ihre Anhänger in einer toxischen Mischung aus Wut, Angst und Ressentiments gegen vermeintliche „Feinde“ aufwiegelt.

In einem weiteren Gespräch mit einer Anhängerin der AfD, die sich als Verteidigerin der AfD-Ideologie entpuppte, wurde Frank deutlich, dass für die Unterstützer der AfD jede Form von Kritik an ihrer Partei als Angriff auf ihre persönliche Identität wahrgenommen wird. In ihren Augen sind sie die wahren Patrioten, die für das Wohl des Landes kämpfen, während sie die politischen Gegner als „Volksverräter“ und „Lügner“ diffamieren. Dies, so Frank, sei eine klassische Taktik, um die eigene Weltanschauung zu schützen und jede Form von Differenz zu eliminieren.

Für Niklas Frank bleibt die klare Botschaft, dass die AfD in ihrer heutigen Form eine Gefahr für die Demokratie darstellt. Er sieht die Partei als eine Fortsetzung jener Ideologien, die zu den schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte führten. In seinen Augen sind die Parallelen zwischen der AfD und dem Nationalsozialismus so offensichtlich, dass jeder, der sich mit der Geschichte des Dritten Reichs und der Rhetorik der Nazis auseinandergesetzt hat, diese Verbindungen nicht übersehen kann. Der Kampf gegen die AfD, so Frank, ist nicht nur ein politischer, sondern auch ein moralischer. Es geht darum, den Erhalt der Demokratie und der Menschenrechte zu sichern und zu verhindern, dass die Geschichte sich wiederholt.

Die Gründung des Arbeiter-Samariter-Bundes in Magdeburg

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Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat sich im Laufe von mehr als 100 Jahren zu einer der größten Hilfsorganisationen und führenden Wohlfahrtsverbände Deutschlands entwickelt. Diese bemerkenswerte Entwicklung ist eng mit der sozialen und wirtschaftlichen Geschichte des Landes verbunden, die von der Industrialisierung, den beiden Weltkriegen und politischen Umbrüchen geprägt ist. Dieser Bericht beleuchtet die Ursprünge des ASB, seine Gründung, die Herausforderungen, die er überstand, und seinen Einfluss auf die soziale Struktur Deutschlands.

Die Anfänge des Arbeiter-Samariter-Bundes
Die Geschichte des Arbeiter-Samariter-Bundes beginnt in den 1880er Jahren, einer Zeit, in der die Industrialisierung in Deutschland auf ihrem Höhepunkt war. In dieser Phase erlebte das Land einen rasanten wirtschaftlichen Wandel, der mit einer Vielzahl von sozialen Problemen und katastrophalen Arbeitsbedingungen einherging. Die meisten Arbeiter waren in Fabriken, Bergwerken und auf Baustellen beschäftigt, wo Arbeitsunfälle an der Tagesordnung waren. Doch während die Zahl der Unfälle stetig zunahm, war die Versorgung der Verletzten meist unzureichend. Ärzte waren oft unerreichbar, und Erste-Hilfe-Maßnahmen waren bestenfalls rudimentär.

Die Arbeiterklasse wurde in dieser Zeit häufig im Stich gelassen. Verbandkästen gab es kaum, und wenn sie vorhanden waren, hatten sie oftmals nicht die nötige Ausstattung, um im Falle eines Unfalls effektiv zu helfen. Die Zustände waren katastrophal, und die Verletzten wurden vielfach ihrem Schicksal überlassen. Ein besonders tragischer Unfall trug jedoch dazu bei, dass sich die ersten Initiativen zur Verbesserung der Lage formierten.

