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Altenhof: Das sozialistische Dorf mit dem Herzstück LPG

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Im Mecklenburgischen liegt das Dorf Altenhof, ein Ort mit 497 Einwohnern, von denen 317 im arbeitsfähigen Alter sind. Für die meisten von ihnen dreht sich das Leben um die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), einen Großbetrieb für Pflanzenproduktion, der als das Herzstück der Landwirtschaft im Dorf gilt. Altenhof, einst ein Gutsdorf unter der Herrschaft von Großgrundbesitzern, wandelte sich nach dem Krieg zu einem LPG-Dorf, einem sogenannten sozialistischen Dorf.

Die Grundlage dieser Veränderung bildete die Bodenreform von 1945, bei der riesige private Güter in Mecklenburg entschädigungslos enteignet wurden. Tausende landloser Bauern und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten erhielten so bis zu 10 Hektar Land zur privaten Bewirtschaftung, um rasch Arbeit und Brot zu finden. Anfangs fehlte es den Neubauern an allem – Saatgut, Dünger, Traktoren und Maschinen waren knapp. Maschinen-Traktoren-Stationen wurden eingerichtet, um technische Hilfe zu leisten.

Doch ab 1952 propagierte die führende Partei der DDR, die SED, eine neue Form: die Bildung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften. Grenzsteine wurden entfernt, und Privatbauern mussten fortan Boden, Tiere und Geräte gemeinsam nutzen, um auf großen Flächen industriemäßig zu produzieren. Obwohl manche Bauern Widerstand leisteten, setzte sich die SED schließlich durch, auch in Altenhof.

Planwirtschaft und SED-Einfluss
Die LPG Altenhof bearbeitet insgesamt über 5000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Neben Getreide und Futtermitteln sind Kartoffeln die wichtigsten Produkte. Geleitet wird die LPG von einem Vorstand, der von allen Genossenschaftsmitgliedern auf drei Jahre gewählt wird, und dessen Vorsitzendem, Dr. Fritz Henning, einem promovierten Landwirt. Vorstand und Vorsitzender sind dafür verantwortlich, dass der Plan erfüllt wird.

Die Pläne kommen „von oben“, von der staatlichen Plankommission. Bei der Planerstellung beansprucht die SED die absolute Führungsrolle und spielt auch bei der Plandiskussion in Vorstandssitzungen eine entscheidende Rolle. Alle sogenannten Leitungskader in der DDR gehören der SED an und sollen die Vorstellungen der Partei vom Sozialismus auch auf dem Lande durchsetzen und festigen.

Arbeitsalltag und Herausforderungen
Der Alltag in der LPG ist durchgeplant, jeder kennt seine Aufgaben. Während der Kartoffelernte, bei der etwa 600 Hektar abgeerntet werden müssen, arbeiten jeweils zwei Genossenschaftsbauern als Ernteeinheit zusammen. Mehrere solcher Einheiten bilden eine Brigade. Gearbeitet wird in zwei Schichten. Trotz des steinigen Bodens, der die Erntemaschinen oft beschädigt, darf die Ernte nicht ins Stocken geraten. Ein Reparaturtrupp ist ständig auf dem Acker im Einsatz. Größere Reparaturen finden im LPG-eigenen Pflegestützpunkt statt.

Die Beschaffung neuer Maschinen erfolgt ebenfalls über die Planwirtschaft. Die LPG plant Investitionen im Rahmen ihres Betriebsplans. Sie legen eine Strategie fest, welche Maschinen am dringendsten benötigt werden und können dann über einen Handelspartner, das Kombinat Fortschritt, bestellen, was dieser im Folgejahr zu festen Preisen bereitstellt. Die Bestellung erfolgt ein bis anderthalb Jahre im Voraus.

Neben dem Einsatz schwerer Technik und dem Anbau auf großen Flächen gehören Düngung und Pflanzenschutz zu den Komponenten industriemäßiger Produktion. Die LPG wird von einem agrochemischen Zentrum beraten, das Bodenanalysen durchführt und Düngeprogramme entwickelt. Obwohl chemischer Dünger die Umwelt belastet, wurde lange Zeit kaum Rücksicht darauf genommen. Die Steigerung der Ernteerträge ist nach wie vor das oberste Ziel. Allerdings gibt es Ausnahmen in Trinkwasserschutzgebieten, wo weniger gedüngt wird.

Herausforderungen im Arbeitsalltag bestehen auch im Umgang mit Kollegen, etwa bei der Auslastung der Arbeitszeit. Wenn nur fünf Minuten verloren gehen, ist das ein Schaden für den Betrieb. Manche achten nicht so darauf oder verschlafen morgens.

Lohn und zusätzliche Verdienstmöglichkeiten
Die Bezahlung der Genossenschaftsbauern setzt sich aus einem Stundenlohn und einem Leistungszuschlag zusammen. Letzterer ist beispielsweise bei der Einlagerung von Kartoffeln von der eingelagerten Tonnage abhängig. Für die Pflege von Maschinen erhalten Traktoristen ein Pflegegeld, das bei mangelhafter Pflege reduziert oder gestrichen werden kann. Manchmal gibt es auch Prämien.

Genossenschaftsbauern genießen einige Vorteile gegenüber den Städtern. Sie zahlen keine Steuern auf ihr Einkommen und erhalten zusätzlich Naturalien. Viele betreiben auch private Tierhaltung, beispielsweise Schweine. Dies wird vom Staat gefördert, da es das Angebot an Frischfleisch bereichert. Für die Halter bedeutet es einen respektablen Nebenverdienst. So kann der Bauer Uwe Zemke mit dem Verkauf von fünf Schweinen immerhin 5000 Mark verdienen, die er für die bessere Ausstattung seiner Wohnung oder den Kauf eines Autos nutzen kann. Die private Tierhaltung und der eigene Garten, dessen Produkte unabhängiger vom oft mangelhaften Handelsangebot machen, sind für viele willkommene Abwechslungen zur eintönigen Berufsarbeit. Genossenschaftsmitglieder dürfen auch nach der Ernte auf den abgeernteten Feldern Kartoffeln für den Eigenverbrauch oder als Futtermittel für privat gehaltene Tiere aufstoppeln. Privatbauer im traditionellen Sinne zu sein, können sich viele jüngere Genossenschaftsbauern wie Uwe Zemke angesichts der gewohnten kollektiven Wirtschaftsform nicht vorstellen.

Die LPG als gesellschaftlicher und kultureller Motor
Die Rolle der LPG reicht weit über die reine Landwirtschaft hinaus. Sie prägt das Leben im Dorf in Produktion, sozialem, kulturellem und politischem Bereich. Auch andere Betriebe im Dorf, wie die Tierproduktion, sind von der LPG Pflanzenproduktion abhängig.

Die LPG engagiert sich stark im kulturellen Bereich und bei gesellschaftlichen Belangen. Das alljährliche Erntefest, ein Bestandteil der kulturellen Arbeit auf dem Lande, wird von Dorf und LPG gemeinsam begangen und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Ein Kulturausschuss plant und gestaltet das Programm. Die LPG unterstützt lokale Gruppen, wie den Frauenchor, dem sie Uniformen stiftete. Der Chor ist ein Volkskunstkollektiv, dessen Mitglieder auch ihre Freizeit miteinander verbringen und Ausflüge sowie Feste gemeinsam gestalten sollen, was als soziale Heimat verstanden wird.

