Start Blog Seite 102

Überfall auf Essener Fußballfans: Ein Schock für Gransee

0

Der Zug mit den Essener Fußballfans kommt auf freier Strecke zum Stehen. Was zunächst wie ein technischer Defekt aussieht, entpuppt sich schnell als akribisch vorbereitete Aktion. Offenbar hat jemand die Notbremse gezogen, um die Fans in eine Falle zu locken. Dann der Überfall: Mehr als 100 vermummte Täter erscheinen aus dem Nichts und greifen den Zug mit roher Gewalt an. Ein Schock für die Fans im Zug und für die gesamte Stadt Gransee, wo die Leidenschaft für den Fußball tief verwurzelt ist.

In dem Zug befinden sich nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder, die das Spiel ihrer Mannschaft sehen wollten. Die Vorstellung, dass diese Gruppe von gewaltbereiten Tätern ohne Rücksicht auf Verluste auf die Menschen im Zug losgegangen ist, ist unverantwortlich und erschreckend. Die Gewalt, die hier ausgelebt wird, hat mit dem Sport und der gemeinsamen Leidenschaft für den Fußball nichts mehr zu tun. Es geht nicht nur um Rivalität; es handelt sich um eine Bedrohung der Sicherheit derjenigen, die einfach nur ein Spiel erleben möchten.

Die Situation eskaliert schnell. Der Zug wird schwer beschädigt, und das Gepäck der Fans wird verwüstet. Zum Glück bleibt es dabei, dass niemand ernsthaft verletzt wird. Dies ist ein kleiner Lichtblick in einem ansonsten tragischen Vorfall. Die Bundespolizei wird mit 60 Kräften zum Tatort gerufen. Als sie jedoch eintreffen, sind die Täter bereits unerkannt über alle Berge verschwunden. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um Fans des FC Hansa Rostock, die für diesen Übergriff verantwortlich sind. Neben der Bundes- und der Brandenburger Polizei nehmen auch Beamte aus Mecklenburg-Vorpommern Ermittlungen auf, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

In der Folge gibt es einen ersten Fahndungserfolg: Ein Verdächtiger wird identifiziert, seine Wohnung wird durchsucht und Beweismittel sichergestellt. Doch in Gransee bleibt die Unsicherheit zurück. Fragen über Fragen stellen sich den Bürgern: Wo waren die 150 Personen, die den Überfall ausgeführt haben? Wie sind sie hierher gekommen, ohne bemerkt zu werden? Wo haben sie sich versteckt, bevor sie zuschlugen? Diese innerliche Unruhe, die durch solche Ereignisse ausgelöst wird, ist für eine Gemeinde, die für ihren Zusammenhalt bekannt ist, alarmierend.

Inmitten all dieser Unsicherheiten äußert sich der FC Hansa Rostock auf seiner Internetseite zu dem Vorfall. Der Verein verurteilt den Angriff auf den Sonderzug auf das Schärfste und distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Form der Gewalt. Solche öffentlichen Stellungnahmen sind wichtig, um ein Zeichen zu setzen und klarzustellen, dass Gewalt im Fußball keine Akzeptanz findet. Dennoch stellt der Überfall eine neue Stufe der Gewalt im Umfeld von Hansa Rostock dar, was für alle Beteiligten besorgniserregend ist.

Die Vorfälle in Gransee zeigen einmal mehr, dass Gewalt im Fußball ein drängendes Problem ist, das nicht ignoriert werden kann. Es ist entscheidend, dass Fans, Vereine und die Polizei zusammenarbeiten, um solche Übergriffe zu verhindern und den Fußball zu dem zu machen, was er sein sollte: ein Ort der Freude, des Zusammenhalts und der Leidenschaft. Es ist an der Zeit, die Kultur des Fußballs zu überdenken und alles zu tun, um gewaltfreie Unterstützung der Mannschaften zu fördern.

In einer Zeit, in der Sport und insbesondere der Fußball als ein verbindendes Element der Gesellschaft gelten, dürfen solche Vorfälle nicht den Raum einnehmen. Sie müssen als Anstoß dienen, um die Diskussion über Fanverhalten und Gewalt im Sport voranzutreiben. Nur durch präventive Maßnahmen, Aufklärung und ein gemeinsames Vorgehen kann es gelingen, die Fußballkultur zu bewahren und einen sicheren Rahmen für alle Fans zu schaffen.

Medien und Politik: Angelika Barbe kritisiert die Diffamierung von Pegida

0

Angelika Barbe, eine bekannte Bürgerrechtlerin der DDR und eine der Mitbegründerinnen der ostdeutschen SPD, war zu Gast auf der Bühne, um ihre Gedanken zu politischen Entwicklungen und ihrer persönlichen Geschichte zu teilen. Barbe war nicht nur eine prominente Figur während der Wendezeit, sondern auch Mitglied der letzten Volkskammer der DDR, wo sie aktiv an der Wiedervereinigung Deutschlands mitwirkte. Im Laufe der Veranstaltung machte sie deutlich, wie ihre politischen Überzeugungen sich über die Jahre weiterentwickelt haben und wie sie heute die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland wahrnimmt.