Im Jahr 1884 stürzte in Erkner bei Berlin beim Bau einer Lagerhalle eine 40 Meter lange Seitenwand ein, unter der viele Zimmerleute begraben wurden. Die Verletzten wurden auf Güterwaggons nach Berlin transportiert, was die öffentliche Aufmerksamkeit auf die prekären Arbeitsbedingungen lenkte. Der Verband der Berliner Zimmerleute reagierte schnell auf dieses Ereignis und beschloss, aktiv zu werden. Vorstandsmitglied Gustav Dietrich und fünf weitere Kollegen wendeten sich an den sozial engagierten Arzt Alfred Bernstein und baten ihn, Erste-Hilfe-Kurse zu organisieren.

Die Gründung der Arbeiter-Samariter-Kolonnen
Unter der Leitung von Alfred Bernstein begannen die Berliner Zimmerleute, Erste-Hilfe-Kurse anzubieten. Diese Kurse orientierten sich an den Prinzipien des Kieler Chirurgen Friedrich von Esmarch, der sich in ganz Deutschland für die Verbreitung von Erste-Hilfe-Ausbildung stark gemacht hatte. Esmarch gründete die sogenannten Samariter-Schulen, die als Vorbilder für die Berliner Kurse dienten. In Anlehnung an diese Schulen wurden die Erste-Hilfe-Kurse in Berlin „Samariter-Kurse“ genannt.

Am 29. November 1888 legten die Berliner Zimmerleute mit der Gründung der ersten Arbeiter-Samariter-Kolonne den Grundstein für eine landesweite Bewegung. Diese Kolonnen leisteten auf verschiedenen Veranstaltungen Sanitätsdienste und versorgten Verletzte. Ihre Ausstattung bestand aus Sanitätstaschen, Zelte und Rädertragen, die den Abtransport von Verletzten ermöglichten. Diese ersten Arbeiter-Samariter-Kolonnen waren die Pioniere einer neuen Form der organisierten Hilfe.

Die Initiative fand rasche Nachahmung in anderen Städten. Schon 1901 gründete sich in Dresden eine weitere Arbeiter-Samariter-Kolonne, gefolgt von Köln und Leipzig drei Jahre später. Auch in anderen Städten wie Meißen, Hamburg, Elberfeld (heute Wuppertal) und vielen weiteren entstand die Idee, Sanitätsdienste durch die Arbeiterschaft zu organisieren. Doch trotz der raschen Ausbreitung des ASB wussten die einzelnen Kolonnen nur wenig voneinander. Jede Kolonne beschränkte ihre Tätigkeit auf ihr eigenes Umfeld, was die Notwendigkeit einer zentralen Organisation deutlich machte.

Die Gründung des Arbeiter-Samariter-Bundes
Die Idee einer zentralen Leitung für die verschiedenen Arbeiter-Samariter-Kolonnen wurde von Oskar Schaumburg, einem engagierten Aktivisten aus Elberfeld, vorangetrieben. 1908 wandte er sich in einem Aufruf an die Kolonnen in ganz Deutschland und rief sie zu einer Konferenz auf. Der Aufruf fand großen Zuspruch, und es meldeten sich Delegierte aus Städten wie Berlin, Dresden, Köln, Hamburg und Elberfeld. Die Konferenz wurde auf Ostern 1909 anberaumt, und als Tagungsort wurde das Lokal Luisenpark in Magdeburg gewählt.

Die Konferenz, die am 10. Dezember 1908 begann, sollte die Weichen für die Gründung des Arbeiter-Samariter-Bundes stellen. Eröffnet wurde die Konferenz von Oskar Schaumburg. Es folgten Berichte aus den verschiedenen ASB-Kolonnen, und im Verlauf der Veranstaltung wurde die Notwendigkeit einer gemeinsamen Bundesorganisation klar. Am Ende der Konferenz wurde Emil Stein aus Berlin zum ersten Vorsitzenden des neuen Bundes gewählt, und Alexander Frankenstein wurde als Kassierer sowie Georg Helmut als Vorsitzender der Bundesrevisoren benannt. Der Sitz des Bundes wurde in Berlin festgelegt, und ein Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennigen pro Jahr wurde beschlossen. Das offizielle Bundesabzeichen sollte ein weißes Kreuz im roten Feld sein, und eine Armbinde wurde als Kennzeichen für den Dienst eingeführt.