Auch die älteren Dorfbewohner, die hier Veteranen genannt werden, werden nicht vergessen. Die Gemeinde lädt sie zu Treffen im Dorfgasthof ein, um ihnen das Gefühl zu geben, ernst genommen und mit einbezogen zu werden. Staat und Gesellschaft fühlen sich verantwortlich, niemand soll sich überflüssig fühlen – ein Grundzug der sozialistischen Gesellschaft. Die Jugend wird ebenfalls bedient. Die Disco im Dorfgasthof, die drei- bis viermal monatlich stattfindet, gilt als attraktivstes Freizeitangebot und ist ebenfalls Bestandteil des Kulturplans, der von der Gemeinde, der FDJ und dem Gaststättenleiter geplant wird. Bei voller Auslastung können Beziehungen zur FDJ-Ordnungsgruppe helfen, einen Platz zu ergattern. Sogar die Karpfenernte aus einem künstlich aufgestauten See, den die LPG an eine Fischereigenossenschaft verpachtet, bereichert nicht nur den Speisezettel, sondern erwirtschaftet auch Einnahmen aus sonst nutzlosem Land.

Die polytechnische Bildung spielt ebenfalls eine Rolle. Schüler der zehnten Klasse der polytechnischen Oberschule Altenhof lernen im Fach „produktive Arbeit“ direkt auf dem Feld praktische Tätigkeiten kennen. Dieser Unterricht soll zur Arbeitsliebe erziehen und Jugendliche dazu motivieren, auf dem Lande zu bleiben und Berufe in der Landwirtschaft oder angrenzenden technischen Bereichen zu ergreifen.

Die LPG betreibt sogar die eigene Gaststätte „Dachziegel“, die dank ihrer gehobenen Gastronomie Einheimische und Durchreisende anzieht. Das Engagement der LPG reicht somit von der Landwirtschaft über Dorfverschönerung, gesellschaftliche und kulturelle Arbeit bis hin zur gastronomischen Dienstleistung.

Visionen für die Zukunft
Der Vorsitzende Dr. Fritz Henning hat noch größere Pläne für Altenhof. Er möchte die Infrastruktur verbessern, das Dorf mit einer Bäckerei und Fleischerei ausstatten, bessere gastronomische Bedingungen schaffen und mehr für den Sport, insbesondere Fußball, tun. Auch der Wohnungsbau spielt eine große Rolle. Bereits jetzt hat die LPG mit dem Bau einer Halle und des Schafstalls begonnen, was die Dimensionen des Ortes verändert. Henning möchte das Dorf noch weiter ausdehnen, vielleicht sogar bis an den Autobahnzubringer, um einen großräumigeren Eindruck zu gewinnen und attraktiver zu werden.

Noch ist Altenhof ein Straßendorf ohne ein unverwechselbares Gesicht. Das Leben für die Genossenschaftsbauern verläuft gemächlich. Existenzsorgen haben sie keine, da die LPG für alles sorgt: für Arbeit und Freizeit, ein geregeltes Einkommen und soziale Einrichtungen. Es bleibt abzuwarten, ob in 30 Jahren tatsächlich der Kartoffelacker einem Wohngebiet am Autobahnzubringer weichen wird und Altenhof vielleicht sogar, zu Ehren des Vorsitzenden, in Henningsdorf umbenannt wird.

Wie der Wasserski-Sport in der DDR zum „Sportwunder“ wurde

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Es mag klingen wie eine Szene aus Florida oder vom Gardasee, doch wir sind in Halle an der Saale. Hier, auf dem Hufeisensee, wird seit 60 Jahren Wasserski betrieben, und das auf internationalem Niveau. Was viele nicht wissen: Dieser Erfolg begann unter Bedingungen, die von Improvisation und Erfindungsgeist geprägt waren. Das Material? Alles Marke Eigenbau.

In den Anfängen, als der Sport in den 1960er Jahren auf dem Hufeisensee – einem ehemaligen Tagebaurestloch – begann, fehlte es an allem Nötigen. Gute Sportler mit Verbindungen zum Westen konnten sich zwar westliche Bindungen schicken lassen, doch das „große Fußvolk“ musste sich selbst helfen. So wurden beispielsweise die hinteren Schlaufen der Bindungen aus dem Innenleben alter Volleybälle gefertigt. Gummi dafür fand man in Bällen, Reifen und sogar Treckerreifen, die als „Highlight“ galten. Die ersten Ski stammten oft von einem kleinen privaten Tischler. Selbst Neoprenanzüge wurden aus zugeschickten Flicken mühsam zusammengeklebt und genäht.

Doch nicht nur das Material war eine Herausforderung. Auch die Boote, die die Sportler über das Wasser zogen, erforderten ständige Tüftelei. Benötigt wurden Geschwindigkeiten von mindestens 57 km/h nach internationalem Standard. Anfangs kamen oft „frisierte“ Wartburgmotoren zum Einsatz, doch diese reichten nicht aus. Die findigen Enthusiasten bauten Boote mit zwei, drei und sogar vier Motoren. Es wurde sogar mit Ural- oder Düsentriebwerken experimentiert. Ein Meilenstein war der Bau eines Bootes mit einem Opel V8 Motor im Jahr 1969 durch Heiko Hüller, mit dem acht DDR-Meisterschaften gezogen wurden. Später gelang es sogar, Chaika Motoren – V8-Motoren mit 195 PS aus sowjetischen Staatskarossen – für Wasserskiboote zu nutzen. Diese Motoren wurden aus verschrotteten Regierungsfahrzeugen gewonnen, als die DDR auf Volvo umstieg.

Neben dem Bau von Material und Booten war der Sport auch eine harte Schule. Athleten wie Claudia Langrock, Gitte Baumeier, Heiko Hüller, Gabriele Hüller und Olaf Böttcher widmeten jede freie Sekunde dem Sport. Während Gabriele Hüller für ihr Zahnarztstudium lernte, schraubte ihr Mann Heiko am Boot. Zum Training gehörte auch Trockentraining. Die Geschwindigkeiten variierten stark: beim Tanzen oder Figurenlaufen waren es etwa 27 km/h oder zwischen 25 und 32 km/h. Beim Slalom fuhr das Boot 55 km/h, aber die Läufer erreichten auf ihrer Zickzackfahrt zwischen den Bojen 60, 80 km/h und mehr. Bei der Anfahrt auf die Schanze beim Springen beschleunigten die Athleten auf bis zu 100 km/h.
Spektakuläre Stürze gehörten dazu, vor allem bei Schauveranstaltungen wie dem Laternenfest auf der Saale. Während die Zuschauer Stürze sehen wollten, waren sie für die Athleten unangenehm, besonders auf der Saale, die damals als giftiger, schlammiger, toter Fluss beschrieben wird. Es gab ein geheimes Zugeständnis der Stadt: kostenfrei Frischwasser zum Duschen nach dem Training auf der Saale. Ernsthafte Verletzungen waren damals selten, Zehenrisse kamen aber vor. Heute sind spektakuläre Stürze eher die Ausnahme.

Trotz Materialmangel und spärlicher Förderung – Wasserski war nicht olympisch – entwickelten die DDR-Sportler auch innovative Technik. Olaf Böttcher, ein Elektroniker, entwickelte in den 90er Jahren ein Messsystem mit zwei Kameras, das Sprungweiten auf den Zentimeter genau ermitteln konnte und seit 1995/96 bei jeder Weltmeisterschaft eingesetzt wird. Auch für den Slalom gab es einen Videobeweis zur fairen Entscheidung.

Nach dem Mauerfall eröffnete sich eine neue Welt mit vielen Möglichkeiten. Plötzlich hatten die Sportler Zugang zu besseren Materialien. Gepaart mit ihrer in der DDR entwickelten Athletik und Technik explodierten die Leistungen. Mehrfache DDR-Meister wie Gabriele und Heiko Hüller oder Gitte Baumeier räumten bei internationalen Wettbewerben ab und sind heute, auch im Senioren-Bereich (Ü65), mehrfache Europa- und Weltmeister.