Barbe begann ihren Vortrag mit einer Klarstellung: Entgegen der Annahme gehörte sie nicht zur „Gruppe der 20“, die im Jahr 1989 in Leipzig während der Montagsdemonstrationen aktiv war. Stattdessen war sie am 7. Oktober 1989 eine der Mitbegründerinnen der ostdeutschen SPD. Diese SPD, so betonte sie, sei jedoch eine andere als die Partei, die heute in Deutschland an der Macht ist. Sie erklärte, dass sie sich von der modernen SPD distanziert habe und bereits aus der Partei ausgetreten sei. Der Wandel der Partei sei für sie enttäuschend gewesen.

Von der DDR zur gesamtdeutschen Politik
Barbe erinnerte sich auch an ihre Zeit in der Volkskammer, wo sie an den grundlegenden Entscheidungen für das wiedervereinigte Deutschland mitarbeitete. Besonders erinnerte sie sich an ihre Teilnahme an der Abstimmung zur Asylgesetzgebung 1993, die die sogenannte Drittstaatenregelung beinhaltete. Diese Entscheidung, so sagte sie, habe sie bereits damals zur Zielscheibe von Kritik innerhalb der SPD gemacht, wo sie für ihre Position verunglimpft wurde.

Sie kritisierte die heutige Regierungspolitik scharf und sprach davon, dass die aktuelle Politik versuche, ein „eigenes Volk“ zu schaffen, indem Migranten ins Land geholt würden. Ihrer Ansicht nach hat dies nichts mehr mit Demokratie und dem Grundgesetz zu tun. Barbe betonte, dass sie nicht bereit sei, diese Entwicklung hinzunehmen, und dass sie weiter für die Werte des Grundgesetzes kämpfen werde. Diese Aussagen stießen bei den Anwesenden auf große Zustimmung und spiegelten Barbes klare Haltung zu aktuellen politischen Fragen wider.

Über Pegida und den medialen Diskurs
In ihrer Rede nahm Barbe auch Bezug auf die Pegida-Bewegung, die in den letzten Jahren für viele Kontroversen gesorgt hat. Sie berichtete von ihrer eigenen Erfahrung mit der Bewegung und erklärte, dass sie 2014 das erste Mal an einer Pegida-Demonstration teilgenommen habe. Dort habe sie erkannt, dass die Bewegung nicht so sei, wie sie in den Medien dargestellt wurde. Stattdessen, so Barbe, handele es sich um eine Bürgerbewegung, die von engagierten Demokraten gegründet wurde und sich gegen die politische Elite richtete.

Barbe beklagte, dass Pegida in den Medien systematisch diffamiert wurde. Die Bewegung und ihre Anhänger seien als „Pack“ bezeichnet worden, wie es der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel formulierte. Auch andere Politiker wie Cem Özdemir oder der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hätten Pegida-Anhänger beleidigt und diffamiert. Gauck sprach beispielsweise von „Dunkeldeutschland“, wenn er auf Pegida zu sprechen kam. Barbe griff diese Aussagen auf und sagte humorvoll, dass sie in Briefen ihre Unterschrift manchmal mit „Ihre Angelika aus Dunkeldeutschland“ versehen habe, um die Absurdität dieser Beleidigungen zu unterstreichen.

Kritik an der politischen Elite und den Medien
Barbe kritisierte nicht nur die Medienberichterstattung, sondern auch die etablierten Parteien, die ihrer Meinung nach systematisch daran arbeiteten, Bewegungen wie Pegida zu spalten und zu zerstören. Sie zog Parallelen zur DDR, wo ebenfalls jeder, der sich nicht dem System anpasste, als Feind bezeichnet wurde. Heute werde ähnliches Verhalten gegenüber Kritikern der Regierungspolitik praktiziert.

Für Barbe ist Pegida eine wichtige Bürgerbewegung, die ihrer Zeit voraus gewesen sei. Sie verwies dabei auf die Analysen des Dresdner Politikwissenschaftlers Prof. Werner Patzelt, der Pegida als rechte Bürgerbewegung beschrieben hatte, die sich gegen das politische Establishment richtete. Barbe betonte, dass Pegida in der politischen Landschaft Deutschlands Geschichte geschrieben habe und bis heute ein Symbol für den Widerstand gegen die herrschende Politik sei.