Am Ostermontag 1909 endete die Konferenz, und die Delegierten fuhren mit großen Hoffnungen und dem gemeinsamen Ziel nach Hause, den Arbeiter-Samariter-Bund weiter auszubauen und zu etablieren.

Herausforderungen und Schicksalsschläge
Der Arbeiter-Samariter-Bund entwickelte sich in den ersten Jahren nach seiner Gründung sehr erfolgreich und setzte sich für die Verbesserung der sanitären Versorgung in Deutschland ein. Doch wie viele andere Organisationen wurde auch der ASB von den dramatischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts erschüttert.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918): Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges führte zu einer drastischen Umstrukturierung des ASB. Die Arbeit der Kolonnen wurde erheblich eingeschränkt, da die meisten Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Viele ASB-Aktivitäten kamen während des Krieges zum Erliegen, und der ASB konnte nur in geringem Maße humanitäre Hilfe leisten.

Die Inflation von 1923 und die Weltwirtschaftskrise von 1929: Nach dem Krieg kam es zu einer schweren wirtschaftlichen Krise. Die Hyperinflation von 1923 und die Weltwirtschaftskrise von 1929 belasteten die Ressourcen des ASB stark. Doch trotz dieser Rückschläge versuchten die Mitglieder des Bundes, ihre Arbeit wieder aufzunehmen und auszubauen.

Die Auflösung durch die Nationalsozialisten (1933): 1933, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde der Arbeiter-Samariter-Bund durch die neuen Machthaber aufgelöst. Der ASB, der in seiner ursprünglichen Form eine unabhängige und freiwillige Hilfsorganisation war, passte nicht in das totalitäre System der Nazis. Zahlreiche ASB-Mitglieder wurden verfolgt, und viele mussten ins Exil fliehen oder wurden in Konzentrationslagern internieret.

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste der ASB in Westdeutschland neu aufgebaut werden. In der sowjetischen Besatzungszone (später DDR) war der ASB jedoch nicht zugelassen und konnte dort nicht tätig werden. In Westdeutschland gelang es der Organisation, sich neu zu formieren und ihre Dienste erneut anzubieten.

Der ASB in der heutigen Zeit
Seit seiner Neugründung in Westdeutschland hat der Arbeiter-Samariter-Bund eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. 1965 zog der ASB-Bundesverband nach Köln um, wo er seinen heutigen Sitz hat. Der ASB wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einer der größten und bekanntesten Hilfsorganisationen Deutschlands. Heute engagieren sich mehr als 1,5 Millionen Mitglieder und Helfer in verschiedenen Bereichen der sozialen und gesundheitlichen Versorgung.

Der ASB bietet nicht nur Erste-Hilfe-Kurse an, sondern ist auch in der Katastrophenhilfe, der Altenpflege, der Rettungsdienstarbeit und der Pflege von Flüchtlingen aktiv. Zudem setzt sich der ASB stark für die Förderung von Ehrenamt und freiwilligem Engagement ein und ist auf nationaler sowie internationaler Ebene tätig.

Im Jahr 2009 feierte der Arbeiter-Samariter-Bund sein 100-jähriges Bestehen und blickte auf eine bewegte Geschichte zurück. Trotz aller Herausforderungen, Rückschläge und politischen Umwälzungen hat der ASB seine Mission, Menschen in Not zu helfen, nie aufgegeben. Heute steht der ASB als eine der führenden Hilfsorganisationen Deutschlands und setzt sich weiterhin für soziale Gerechtigkeit und die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in Not ein.

Der ASB hat sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil des sozialen Gefüges in Deutschland entwickelt und spielt eine zentrale Rolle in der Bewältigung von Krisen und der Bereitstellung von Hilfe, wo sie am dringendsten gebraucht wird.