Die Begeisterung für den Wasserskisport ist ungebrochen. Was vor 60 Jahren am Hufeisensee in einer kleinen Baracke begann, entwickelte sich zu einem wahren „Sportwunder“ durch unendlichen Einsatz, Improvisation und den unbeugsamen Willen, zur Weltspitze zu gehören. Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften zeugen von diesem beeindruckenden Weg.

35 Jahre Einheit: Ein Land im Spiegel alter und neuer Trennlinien

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Tutzing. Nach 35 Jahren deutscher Einheit blickt Deutschland auf eine Geschichte voller Hoffnungen, Enttäuschungen und anhaltender Unterschiede zurück. Dr. h.c. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., beleuchtete auf der Frühjahrstagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing im März 2025 die „Deutsch-deutschen Trennlinien und Verbindungslinien“. Sein Vortrag, gehalten aus explizit ostdeutscher Perspektive, zeichnete ein Bild eines Landes, das trotz weitgehender Angleichung in vielen Bereichen noch immer tief gespalten erscheint – eine Spaltung, die sich zuletzt in Wahlergebnissen auf beunruuhigende Weise manifestierte.

Eine verpasste Chance und anhaltende Enttäuschungen
Thierse erinnerte an einen Essay von 1992 mit dem Titel „Zwei Welten oder eine?“, dessen Aktualität ihn „gestürzt“ habe. Schon damals konstatierte er, dass die historische Möglichkeit, den Einigungsprozess als gemeinsame identitätsstiftende Leistung zu begreifen, ungenutzt geblieben sei. Die Solidaritätserfahrung der Ostdeutschen konnte in Gesamtdeutschland nicht recht erlebt werden, da die Hilfe oft als „umstritten“ und „allzu unwillig gewährt“ erschien. Dieses Defizit habe Deutschland einen Preis gekostet.

Er zitierte seinen damaligen Wunsch an die Westdeutschen: Sie mögen begreifen, dass sich auch bei ihnen etwas ändern müsse, dass die „unerhörte Begebenheit“ der Einheit auch für sie Folgen haben werde, wie eine „neue Kultur der Bescheidung“. Das Scheitern, die deutsche Welt gemeinsam zu verändern und die Wahrheit zuzulassen, sei ein mühseliger erster Schritt geblieben.

Wahlergebnisse als Spiegel der Spaltung
Die Bundestagswahl vier Wochen vor Thierses Vortrag zeigte „ein deutlich gespaltenes, übellauniges Land“. Die alte innerdeutsche Staatsgrenze sei in den Wahlergebnissen überdeutlich sichtbar. Die AfD ist demnach im Osten, außer in Ostberlin, mit großem Abstand stärkste Kraft geworden, während sie im Westen die größten relativen Zuwächse verzeichnete. Die Ursachen dafür seien komplex und gingen über einfache Erklärungen wie niedrige Einkommen oder hohe Arbeitslosigkeit/Ausländeranteil hinaus. Thierse spekuliert, dass Ostdeutschland vielleicht eine „politische Vorreiterin, eine Avangarde in Richtung auf ein autoritäres Zeitalter“ sein könnte. Ein Zitat aus der „Zeit“ deutet auf ein mögliches „Abkoppeln des Ostens von politischen Gepflogenheiten des Westens“ hin.

Die Last der Geschichte und unterschiedliche Prägungen
Die Teilung in zwei Staaten mit gegensätzlichen Systemen über 40 Jahre habe zu einer „auseinanderstrebenden Entwicklung“ geführt. Während die Bundesrepublik eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte mit Wirtschaftswachstum, Wohlstand und stabiler Demokratie erlebte und Teil der westlichen Gemeinschaft wurde, endete der „kommunistische Großversuch unter sowjetischer Aufsicht“ in der DDR nach Brutalitäten, Massenflucht und dem Mauerbau in einem „eingesperrten Land“, das sich ständig mit der Bundesrepublik messen musste und scheiterte. Dieses Scheitern war laut Thierse nicht nur eine Folge der friedlichen Revolution, sondern auch ein „wirtschaftlicher und ein ideologisch-moralischer Zusammenbruch“.

Der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes 1990 sei unter extremem Zeit- und Problemdruck geschehen und markiere die Vereinigung „von zwei Ungleichen, von einem erfolgreichen und einem gescheiterten System“. Im Westen wirkte der Zusammenbruch als Bestätigung des Status quo – man sah keinen Grund, sich zu ändern. Im Osten musste sich scheinbar alles ändern, was zu einem schmerzlichen, ungleichen Beziehungsverhältnis führte. Hinzu kam der schmerzliche und oft ungerechte Elitenwechsel.

Das Gefühl der Demütigung und der „ostdeutsche Minderwertigkeitskomplex“
Viele Ostdeutsche erlebten die Transformations- und Umbruchsprozesse der 90er und 2000er Jahre mit einem Gefühl von Demütigung und Zurücksetzung. Dieses Gefühl werde von „Empörungsagenturen“ befeuert, heute besonders von der AfD, die „einen offensichtlich erfolgreichen Verbitterungspopulismus betreibt“. Thierse beklagt die „Unfähigkeit und Unwilligkeit vieler Ostdeutscher zu positiver Selbstwahrnehmung“, betont aber gleichzeitig die „große menschliche, soziale und kulturelle Leistung“ bei der Bewältigung der Transformation.

Er spricht von einem „sehr ostdeutschen Minderwertigkeitskomplex“, der nicht erst seit den 90er Jahren existiere, sondern durch das ständige Leben mit dem Blick nach Westen und das Empfinden, die „schwächeren, weniger erfolgreichen Deutschen“ zu sein, geprägt sei.

Minderwertigkeitsgefühle machen wütend, und das ostdeutsche Selbstbewusstsein sei „empfindlich und labil“ und verlange nach Anerkennung.

Harte Fakten und tiefer liegende Unterschiede
Obwohl die sozialökonomischen Unterschiede zwischen Ost und West in den letzten 35 Jahren durch Anstrengungen und Angleichungsprozesse deutlich geringer geworden sind (z.B. bei BIP pro Kopf, Produktivität, Einkommen, Arbeitslosenquote, Rentenwert), bestehen weiterhin Differenzen, insbesondere beim Vermögen. Ostdeutschland sei noch keine Erbengesellschaft wie der Westen. Auch in der Altersstruktur und Bevölkerungsentwicklung gibt es deutliche Unterschiede.

Besonders auffällig sind die Differenzen bei der Repräsentation: Ostdeutsche sind nur zu 11,2% in Elitenpositionen vertreten, bei einem Bevölkerungsanteil von 19%. Religiösität ist im Osten deutlich geringer, der Ausländeranteil ebenfalls, während ausländerfeindliche Einstellungen deutlich höher seien.

Der Kulturprozess als eigentliche Herausforderung
Für eine Mehrheit der Westdeutschen überwiegen laut Thierse die Gemeinsamkeiten (57%), während für eine Mehrheit der Ostdeutschen die Unterschiede überwiegen (57%). Dies sei der „Wunde Punkt“ und bestätige, dass die deutsche Einigung nicht nur ein politischer, rechtlicher oder ökonomischer, sondern ebenso sehr ein kultureller Prozess ist – der mühsamere und konfliktreichere Teil.

Diese kulturellen Prägungen resultieren aus 40 Jahren Leben in einer SED-Diktatur, einem fürsorglichen, aber auch bevormundenden und mangelhaften Staatssystem im Gegensatz zu einer offenen, pluralistischen Wettbewerbsgesellschaft. Erlebnisse wie die „grimmige Idylle einer Notgemeinschaft“ in der DDR hätten ein starkes Solidaritätsbedürfnis geprägt, während die Gesellschaft der Freiheit oft als „kalt“ empfunden werde.