Zukunft des Widerstands: Neue Initiativen
Abschließend ging Barbe auf die aktuellen Entwicklungen ein und ermutigte die Anwesenden, den Widerstand gegen die Regierungspolitik fortzusetzen. Sie lobte die vielen neuen Initiativen, die sich in den letzten Jahren gegründet haben, und forderte dazu auf, regelmäßig Demonstrationen und Veranstaltungen zu organisieren. „Es geht weiter“, sagte sie entschlossen, „wer hindert uns daran, jeden Montag eine Veranstaltung zu machen?“

Ihre Rede endete mit einem eindringlichen Appell an die Verteidigung des Grundgesetzes und den Kampf gegen politische Entwicklungen, die ihrer Meinung nach die Demokratie gefährden. Barbe betonte, dass der Widerstand gegen diese Entwicklungen nicht aufhören dürfe und dass es die Pflicht jedes Bürgers sei, für die Demokratie einzutreten. Mit diesen Worten erntete sie tosenden Applaus von den Anwesenden, die ihre klare und kämpferische Haltung mit großem Enthusiasmus unterstützten.

FAMILIENUNTERNEHMER fordern niedrigere Steuern und weniger Bürokratie

0

In einem aktuellen Online-Gespräch (siehe auch Video), zugeschaltet ist Marie Christine Ostermann, Präsidentin des Verbandes der Familienunternehmer, wurde die angespannte Lage der deutschen Wirtschaft erörtert. Angesichts einer stagnierenden Wirtschaft und der drohenden Rezession sind die Fragen nach den Ursachen und möglichen Lösungen von höchster Bedeutung. Ostermann äußerte sich kritisch zur Politik der Bundesregierung und gab Einblicke in die dringenden Maßnahmen, die ihrer Meinung nach ergriffen werden müssen, um das Wachstum wieder anzukurbeln.

Die Ursachen der Stagnation
„Es fehlt der Regierung die Kraft, das Wachstum zu fördern“, so Ostermann zu Beginn des Gesprächs. Sie führt die stagnierende Wirtschaft auf eine Kombination von Faktoren zurück, unter anderem auf die explodierenden Ausgaben im Bundeshaushalt. Besonders die Sozialausgaben, die laut Ostermann in den letzten Jahren stark angestiegen sind, belasten die Kassen des Staates. „Unser Wirtschaftsminister Robert Habeck schreibt den Unternehmen detailliert vor, wie sie Investitionen zu tätigen haben“, kritisiert sie.

Diese Detailvorgaben und hohen Subventionen, die als teuer und ineffektiv angesehen werden, führen dazu, dass viele Unternehmen das Vertrauen in zukünftige Investitionen verlieren. „Die Subventionen müssten massiv gekürzt werden, um verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Willkür zu vermeiden“, fordert Ostermann. Wenn Unternehmen das Gefühl haben, dass ihre Investitionen sich nicht rechnen, ist das ein zentrales Hemmnis für das Wachstum der Wirtschaft.

Sozialausgaben und das Bürgergeld
Ein weiterer zentraler Punkt der Diskussion ist das Bürgergeld, das Ostermann als problematisch bezeichnet. „Die Kosten für das Bürgergeld sind explodiert und es hat sich fast zu einem bedingungslosen Grundeinkommen entwickelt“, so Ostermann. Die Finanzierung der Sozialleistungen werde zunehmend zur Belastung für die arbeitende Bevölkerung, was wiederum negative Auswirkungen auf die Motivation zur Erwerbsarbeit hat. „Wir müssen gezielt dort ansetzen, wo die Hilfe benötigt wird, und das Bürgergeld entsprechend reduzieren“, fordert sie.

Diese Haltung steht im Einklang mit den Vorschlägen der CDU, die eine Begrenzung des Zuzugs an Asylsuchenden fordert. Der Bundesfinanzminister hatte außerdem angeregt, das Bürgergeld anzupassen, um sicherzustellen, dass Arbeit wieder attraktiv wird. „Es ist wichtig, dass wir Anreize schaffen, damit Menschen arbeiten gehen und Steuereinnahmen generiert werden“, erklärt Ostermann.

Effizienzsteigerung im Staatsausgaben
Um die aktuelle Situation zu verbessern, fordert Ostermann eine Umschichtung der Staatsausgaben. „Das Geld muss zielgenauer eingesetzt werden“, sagt sie. Dazu gehört eine deutliche Reduzierung der Sozialausgaben sowie eine effizientere Verwendung der Mittel. Ostermann spricht sich für Sanktionen aus, die darauf abzielen, Menschen so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Wir brauchen eine Diskussion darüber, wie wir alle dazu beitragen können, die Sozialversicherungsbeiträge und Steuereinnahmen zu erwirtschaften, anstatt immer nur vom Staat zu nehmen“, betont sie.