Schwächere Zivilgesellschaft und ambivalente Staatsfixierung
Die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland sei schwächer ausgeprägt, mit deutlich niedrigeren Mitgliedschaften in Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Vereinen. Thierse zitiert Ralf Dahrendorfs Prognose von 1991, wonach der Aufbau von Staat und Wirtschaft Jahre dauere, die Entwicklung einer selbstbewussten Zivilgesellschaft aber 60 Jahre benötige – eine aus seiner Sicht realistische Einschätzung.

Ein weiteres Nachwirken sei ein starkes Gleichheitsbedürfnis und der Wunsch nach sozialer Harmonie und kultureller Homogenität, was die Gewöhnung an eine konfliktreiche, pluralistische Gesellschaft erschwere. Viele Ostdeutsche schienen eine „eigentümlich ambivalente Staatsfixierung“ mit sich zu tragen: Der DDR-Staat war allzuständig, man erwartete alles von ihm, verachtete ihn aber auch zutiefst, als er nicht lieferte. Dies habe eine „zutiefst autoritäre Prägung“ hinterlassen, die fortwirke – man erwarte alles „von denen da oben, vom Westen“ und verachte System und Personal, wenn die erwarteten „Wunder“ ausblieben.

Die autoritäre Versuchung: Eine globale und deutsche Aufgabe
Thierse betont, dass die beschriebenen Phänomene nicht nur Vergangenheit oder spezifisch ostdeutsch seien. Die autoritäre Versuchung ist ein globaler Trend, Demokratien sind weltweit auf dem Vormarsch. In Zeiten von multiplen Krisen und schmerzhaften Veränderungsnotwendigkeiten stehe Deutschland als „wichtigste Demokratie der Welt“ (Tim Snyder) in besonderer Verantwortung.

Die gemeinsamen Herausforderungen – Kriege, Klimakatastrophe, Migration, Digitalisierung, ökologische Überlebenspolitik – müssten eigentlich verbinden. Der eigentliche Kraftakt sei es, politische Zusammenhaltung und soziale Gerechtigkeit zu sichern, auch angesichts potenziell geringeren materiellen Wohlstandswachstums und härterer Verteilungskonflikte. Dies sei die „Bewährungsprobe für unseren demokratischen Zusammenhang und den Zusammenhalt zwischen West und Ost“.

Ein entscheidender Unterschied liege auch in der Vorstellung von Demokratie: Viele Menschen im Osten hätten eine andere Vorstellung, preferring direkte Demokratie, den unmittelbaren Vollzug des Volkswillens und klare Führung gegenüber der repräsentativen, mühsamen Parteiendemokratie. Diese Vorstellung, dokumentiert durch die Wahlergebnisse autoritärer Parteien wie AfD und BSW, sei eine riesige Herausforderung für das etablierte politische System.

Die Zukunft der Freiheit
Thierse schließt mit der Pflicht der Demokraten, der autoritären Versuchung zu widerstehen. Dies sei nicht nur eine ostdeutsche, sondern eine globale und gesamtdeutsche Aufgabe. Es gehe letztlich um die Zukunft der Freiheit, die – so die ernüchternde Einsicht – nicht identisch sein müsse mit ständigem Wirtschaftswachstum und Wohlstandsnährung. Die notwendige „Selbsthaltung der Menschheit“ könne nur als gemeinschaftliches Projekt gelingen.

Die Debatte um deutsche Einheit und Teilung bleibt auch 35 Jahre danach eine hochaktuelle und emotional aufgeladene Frage, die grundlegende Herausforderungen für die Zukunft der Demokratie in Deutschland aufzeigt.

DDR-Alltag 1963: Zwischen Rodelbahn und Wachturm in den Müggelbergen

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Basierend auf dem vorliegenden Video befasst sich der Inhalt mit seltenen Privataufnahmen auf 8mm-Film aus dem Winter 1963 in der DDR. Das Material trägt den Titel „DDR Winter 1963 Jugendliche rodeln in den Müggelbergen – Verbessert“ und gewährt einen authentischen Einblick in das Alltagsleben jener Zeit.

Die Aufnahmen zeigen einen typischen Wintertag in den verschneiten Müggelbergen bei Berlin. In dieser winterlichen Landschaft sind Jugendliche mit Schlitten unterwegs. Die Szenen sind voller Leben und Energie. Man sieht, wie die jungen Leute lachen und die Hänge hinabrutschen. Es sind Bilder, die die Unbeschwertheit und Freude am Winter und am gemeinsamen Spiel einfangen.

Was diese scheinbar idyllischen Momentaufnahmen jedoch in einen größeren historischen und geografischen Kontext rückt, ist ein Detail im Hintergrund: Im Hintergrund ist ein Wachturm zu erkennen. Die Präsenz dieses Bauwerks ist eine deutliche Erinnerung daran, dass dieser Ausflug in der Nähe der innerdeutschen Grenze stattfand. Der Wachturm symbolisiert die Nähe zur geteilten Grenze und die politische Realität der DDR im Jahr 1963.

Der Kontrast zwischen den unbeschwerten Aktivitäten der rodelnden Jugendlichen – ihrem Lachen, Rutschen und der gezeigten Energie – und der stillen, aber omnipräsenten Präsenz des Wachturms, der die Grenznähe markiert, verleiht den Aufnahmen eine besondere Tiefe. Sie zeigen nicht nur jugendliche Freude, sondern veranschaulichen auch, wie das normale Leben in der DDR in unmittelbarer Nachbarschaft zu den streng überwachten Grenzen stattfand.

Die Tatsache, dass es sich um seltene Privataufnahmen handelt, unterstreicht ihren Wert als authentischen Einblick. Sie sind nicht gestellt oder für Propagandazwecke erstellt, sondern dokumentieren einen realen Moment des Alltagslebens. Dies macht sie zu einem wichtigen Zeugnis der damaligen Zeit und ermöglicht einen ungefilterten Blick auf die Erfahrungen der Menschen in der DDR des Jahres 1963, eingefangen in den verschneiten Müggelbergen, wo Freude und die Erinnerung an die Grenze nebeneinander existierten.

„22 Bahnen“ Ein Film über Schwestern, Liebe und bedingungslosen Zusammenhalt

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Berlin/München – Am 4. September 2025 startet im Verleih der Constantin Film der neue Film „22 BAHNEN“ in den deutschen Kinos. Der Film, produziert von BerghausWöbke Filmproduktion in Co-Produktion mit Constantin Film, erzählt eine mitreißende Geschichte über das Erwachsenwerden, die Liebe und vor allem über bedingungslosen Zusammenhalt.

Im Zentrum steht Tilda (gespielt von Luna Wedler), deren Leben streng durchgetaktet ist. Ihre Tage bestehen aus Studium, Arbeit an der Supermarktkasse, Schwimmen und der Sorge um ihre kleine Schwester Ida (Zoë Baier). An schlechten Tagen muss sie sich auch um ihre Mutter (Laura Tonke) kümmern. Gemeinsam wohnen sie in einem Haus in einer Kleinstadt, die Tilda hasst. Ihre Freunde haben die Stadt längst verlassen, doch Tilda ist geblieben, weil jemand für Ida da sein, Geld verdienen und Verantwortung tragen muss. Die Situation ist angespannt: Es gibt keine nennenswerten Väter, und die Mutter ist alkoholabhängig. Im Trailer sind Zitate wie „Ihr tut ja so als sei ich Alkoholikern“ zu hören.

Tilda und Ida beschreiben sich selbst als „jeweils ein fester Teil die Hälfte von einem ganzen“. Sie wehren sich mit „unerschütterlichem Glauben an die Schönheit des Lebens gegen beschissene Voraussetzungen“, um ihrem Leben eine andere Richtung zu geben. Tilda fühlt die Last der Verantwortung und sagt im Trailer: „Es gibt ein Unterschied zwischen sich um ein Kind zu sorgen oder sich um seine Mutter zu sorgen“. Sie hat es „die ganzen Jahre allein geschafft“ und Tilda hat „das allein geschafft“.

Die Dinge geraten in Bewegung, als Tilda eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt wird – eine Möglichkeit, die Freiheit verspricht und eine Zukunft aufblitzen lässt. Ihre Mutter kommentiert dies im Trailer mit den Worten: „Dieser Job wäre für sie eine tolle Chance Pack das Chance Alles wird gut“.

Gleichzeitig taucht Viktor (Jannis Niewöhner) auf, der große Bruder von Ivan, den Tilda vor fünf Jahren verloren hat. Wie Tilda schwimmt auch er immer 22 Bahnen. Doch gerade als Tilda zu hoffen beginnt, dass sich alles zum Guten wenden könnte, gerät die Situation zu Hause vollends außer Kontrolle.

Der Film wird als ein Werk mit ganz eigener Tonalität beschrieben. Er wurde gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern (FFF), der Filmförderungsanstalt (FFA), dem Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB) und dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF).

„22 BAHNEN“ verspricht ein emotionales Kinoerlebnis über Widerstandskraft und den Kampf zweier Schwestern für ein besseres Leben. Im Trailer wird die Hoffnung auf Veränderung deutlich, etwa mit den Worten „Ich werde mich ändern“, obwohl dies auf Skepsis stößt: „Hast du schon 17 mal gesagt Mama“. Tildas tiefe Verbundenheit zu Ida und der Wunsch, sie aus der schwierigen Situation zu holen, wird im Satz „Irgendwann hole ich dich hier raus dann mache ich das allein“ spürbar.

Jahrzehnte im Verborgenen: Geheime Tunnel eines Konzentrationslagers entdeckt

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Inmitten abgelegener Wälder und an steilen Berghängen liegt ein Ort, der heute als stiller Zeuge eines dunklen Kapitels der Geschichte dient. In den letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs wurde hier ein Außenlager eines großen Konzentrationslagers errichtet. Die isolierte Lage wurde bewusst gewählt, um die Geheimhaltung der Arbeiten unter strengster Bewachung zu ermöglichen. Das Lager diente hauptsächlich der Zwangsarbeit im Zusammenhang mit unterirdischen Produktionsstätten.

Die Häftlinge, vorwiegend politische Gefangene, wurden unter unmenschlichen Bedingungen zu schwersten Arbeiten gezwungen. Unzureichende Ernährung und eine praktisch nicht existente medizinische Versorgung führten zu einer entsprechend hohen Sterblichkeitsrate. Heute gibt es an diesem Ort eine Gedenkstätte namens „KZ Punkt“, die bestätigt, dass es sich hier tatsächlich um ein Konzentrationslager handelte, in dem Insassen zur Arbeit gezwungen wurden.

Jüngste Erkundungen in der Umgebung des ehemaligen Lagers haben nun bislang kaum bekannte unterirdische Gänge und Tunnel zutage gefördert, die als mögliche Fluchtwege oder Geheimgänge interpretiert werden. Die Erkundung des Gebiets, das von extremen Geländeverhältnissen, tiefen Schluchten und steilen Abhängen geprägt ist, ist äußerst gefährlich. Herabfallendes Gestein, das sich von den Felswänden lösen kann, und rutschige Untergründe auf Schiefergestein stellen eine erhebliche Gefahr dar.

Ein Zugang zu einem dieser Tunnel erfolgte über einen unscheinbaren Weg, der zu verlassenen Gebäuden führt. Ein bestimmter Eingang wurde als „Tunnel in eine andere Welt“ beschrieben. Im Inneren dieser Gänge zeigten sich verschiedene Besonderheiten: Die Deckenhöhe kann über zwei Meter betragen, und es gibt Anzeichen von Abbauarbeiten, möglicherweise durch Bohren und Sprengen oder auch manuell. An den Wänden sind Ausspülungen und Ablagerungen zu sehen, die wie Kristalle funkeln, darunter auch „Katzengold“. Es wurden auch Funde wie alte Bierflaschen und eine Flasche, deren ursprüngliche Form kaum noch erkennbar ist, entdeckt.

Interessanterweise fanden sich im Inneren eines Tunnels auch Spuren von Schienen, was auf Schienenverkehr oder den Transport mit Loren hindeutet. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, wie Material oder Arbeitskräfte unter Tage bewegt wurden.

Ein besonders signifikanter Fund war ein unterirdischer Geheimgang, der ein großes Haus oder Gebäude unterirdisch mit diesem Tunnelsystem verbindet. Von diesem Haus aus gab es anscheinend einen Notausgang oder Stollen, der nach hinten führte. Diese Verbindung wird explizit als „Notfallfluchtweg“ bezeichnet, was die Theorie der Fluchttunnel stützt. Es wurde auch überlegt, ob es sich um Verbindungen für logistische Zwecke wie die Essensversorgung handeln könnte, dies jedoch aufgrund der komplizierten Wege als unwahrscheinlich eingeschätzt.

Die Erkundung der tiefer gelegenen Tunnelbereiche ist besonders herausfordernd, da es steil bergab geht, teilweise über 30 bis 40 Meter. Ein Seil wurde von anderen Personen installiert, um den Abstieg und Aufstieg zu erleichtern. Wasser steht in einigen Bereichen bis zu 30 cm hoch, und es gibt viele Abzweigungen und Gänge. Im Wasser wurden Gegenstände wie Knicklichter, Gummistiefel und Handschuhe gefunden.
Angesichts der extremen Gefahren, wie der Möglichkeit von Felsstürzen, dem Fehlen von Licht, der Orientierungslosigkeit und der Isolation, werden dringend Sicherheitsvorkehrungen betont. Dazu gehören das Tragen eines Helms, ausreichend Licht, das Informieren anderer über den Standort und die geplante Dauer sowie die absolute Notwendigkeit, niemals alleine solche Anlagen zu betreten. Ein Sicherungspartner ist unerlässlich, um im Notfall Hilfe holen zu können.

Die Entdeckung dieser verfallenen unterirdischen Gänge bietet einen weiteren Einblick in die verborgenen Strukturen des ehemaligen Konzentrationslager-Außenlagers und wirft Licht auf mögliche Wege, die in der verzweifelten Lage des Nationalsozialismus als Flucht oder zur Durchführung geheimer Arbeiten dienten. Die Erkundung solcher Orte ist eine gefährliche, aber wichtige Aufgabe, um die physischen Zeugnisse dieser dunklen Vergangenheit zu dokumentieren.

„Wem gehört mein Dorf“ – Das Ringen um Göhrens Zukunft

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Der Dokumentarfilm „Wem gehört mein Dorf“ von Christoph Eder beleuchtet die teils leidenschaftlich geführten Auseinandersetzungen um die Entwicklung seines Heimatortes Göhren auf Rügen. Der Film, der aus persönlichem Antrieb des Regisseurs entstand, weil ihn die Veränderungen im Ort beschäftigten – wie etwa der Bau vieler Hotels und das Verschwinden von Orten seiner Kindheit –, nutzt Göhren als Beispiel, um eine größere Geschichte über Demokratie zu erzählen.

Lokalpolitik im Fokus: Komplexität und Engagement
Im Kern des Films steht die lokale Politik, die in Göhren stark vom Gemeinderat geprägt ist, der über die zukünftige Entwicklung des Ortes entscheidet. Eder hat durch den Film gelernt, dass Lokalpolitik extrem komplex und manchmal anstrengend ist, aber auch von entscheidender Bedeutung. Sie sei die wohl direkteste Form der Demokratie, da sie beeinflusst, was direkt vor der Haustür passiert – ob ein Spielplatz oder ein Parkhaus gebaut wird.