Die Diskussion um den Deutschlandfonds
Ein weiterer Punkt, der im Gespräch zur Sprache kam, ist der von Wirtschaftsminister Habeck vorgeschlagene Deutschlandfonds. Ostermann sieht hier große Bedenken: „Dieser Fonds wird sehr teuer, und wir gehen davon aus, dass die Kosten mindestens 50 Milliarden Euro pro Jahr betragen werden.“ Die geplante Aushebelung der Schuldenbremse hält sie für falsch, da dies den Druck auf die Regierung verringert, die richtigen Prioritäten im Haushalt zu setzen.

Bereits jetzt würden 40 Milliarden Euro für Zinszahlungen auf Schulden aufgebracht, was die finanzielle Lage der Unternehmen zusätzlich belastet. „Es ist wichtig, dass die Unternehmen aus eigener Kraft investieren und erwirtschaften können, ohne dass sie durch detaillierte Regulierungen und Subventionen behindert werden“, erläutert sie.

Wende in der Wirtschaftspolitik?
Im Hinblick auf die Zukunft und die Möglichkeit einer grundlegenden Wende in der Wirtschaftspolitik bleibt Ostermann skeptisch. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, wir stecken in einer Krise“, sagt sie. Immer mehr Unternehmen wandern ab oder gehen insolvent, weil der Standort Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig ist. „Die Ampelregierung muss jetzt die Trendwende einleiten – weg von der planwirtschaftlichen Detailregulierung hin zu niedrigeren Steuern und weniger Bürokratie“, fordert sie.

Ein konkreter Schritt, den Ostermann vorschlägt, ist die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. „Das würde einen ersten Begeisterungsschub in der Unternehmergemeinschaft auslösen und könnte dazu führen, dass wieder mehr investiert wird“, glaubt sie.

Herausforderungen
Die Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft sind groß, und die Diskussion über notwendige Maßnahmen zur Belebung des Wachstums wird zunehmend dringlicher. Marie Christine Ostermann hat eindrücklich dargelegt, welche strukturellen Änderungen ihrer Meinung nach nötig sind, um den stagnierenden Trend zu durchbrechen. Es ist klar, dass sowohl die Politik als auch die Unternehmen gefordert sind, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland langfristig zu sichern.

Insgesamt zeigt das Gespräch, dass es nicht nur um kurzfristige Lösungen geht, sondern um eine grundlegende Neubewertung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Ostermann appelliert an alle Beteiligten, sich gemeinsam für eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik einzusetzen.

Die Big Battery Oberlausitz und der Rückbau der alten Kühltürme

0

Die Lausitz steht vor einem tiefgreifenden Wandel, der den Übergang von der traditionellen Braunkohleverstromung hin zu erneuerbaren Energien markiert. Dieser Umbruch wird von der LEAG, einem der wichtigsten Energieunternehmen der Region, aktiv vorangetrieben. Besonders deutlich wird dieser Wandel am Kraftwerk in Boxberg, wo der Bau einer der größten Batteriespeicheranlagen Deutschlands, der „Big Battery Oberlausitz“, begonnen hat.

Frank Nackinz, Oberbauleiter des Projekts, erklärt: „Hier entsteht ein Batteriespeicher, der in der Zukunft genutzt werden soll, um überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen zu speichern und bei Bedarf wieder in die Netze einzuspeisen.“ Bereits vor einigen Jahren wurde eine ähnliche Anlage am Standort Schwarze Pumpe errichtet, doch die Big Battery in Boxberg ist noch größer und leistungsfähiger. Sie wird eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung des Stromnetzes spielen, indem sie Schwankungen im Stromnetz ausgleicht, die durch den variablen Einspeisungsgrad erneuerbarer Energien entstehen.

Die Big Battery Oberlausitz soll überschüssigen Strom, der beispielsweise aus Wind- oder Solarenergie gewonnen wird, speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da erneuerbare Energien nicht immer dann zur Verfügung stehen, wenn sie benötigt werden – zum Beispiel scheint die Sonne nur tagsüber und Wind weht nicht immer konstant. Durch den Einsatz großer Batteriespeicher wie der Big Battery wird eine konstante Stromversorgung gesichert, selbst wenn die erneuerbaren Quellen temporär nicht genug Energie liefern.

Nur wenige Meter entfernt vom Bau der Big Battery ereignet sich ein symbolisches Ereignis, das den Strukturwandel in der Lausitz ebenfalls deutlich sichtbar macht: der Abriss der alten Kühltürme des Kraftwerks Boxberg. Dieser Rückbau steht für das schrittweise Ende der Braunkohleverstromung in der Region. Die LEAG verabschiedet sich zunehmend von ihrer alten Kohleinfrastruktur und schafft Platz für neue, umweltfreundliche Technologien.