Ein wichtiges Thema ist die Notwendigkeit, sich zu informieren und zu beteiligen. Der Film zeigt ein Beispiel von 13-14-Jährigen, die einen Skatepark wollten und lernten, dass sie einen Verein gründen mussten, um im Gemeinderat ernst genommen zu werden. Obwohl der Prozess lange dauerte und Geduld erforderte, war er am Ende erfolgreich – ein „Erfolgsmoment in der Partizipation der Demokratie“. Frühzeitige Einbeziehung junger Menschen in demokratische Prozesse und das Aufzeigen von Erfolgserlebnissen können laut Eder dem Gefühl der Ohnmacht entgegenwirken und zum Engagement motivieren.

Kultur des Austauschs und verhärtete Fronten
Ein zentraler Aspekt, den der Film beleuchtet, ist die Kultur des Austauschs und der Meinungsbildung. Im Film agiert Eder als Vermittler, was in Göhren nicht immer einfach war. Die Gespräche über die Richtung, in die sich die Gesellschaft entwickeln soll, waren teilweise nicht sehr respektvoll, gingen am Thema vorbei oder es kamen gar keine wirklichen Diskussionen zustande. Dieses Fehlen einer guten Diskussionskultur sei ein wichtiger Faktor gewesen. Eine im Film gezeigte Szene, in der jemand aus einer Gruppe „rausgemobbt“ wird, beschämte den Regisseur. Dennoch gab es auch Momente, in denen Leute erkannten, dass ein respektvoller Umgang nötig ist, um etwas für den Ort zu bewegen und nicht nur Egoismus im Vordergrund stehen sollte.

Das Filmteam wollte mit allen Beteiligten sprechen – eine Herausforderung, die viel Geduld erforderte, insbesondere wenn es um politische Themen ging. Es war wichtig zu kommunizieren, was das Team vorhatte und warum es nötig war, alle Stimmen einzubeziehen.

Wirtschaftliche Interessen versus Gemeinwohl
Der Film thematisiert konkrete Konflikte rund um Bauprojekte, wie etwa ein Parkhaus oder einen Vertrag über eine Klinik. Besonders fragwürdig erscheinen dem Regisseur Verträge, bei denen man sich frage, wie sie abgeschlossen werden konnten. Ein Beispiel ist ein Gewinnabführungsvertrag nach der Eröffnung einer Klinik, bei dem die Gewinne nicht im Ort Göhren bleiben, sondern nach München abgeführt und dort versteuert werden. Dies mache das Projekt in puncto Nachhaltigkeit sehr fragwürdig, da unklar sei, was dem Ort letztlich bleibe. Aus Sicht des Regisseurs kann jeder mit gesundem Menschenverstand nachvollziehen, dass solche Dinge zumindest hinterfragt werden müssen, da wirtschaftliche Interessen manchmal über dem Gemeinwohl zu stehen scheinen.

Die Entwicklung in Göhren sei nicht nur schwarz und weiß zu sehen; es sei nicht immer alles schlecht gewesen, und gute Dinge seien passiert, wie der Bau von Straßen. Ein Kipppunkt schien jedoch erreicht, als in Außenbereichen weitergebaut werden sollte, da Göhren bereits zugebaut war, was zu Problemen wie dem Parkhaus oder dem Klinik-Vertrag führte.

Parallelen und Wirkung über Göhren hinaus
Christoph Eder zieht Parallelen zwischen den Geschehnissen in Göhren und der nationalen Politik. Er sieht Ähnlichkeiten in der Art der Kommunikation, wenn etwa Aussagen getroffen werden, die sich später als widersprüchlich herausstellen. Eine weitere Parallele sei der Konflikt zwischen stetigem Wachstum der Wirtschaft und Fragen der nachhaltigen Entwicklung, des Klimaschutzes und der Flächenversiegelung. Das starke Wachstum und der Bau vieler Häuser oder Hotels belaste auch die Infrastruktur auf Rügen, die mittlerweile überlastet sei.

Die Reaktionen auf den Film waren emotional. Nach Vorführungen und Diskussionen, auch mit den Hauptprotagonisten vor der Veröffentlichung, bei der Kritikpunkte besprochen wurden. Bei der Vorpremiere in Göhren gab es sogar Applaus während des Abspanns. Kurzzeitig schien ein Zusammenkommen möglich, doch leider haben sich die Fronten in Göhren aktuell wieder verhärtet. Dies liege unter anderem an neuen Bauvorhaben wie einer geplanten weiteren Klinik.

Über Göhren hinaus sorgt der Film in Mecklenburg-Vorpommern für Aufsehen. Aufgrund des Films hat sich auf Rügen eine bürgerinitiativen gebildet, die sich für nachhaltigen Tourismus und die Interessen der Einheimischen einsetzt. Dies sei etwas sehr Direktes, das man sich als Filmemacher wünschen könne. Besonders erfreulich sei, dass Zuschauer in ganz Deutschland, von Berlin bis zu anderen Dörfern, die im Film gezeigten Probleme auf ihre eigenen Orte projizieren – sei es Gentrifizierung, Logistikzentren oder Hotels. Der Film scheint Menschen zu motivieren, sich selbst zu engagieren.

Wie die SED in der sowjetischen Besatzungszone entstand

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Berlin, 21. April 1946 – Dreißig Jahre „Bruderkampf“ zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten finden heute ihr Ende. Mit der feierlichen Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im ehemaligen Admiralspalast in Berlin wird ein neues Kapitel in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung aufgeschlagen. Dieser Tag markiert den Höhepunkt einer Bewegung, die ihren Ursprung in den Wirren der Nachkriegszeit hat.

Nach dem Sieg der Sowjetunion und ihrer Verbündeten im Mai 1945 wurde Deutschland vom Faschismus befreit. Die Sowjetische Militäradministration ließ antifaschistisch-demokratische Parteien und Gewerkschaften zu, was zur raschen Entfaltung des politischen Lebens in der sowjetischen Besatzungszone führte. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) wandte sich bereits am 11. Juni 1945 mit einem Aufruf an das deutsche Volk und erklärte: „Feste Einheit, entschlossener Kampf und beharrlicher Arbeit bilden die Garantie des Erfolges unserer gerechten Sache“. Auch der Zentralausschuss der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) stimmte in seinem Aufruf vom 15. Juni 1945 im Wesentlichen überein, wenn auch nicht mit derselben „marxistischen Reife“.

Schon wenige Tage später, am 19. Juni 1945, beschlossen beide Parteien ein gemeinsames Aktionsprogramm und verpflichteten sich zur Zusammenarbeit. Diese Aktionseinheit wurde durch die Bildung freier Gewerkschaften, zusammengeschlossen im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), sowie durch die Entstehung des Blocks der antifaschistisch-demokratischen Parteien verstärkt. Kommunisten und Sozialdemokraten bildeten Aktionausschüsse in der sowjetischen Besatzungszone und Teilen der Westzonen.

Gemeinsame Aktionen führten zu ersten Erfolgen, wie der Wiederaufnahme der Stahlproduktion oder der ersten Friedensernte, auch wenn diese den Hunger noch nicht stillen konnte. Unterstützt von klassenbewussten Sozialdemokraten forderten die Kommunisten eine Bodenreform, wodurch wichtige Bündnispartner der Arbeiterklasse für die Liquidierung des Faschismus und Militarismus und die Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung gewonnen wurden. Auch in der Bildung gab es gemeinsame Umwälzungen: KPD und SPD legten Grundsätze für eine Schulreform dar, was zur Ausbildung von 20.000 Neulehrern und der Öffnung von Universitäten für Arbeiter- und Bauernkinder führte. Diese demokratischen Umwälzungen wurden im Kampf gegen „erbitterten Widerstand reaktionärer Kräfte“ errungen.