„Im Hintergrund sehen wir den Rückbau des Kühlturms 9 zur Baufeldfreimachung für neu geplante Anlagen in diesem Bereich“, so Nackinz weiter. „Der Kühlturm wird mechanisch auf eine Höhe von ca. 15 Metern zurückgebaut. Wir müssen dabei die aktiven Anlagenteile im Altwerk schützen, deshalb ist eine Sprengung zu riskant.“ Kühltürme 6 bis 8 hingegen werden planmäßig gesprengt, und die Vorbereitungen für diese Maßnahme sind bereits abgeschlossen. Die Entlastungsschlitze und Kernlochbohrungen für die Sprengladungen sind bereits gesetzt. Dieser Rückbau markiert nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch den Beginn eines neuen Kapitels in der Energieversorgung der Lausitz.

Der nächste Schritt im Wandel der Lausitz zeigt sich im Tagebau Welzow-Süd. Auf ehemaligen Kohleflächen wird eine der größten Photovoltaikanlagen der Region errichtet. Diese Freiflächenanlage wird nach ihrer Fertigstellung eine Leistung von 22 Megawatt Peak (MWp) haben und damit genug Sonnenenergie erzeugen, um knapp 7.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Dies ist ein bedeutendes Zeichen für den Fortschritt der Region hin zu erneuerbaren Energien.

„Wir sehen hier eine Freiflächenanlage auf zwei Teilfeldern“, erläutert ein Projektleiter. „Mit dieser Anlage speisen wir Strom über unsere eigene Infrastruktur bei der LEAG direkt ins Netz von 50 Hertz ein, um den erzeugten Strom dem Markt zur Verfügung zu stellen.“ Aktuell befinden sich die Arbeiten an der Photovoltaikanlage in der Endphase. Die Trafostationen und Wechselrichter sind bereits installiert, und die Montage der Module nähert sich der Vollendung. Schon bald wird die Anlage Strom produzieren, der direkt aus der Kraft der Sonne gewonnen wird.

Diese drei Projekte – die Big Battery Oberlausitz, der Abriss der alten Kühltürme und der Bau der Photovoltaikanlage – stehen sinnbildlich für die Neuausrichtung der Lausitz. Die Region, die einst stark von der Kohlewirtschaft geprägt war, gestaltet ihre Energiezukunft nachhaltig, innovativ und zukunftsorientiert. Der Wandel von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien ist in vollem Gange, und die LEAG spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Lausitz hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Energieversorgung umweltfreundlicher und resilienter zu machen, um langfristig eine stabile und nachhaltige Energiezukunft zu gewährleisten.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien bringt nicht nur Vorteile für das Klima, sondern bietet auch wirtschaftliche Chancen für die Region. Der Bau von Anlagen wie der Big Battery und der Photovoltaikparks schafft Arbeitsplätze und stärkt die lokale Wirtschaft. Gleichzeitig trägt die Region dazu bei, die deutsche Energiewende voranzutreiben und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Transformation ist die Sicherstellung der Netzstabilität. Die Herausforderungen, die mit der Integration erneuerbarer Energien einhergehen – wie die schwankende Verfügbarkeit von Wind und Sonne – werden durch innovative Lösungen wie Batteriespeicher und intelligente Netze adressiert. So wird die Lausitz in der Lage sein, auch in Zeiten von Energieengpässen eine zuverlässige Stromversorgung zu gewährleisten.

Insgesamt zeigt sich, dass die Lausitz nicht nur auf dem Weg ist, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, sondern auch, dass sie aktiv an einer nachhaltigen Zukunft arbeitet. Die Projekte in Boxberg und Welzow-Süd sind nur der Anfang einer umfassenden Transformation, die das Potenzial hat, die gesamte Region in eine Modellregion für erneuerbare Energien zu verwandeln.

Andreas Zick: Normalisierung rechtsextremer Positionen in der Mitte der Gesellschaft

0

In einem aktuellen Interview äußert Professor Andreas Zick, der an der Universität Bielefeld lehrt und das Institut für interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforschung leitet, seine tiefgreifenden Bedenken hinsichtlich der wachsenden Bedrohung durch den Rechtsextremismus in Deutschland. Seine Analyse basiert auf den Ergebnissen der von ihm durchgeführten Mitte-Studien, die alle zwei Jahre durchgeführt werden und einen umfassenden Überblick über die gesellschaftlichen Einstellungen in Deutschland bieten. Zick betont, dass diese Studien einen alarmierenden Anstieg rechtsextremer Einstellungen innerhalb der Gesellschaft zeigen.

Laut Zick zeigen die Daten, dass 8 % der Befragten ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild vertreten, während weitere 20 % in einem Graubereich angesiedelt sind, in dem rechtsextreme Gedanken und Ideologien latent vorhanden sind. Dies sei besonders besorgniserregend, da es einen zunehmenden Zuspruch zu politischer Gewalt zur Durchsetzung von Interessen dokumentiere. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass extremistische Ansichten nicht mehr nur am Rand der Gesellschaft zu finden sind, sondern auch in der Mitte Einzug halten.