Der Wunsch nach Einheit zeigte sich auch in den westlichen Besatzungszonen, wo Mitglieder von KPD und SPD die Vereinigung forderten. Einheitsvereinbarungen wurden unter anderem in Hamburg (24. Juli 1945) und München (8. August 1945) geschlossen. Doch die Reaktion in den Westzonen, angeführt vom Monopolkapital und rechten SPD-Führern wie Kurt Schumacher, versuchte, die Einheit zu verhindern. Das Büro Schumacher in Hannover wurde zum Zentrum dieser Kräfte, und Schumacher selbst zum „ärgsten Gegner der Einheitsbewegung“ und „brauchbaren Werkzeug der Reaktion“. Auch die Besatzungsmächte griffen ein und verboten, geleitet vom Antikommunismus, weitere Einheitsbewegungen in ihren Zonen, da eine Verschmelzung von SPD und KPD nicht in ihrer Linie lag.

Der „fortschreitende revolutionäre Umwälzungsprozess“ in der sowjetischen Besatzungszone und die „restaurative Entwicklung“ in den Westzonen verschärften den Klassenkampf und machten die Vereinigung von KPD und SPD auf „marxistischer Grundlage“ zu einem „dringenden Gebot“. Auf Initiative der KPD wurde im Dezember 1945 mit einem Flugblatt die Einheitspartei ideologisch vorbereitet, um die demokratischen Rechte und Freiheiten für Arbeiter und Werktätige zu sichern.

Ab Anfang 1946 wurde die Einheit zur Wirklichkeit. Im Februar vereinigten sich Parteigruppen von KPD und SPD in der Maxhütte. Der erste FDGB-Kongress forderte ebenfalls die politische Einheit der Arbeiterklasse. Im März 1946 wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ) als einheitliche antifaschistisch-demokratische Jugendorganisation gegründet, deren erster Sekretär Erich Honecker wurde.

Ende März/Anfang April 1946 wurde die Einheitspartei in allen Kreisen und Ländern der sowjetischen Besatzungszone zur Wirklichkeit, typisch dafür wurde das „kameradschaftliche Zusammenwirken“ von Hermann Matern und Otto Buchwitz in Sachsen. Heftige Auseinandersetzungen gab es insbesondere in Berlin, doch machtvolle Kundgebungen, etwa im Straßenbahnhof Charlottenburg mit Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, zeigten den Willen zur Einheit. Otto Buchwitz überbrachte auf einem Berliner SPD-Parteitag Grüße von den bereits vereinigten Parteien in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg und erklärte: „Wir haben das Werk vollbracht. Wir haben die Einheit geschlossen und wir blicken nun mehr auf euch Genossenen und Genossen in Berlin“. Auch die Berliner Parteiorganisationen von KPD und SPD fassten den entscheidenden Schritt.
Der Höhepunkt war der heutige Tag. Nach Beschlüssen des 15. KPD-Parteitages und des 40. SPD-Parteitages wurde die Einheitspartei gegründet. Tausende warteten vor dem Admiralspalast. Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, die zu Vorsitzenden der SED gewählt wurden, gaben sich die Hand. Wilhelm Pieck hatte zuvor erklärt, dass mit dem Aufmarsch der Berliner Arbeiterschaft unter den Fahnen der SED und der einheitlichen Gewerkschaften am 1. Mai hoffentlich auch die Zweifler „ihre Besorgnisse aufgeben und sich einreihen“ werden. Otto Grotewohl äußerte den Wunsch: „Ich wünschte den Tag herbei an dem sich unsere Hände nicht mehr trennen brauchten Dieser Tag ist heute da“.

Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands ist entstanden, die Partei der „geeinten Arbeiterklasse“. Laut den Gründern hat der Marxismus-Leninismus über den Opportunismus gesiegt. Die Arbeiterklasse tritt nun als „einheitliche Kraft“ auf und hat eine „einheitliche Führung“ geschaffen, um ihre „historische Mission erfüllen zu können“. Vor den Vorsitzenden liegt die „besondere Verantwortung“, das Vertrauen der „werkätigen Massen“ zu rechtfertigen und ein neues antifaschistisches demokratisches Deutschland zu schaffen, das Volk aus der Not zu helfen und Frieden und Demokratie zu sichern.

Muldentalbahn erwacht zu neuem Leben: Jungfernfahrt nach über 22 Jahren Stillstand

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Glauchau/Wolkenburg – Nach mehr als zwei Jahrzehnten ohne durchgehenden Zugverkehr ist am 29. Mai 2025 auf einem Teilstück der historischen Muldentalbahn wieder ein Zug gefahren. Die Interessengemeinschaft Traditionslok „58 3047“ e.V. veranstaltete eine „Jungfernfahrt“ auf dem oberen Abschnitt der einst Glauchau mit Wurzen verbindenden Strecke. Für exakt 22 Jahre, 9 Monate und 16 Tage – oder laut einer anderen Quelle nach 22 Jahren – lag dieser Teil der legendären Bahnstrecke brach.

Der Sonderzug verkehrte zwischen Glauchau-Reinholdshain und Wolkenburg im Muldental, mit planmäßigen Halten in Remse und Waldenburg. Laut Ankündigung der Veranstalter sollte der Zug von der vereinseigenen Dampflok 35 1097 gezogen werden. Berichte nach der Fahrt, unter anderem vom Förderverein Muldentalbahn e.V. und einem Forumsteilnehmer, geben jedoch an, dass die Dampflok 23 1097 in Richtung Wolkenburg fuhr und die Lok 102 182 den Zug in Richtung Glauchau zog. Der Sonderzug verkehrte einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag.

Der Fahrplan der „Jungfernfahrt“ sah die Abfahrt in Glauchau-Reinholdshain für Pendel 1 um 10:00 Uhr und für Pendel 2 um 14:00 Uhr vor. Die Ankunft in Wolkenburg war jeweils um 11:20 Uhr bzw. 15:20 Uhr geplant. Die Rückfahrten begannen in Wolkenburg um 12:00 Uhr und 16:00 Uhr, mit Ankunft in Glauchau-Reinholdshain um 13:20 Uhr bzw. 17:20 Uhr. Die Fahrkarten für die 2. Klasse auf der Gesamtstrecke von Glauchau-Reinholdshain nach Wolkenburg kosteten 39,- € für Erwachsene und 19,- € für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren. Der Zug war ausverkauft. Ein Zustieg in Glauchau war an einem provisorischen „Bahnsteig“ aus Gerüstbauteilen in Glauchau-Reinholdshain möglich, da der eigentliche Bahnhof Glauchau (noch) nicht angefahren werden kann/darf.

Die Muldentalbahn hat eine bewegte Geschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand der Wunsch nach einem Eisenbahnanschluss im Tal der Burgen, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Sandgruben und Papierfabriken entlang der Zwickauer Mulde. Die erste durchgehende Bahnstrecke verlief zunächst über Narsdorf, um Anschluss an die Hauptbahn Neukieritzsch–Chemnitz zu erhalten, bevor einige Jahre später die baulich aufwendige Trasse entlang der Mulde errichtet wurde. Bahnhöfe waren mit umfangreichen Güteranlagen ausgestattet, da seinerzeit fast alle Waren auf der Schiene transportiert wurden. Auch der Arbeiter- und Ausflugsverkehr war von Bedeutung. Dampflokomotiven waren auf den Strecken um Rochlitz bis in die 1980er-Jahre ein alltäglicher Anblick. Mit den politischen Umbrüchen im Jahr 1989 brach der Verkehr auf der Muldentalbahn und ihren Nebenstrecken ein. Der letzte Zug auf dem verbliebenen Betriebsabschnitt Glauchau – Wechselburg fuhr schließlich am 13. August 2002.

Nach der Einstellung des regulären Verkehrs war die Strecke über viele Jahre hinweg nicht mehr befahrbar und wuchs stark zu. Obwohl die Gleise nach Einschätzung eines Beobachters noch „huglig und buglig“ aussehen, fanden kurz vor der Jungfernfahrt noch intensive Freimachungs- und Instandsetzungsarbeiten statt. Die Fahrt bis Wolkenburg stellt nun den ersten erreichbaren Abschnitt für Eisenbahnfahrzeuge seit vielen Jahren dar. Die „Jungfernfahrt“ wurde von vielen Beteiligten und Fahrgästen als wichtiger erster Schritt in Richtung einer möglichen Reaktivierung der Strecke interpretiert. Viele der Passagiere äußerten den Wunsch nach einer Wiederinbetriebnahme, den sie lange für unrealistisch hielten. Die Idee, Rochlitz wieder an das Schienennetz anzubinden, ist dabei nicht neu; ein dort ansässiges Unternehmen könnte ein interessierter Kunde sein. Eine vollständige Reaktivierung wird von einigen erhofft, von anderen jedoch eher als Utopie angesehen. Die Notwendigkeit der Mitwirkung der Landkreise wird hervorgehoben, allerdings wird auch angemerkt, dass diese aufgrund ihrer Beteiligungen an Busgesellschaften oft wenig Interesse an durch das Land bestellten ÖPNV-Leistungen haben könnten.

Auch wenn der durchgehende Zugverkehr eingestellt wurde, lebt die Strecke abschnittsweise touristisch weiter. Seit 2010 werden an ausgewählten Wochenenden sogenannte Schienentrabifahrten angeboten. Diese Fahrten, betrieben vom Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde e.V., nutzen Gleiskrafträder des Typs 1 – ehemalige Inspektionsfahrzeuge der Deutschen Reichsbahn, die wegen ihres Trabant P50-Motors als „Schienentrabi“ bekannt wurden. Sie verkehren auf einem rund 11 km langen Abschnitt zwischen Rochlitz, Wechselburg und Penig, mit Start und Ziel in Rochlitz. Ein besonderes Erlebnis dabei ist die Überquerung der Muldebrücke nahe dem Rochlitzer Schloss. Entlang der Strecke befindet sich zudem das historische Stellwerk Wechselburg, das von einem Verein betreut wird und besichtigt werden kann.

Die erfolgreiche Jungfernfahrt am 29. Mai 2025 markiert somit ein positives Signal für die Eisenbahnfreunde und die Region und weckt Hoffnungen auf die Zukunft der Muldentalbahn.

DDR-Wunderwerke im Harz – Das Harzer Bikeschmiedefestival

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Wasserleben/Harz. Das Harzer Bikeschmiedefestival ist bekannt für technische Herausforderungen und außergewöhnliche Exponate. In diesem Jahr zog besonders ein Gespann die Blicke auf sich: ein selbstgebauter Trecker aus DDR-Zeiten, begleitet von einem Kult-Wohnwagen, liebevoll als „Düben Ei“ bezeichnet. Beide Fahrzeuge gehören Herbert, einem langjährigen Freund und Wegbegleiter der „Harzer Bikerschmiede“.

Herbert, der normalerweise mit einer „Staatskarosse“ auf dem Festival erscheint, brachte diesmal diese ganz besonderen Stücke mit. Er und Tilo, der Veranstalter, verbindet eine jahrelange Freundschaft, in der sie gemeinsam „mockeln, basteln und schrauben“. Herbert unterstützte die Bikerschmiede in der Vergangenheit auch beim Bau des Panzerbikes und konnte mit den großen Maschinen seiner einstigen Dreherei spezielle Teile anfertigen. Seinen großen Betrieb hat Herbert mittlerweile aufgegeben und zog sich in seine Werkstatt zurück, wo er sich seinen Oldtimern widmet. Eine Entscheidung, die er vor der Coronakrise im Jahr 2018 traf und angesichts der heutigen „verrückten Zeiten“ und der „dummen Politik“ als genau richtig empfindet.

Das Highlight von Herberts diesjähriger Präsentation ist zweifellos der selbstgebaute Trecker, den er als „Unikum“ beschreibt. Dieses Fahrzeug sollte ursprünglich auf dem Schrottplatz landen. Es stammt aus Brandenburg, wo Herberts Neffe ihn von jemandem geschenkt bekam, der ihn verschrotten wollte. Der Neffe, ebenfalls ein Techniker, verwahrte den Trecker zunächst in seiner Garage. Als dort Platz geschaffen werden musste, übernahm Herbert das Unikat.

Acht Jahre lang stand der Trecker unberührt in einer Schmiede in Wasserleben. Erst im Frühjahr dieses Jahres nahm sich Herbert seiner an, nachdem sein Neffe bemerkte, dass der Trecker nicht lief. Herbert war überrascht, denn „ein Dieselmotor läuft immer oder ist kaputt“. Tatsächlich sprang er zunächst an, lief aber nicht lange. Die Fehlersuche begann. Weder die Handpumpe noch der Filter waren die Ursache dafür, dass kein Sprit ankam. Das Problem entpuppte sich als ein festsitzender Nocken, der den Hebel zur Bedienung der Pumpe blockierte. Dieser Hebel war „fester als fest“. Mit Rostlöser und Geduld konnte Herbert das Teil lösen – „einmal gekloppt, klack und nun läuft die Kiste“.

Der Trecker ist in vielerlei Hinsicht „unnormal dran, aber es funktioniert“. Die Instrumente sind improvisiert: Das „Navigationsgerät“ orientiert sich am Wind. Der Tacho ist ein rotierendes Teil, bei dem man Umdrehungen über 50 Meter zählen muss, um die Geschwindigkeit (bis maximal 25 km/h) zu bestimmen. Ein eigenwilliger Abstandswarner, inspiriert von einem tschechischen Video, meckert, wenn man einem Hindernis zu nahe kommt. Der Motor ist ein luftgekühlter V2-Diesel aus der DDR, Baujahr 1972 – das einzige klar identifizierbare Teil mit Jahreszahl. Das Getriebe stammt von einem P2 und wird als passend für das Fahrzeug beschrieben, auch wenn Allrad vorne nicht umgesetzt wurde. Die Lenkung wird als „hervorragend gelöst“ beschrieben, wenn auch wohl nicht TÜV-konform. Eine besondere Eigenkonstruktion ist die Luftfederung des Sitzes, die Herbert entwickelt hat und die „top funktioniert“. Solche Fahrzeuge seien „Wunderwerke Eigenmarke Eigenbau“, geschaffen von „Freaks“ in ihren Werkstätten.

Am Trecker hängt ein weiteres Stück „absoluter Ostkult“: ein Campingwagen, bekannt als „Düben Ei“. Dieser zeichnet sich durch minimalsten Raum aus und verfügt über ein Bett, das sich aus einem Tisch umbauen lässt. Im Inneren ist noch alles original. Die Wände sind mit weichem Material verkleidet. Beim Betreten riecht man laut Tilo noch den „Osten raus“. Dies liege an den damals verwendeten Kunststoffen mit ihrer Langzeitwirkung, was als „Chlorun live“ umschrieben wird. Die Form des Wohnwagens wird als „richtig schön“ bezeichnet und sorgt für „richtig gute Laune“.

Herbert drehte mit seinem Gespann eine Runde über den Platz und präsentierte die ungewöhnlichen Fahrzeuge den begeisterten Besuchern. Währenddessen arbeitete die Crew eifrig daran, das ebenfalls erwartete Panzerbike zum Start zu bringen. Das Festival bot einmal mehr eine beeindruckende Mischung aus Technikgeschichte und kreativen Eigenbauten, die das Herz jedes Technikliebhabers höherschlagen lassen.