Ein zentraler Punkt in Zicks Analyse ist die Veränderung des Rechtsextremismus selbst. Er erklärt, dass sich diese Ideologie an den Zeitgeist angepasst hat und daher nicht mehr mit den rechtsextremen Strömungen von vor zehn Jahren gleichzusetzen ist. Eine bemerkenswerte Beobachtung ist, dass rechtsextreme Positionen mittlerweile auch in linken Milieus Zustimmung finden. Diese Entwicklung stellt eine ernsthafte Herausforderung dar, da sie die herkömmlichen Grenzen zwischen politischen Ideologien verwischt und die gesellschaftliche Debatte weiter polarisiert.

Trotz dieser Anpassungsfähigkeit sieht Zick stabile Kernelemente im Rechtsextremismus, die unverändert bleiben. Dazu gehören die Ideologie der Ungleichwertigkeit, die Menschen in verschiedene Kategorien einteilt und damit eine Hierarchisierung vornimmt. Diese Denkweise geht oft einher mit einer Akzeptanz für eine aggressive Durchsetzung eigener Interessen, was zu einem weiteren Anstieg von Konflikten und Spannungen in der Gesellschaft führen kann.

Zick warnt außerdem vor der schleichenden Normalisierung rechtsextremer Positionen innerhalb der Mitte der Gesellschaft. Diese Normalisierung äußert sich nicht nur in der politischen Debatte, sondern auch in der alltäglichen Sprache und im Umgang mit Themen wie Migration und Integration. Die Akzeptanz rechtsextremer Äußerungen in der Öffentlichkeit ist ein Indiz dafür, dass solche Ansichten zunehmend legitimiert werden, was die Gefahr birgt, dass sie Teil des gesellschaftlichen Konsenses werden.

Eine der gravierendsten Entwicklungen, die Zick anspricht, ist das Versagen der politischen Klasse, angemessen auf diese Veränderungen zu reagieren. Er kritisiert die etablierten Parteien scharf dafür, dass sie die gravierenden Verschiebungen in den politischen Orientierungen der Bevölkerung nicht ernst genommen haben. Stattdessen klammerten sie sich an überholte Konzepte, die nicht mehr den aktuellen Herausforderungen gerecht werden. Diese Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen und Ängsten der Bürger trägt dazu bei, dass sich extremistische Bewegungen weiter etablieren können.

Um den rechtsextremen Tendenzen entgegenzuwirken, fordert Zick massive Investitionen in Bildung. Er sieht Bildung als einen Schlüssel zur Förderung eines kritischen Bewusstseins, das notwendig ist, um extremistische Ideologien zu hinterfragen und abzulehnen. Darüber hinaus betont er die Notwendigkeit, Räume für politische Diskurse zu schaffen, in denen unterschiedliche Meinungen gehört und diskutiert werden können. Politische Reflexivität ist dabei essenziell; die Gesellschaft sollte sich nicht in Gemütlichkeit einrichten, sondern die aktuellen Herausforderungen als Chance begreifen, neue Allianzen zu schmieden und sich von überholten Vorstellungen von Normalität zu verabschieden.

Abschließend appelliert Zick eindringlich an die Bürger, die gegenwärtige Situation ernst zu nehmen und den eigenen Bequemlichkeiten zu widerstehen. Er betont, dass aktives Engagement und die Bereitschaft, sich mit den eigenen Überzeugungen auseinanderzusetzen, unerlässlich sind, um den rechtsextremen Entwicklungen wirksam entgegenzutreten. Nur durch eine bewusste Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen und ein gemeinsames Eintreten für die Werte von Demokratie und Toleranz kann der zunehmenden Radikalisierung und dem Aufstieg extremistischer Bewegungen Einhalt geboten werden.

Der „Freiheitsschock“ der Wiedervereinigung: Tiefe gesellschaftliche Narben im Osten

0

Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker und Experte für die deutsche Wiedervereinigung, beleuchtet in seinen Analysen die tiefen gesellschaftlichen Narben, die der Prozess der Wiedervereinigung hinterlassen hat. Er spricht dabei von einem „Freiheitsschock“, der viele Ostdeutsche bis heute prägt. Die rasante Transformation von der DDR zur Bundesrepublik hat nicht nur wirtschaftliche Brüche hinterlassen, sondern auch soziale, die sich in den politischen Radikalisierungen widerspiegeln. Kowalczuk warnt, dass autoritäre Tendenzen, wie der Aufstieg der AfD, ein Symptom einer tieferen, globalen Unsicherheit sind. Freiheit, so betont er, muss immer wieder neu verteidigt werden – gerade in Zeiten globaler Krisen wie der Finanzkrise von 2008, der Digitalisierung und der Klimakrise.

Ostdeutschland als „Laboratorium“ radikaler Entwicklungen
Kowalczuk sieht in Ostdeutschland eine Art „Laboratorium“ für gesellschaftliche Entwicklungen, die sich hier schneller und radikaler vollziehen als in anderen Teilen Deutschlands. Diese Dynamik führt er auf eine „Transformationsüberforderung“ zurück, die viele Ostdeutsche nach 1990 erlebten. Der abrupte Übergang von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einer sozialen Marktwirtschaft und Demokratie brachte viele Menschen an ihre Grenzen. Diese tiefgreifenden Veränderungen, so Kowalczuk, haben bei vielen Menschen in Ostdeutschland tiefe Spuren hinterlassen und sie anfällig gemacht für extremistische Bewegungen wie die AfD und das Bündnis „Sahra Wagenknecht“, die einfache Antworten auf komplexe Probleme bieten.

Globalisierung und die Suche nach einfachen Antworten
Kowalczuk stellt zudem fest, dass die Entwicklungen in Ostdeutschland im größeren globalen Kontext gesehen werden müssen. Die Unsicherheiten, die durch die Globalisierung, die Digitalisierung und den Wandel der Arbeitswelt hervorgerufen wurden, sind nicht nur ein ostdeutsches Phänomen. Sie lassen sich auch in anderen Teilen Europas und der Welt beobachten. Die Finanzkrise von 2008 und die sich zuspitzenden Klimakrisen tragen ebenfalls dazu bei, dass viele Menschen Ängste entwickeln, die von populistischen und extremistischen Bewegungen ausgenutzt werden. Diese Bewegungen bieten vermeintlich einfache Lösungen und Schuldige für die Probleme der modernen Welt an, was sie besonders attraktiv für diejenigen macht, die sich abgehängt fühlen.

Rassismus als tiefsitzende Problematik in Europa
In seinen Analysen geht Kowalczuk auch auf das Thema Rassismus ein, das seiner Meinung nach tief in der europäischen Gesellschaft verankert ist. Er sieht Rassismus als ein grundlegendes Problem, das weit über den rechten Rand hinausreicht und in der kolonialen Vergangenheit Europas verwurzelt ist. Kowalczuk kritisiert die mangelnde Bereitschaft, sich offen und ehrlich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen und die eigenen rassistischen Denkmuster zu hinterfragen. In seinen Augen ist die europäische Gesellschaft „prinzipiell mit diesem Rassismus infiziert“, und er ruft dazu auf, diese Prägungen zu erkennen und aktiv zu bekämpfen.

Kritik an der deutschen Aufarbeitung der Vergangenheit
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt Kowalczuks betrifft die unzureichende Aufarbeitung der Vergangenheit in Deutschland, insbesondere in Bezug auf den Nationalsozialismus und den Umgang mit rechtsextremistischen Bewegungen. Er argumentiert, dass die deutsche Gesellschaft dazu neige, unangenehme Themen zu verdrängen, anstatt sich offen mit ihnen auseinanderzusetzen. Diese Tendenz, so Kowalczuk, sei einer der Gründe dafür, warum rechtsextreme Bewegungen in Deutschland – besonders in Ostdeutschland – so erfolgreich sein können. Der fehlende Wille, sich mit den dunklen Kapiteln der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, schwächt die demokratische Kultur und schafft Raum für extremistische Ideologien.

Die Rolle von Gregor Gysi und das Fehlen einer starken linken Alternative
Kowalczuk geht auch auf die Rolle von Gregor Gysi und der Linkspartei ein. Er kritisiert Gysi dafür, dass er die SED nach 1990 nicht aufgelöst, sondern in die PDS und später in die Linkspartei transformiert hat. Dies, so Kowalczuk, habe verhindert, dass eine starke linke, demokratische und emanzipatorische Alternative zu den extremistischen Bewegungen entstehen konnte. Eine solche politische Kraft, die sich klar von den autoritären Strukturen der DDR abgrenzt, fehlt laut Kowalczuk in Deutschland. Das Fehlen dieser Alternative erleichtert es extremistischen Bewegungen, insbesondere in Ostdeutschland, sich als einzig wahre Oppositionskraft zu etablieren.

Eine Epoche des Autoritarismus?
Kowalczuk zeigt sich besorgt über die Zukunft von Freiheit und Demokratie – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Er warnt davor, dass die zunehmende Komplexität der modernen Welt und die schnellen Veränderungen viele Menschen überfordern und sie anfällig für autoritäre Lösungen machen. Die Tendenz, sich in autoritäre Strukturen zurückzuziehen, könnte laut Kowalczuk zu einer „Epoche des Autoritarismus“ führen. Doch er betont auch, dass es noch nicht zu spät sei, gegenzusteuern. Kowalczuk appelliert an die Menschen, aktiv für Demokratie und Freiheit einzutreten und nicht darauf zu warten, dass „die da oben“ die Probleme lösen.

Der Aufruf zur Verteidigung der Freiheit
Für Kowalczuk steht fest: Die Freiheit, die mit der deutschen Wiedervereinigung gewonnen wurde, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden. In Zeiten globaler Krisen, in denen extremistische Bewegungen Aufwind bekommen, ist es umso wichtiger, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein. Kowalczuk fordert daher ein stärkeres Engagement der Zivilgesellschaft, um die Demokratie zu verteidigen und populistischen Strömungen Einhalt zu gebieten. Nur durch einen offenen Diskurs über die Vergangenheit und die aktuellen Herausforderungen, so Kowalczuk, können die Lehren aus der Geschichte gezogen und die Grundlagen für eine stabile demokratische Zukunft gelegt werden.

Ines Geipels Analyse der ostdeutschen Gegenwart: Doppeldiktatur und ungelöste Vergangenheiten

0

Ines Geipel, ehemalige Spitzensportlerin, Schriftstellerin und Aktivistin, setzt sich seit vielen Jahren mit der komplexen Geschichte Ostdeutschlands auseinander. Auf der Frankfurter Buchmesse sprach sie mit Peter Unfried über ihr neues Buch „Fabelland. Der Osten. Der Westen. Der Zorn. Das Glück.“ und thematisierte dabei zentrale gesellschaftliche Fragen rund um die Lage im Osten Deutschlands, den zunehmenden Populismus und die tief verwurzelte Wut, die viele Menschen dort empfinden. Geipels Analyse der aktuellen Situation verbindet ihre eigenen Erfahrungen mit einem scharfsinnigen Blick auf die historischen und gegenwärtigen Strukturen, die Ostdeutschland bis heute prägen. Besonders wichtig ist ihr dabei der Begriff der „Doppeldiktatur“, der die Verzahnung von Nationalsozialismus und DDR aufgreift und als Schlüssel zum Verständnis der heutigen Herausforderungen in der Region dient.

Geipel betont, dass in Ostdeutschland eine spezifische Form von Geschichte existiert, die als „Zeitkontinuum“ betrachtet werden müsse. Nationalsozialismus, DDR-Diktatur und die Zeit nach der Wende seien in der ostdeutschen Gesellschaft ineinander übergegangen, ohne dass eine wirkliche Aufarbeitung stattgefunden habe. Diese historische Kontinuität erklärt für Geipel viel von der gegenwärtigen Lage, die von einem tiefen Unbehagen und einer verbreiteten Destruktivität geprägt ist. Die Menschen im Osten, so Geipel, hätten in vielerlei Hinsicht das Gefühl, nie wirklich die Gelegenheit bekommen zu haben, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und daraus eine eigene, stabile Identität zu entwickeln. Stattdessen sei der Osten oft auf eine Opferrolle reduziert worden – eine Erzählung, die sich nach der Wende festgesetzt habe und auf emotionalen, jedoch nicht immer realistischen Einschätzungen basiere.

Ein zentraler Punkt in Geipels Argumentation ist die Kritik an der unzureichenden gesellschaftlichen Aufarbeitung sowohl des Nationalsozialismus als auch der DDR-Diktatur. Diese beiden historischen Erfahrungen hätten den Osten tief geprägt, doch es fehle ein breit angelegter Diskurs über die Leidensgeschichten der Opfer. Für Geipel ist das eine gravierende Leerstelle, die es der Gesellschaft schwer macht, die heutige Situation im Osten zu verstehen. Die „Doppeldiktatur“ beschreibt die Überlappung zweier autoritärer Regime, deren Nachwirkungen sich bis heute bemerkbar machen. Ines Geipel sieht diese fehlende Aufarbeitung als einen wesentlichen Grund dafür, warum viele Ostdeutsche eine tiefe Skepsis gegenüber dem demokratischen System und westlichen politischen Eliten entwickelt haben.

Darüber hinaus dekonstruiert Geipel das sogenannte „Opfer-Osten“-Narrativ, das sich seit der Wende etabliert hat und dem Osten eine besondere Leidensgeschichte zuschreibt. Sie bezeichnet dieses Narrativ als eine Ansammlung von „hochemotionalen Falschzählungen“, die auf einer verzerrten Wahrnehmung der Geschichte beruhten. Ein Beispiel dafür seien die offenen Vermögensfragen, die für viele Ostdeutsche zu einem Symbol für Ungerechtigkeit und Ausbeutung durch den Westen geworden sind. Ebenso die Rolle der Treuhand, die in den Augen vieler als Instrument zur Plünderung ostdeutscher Wirtschaftssubstanz gesehen wird. Diese Mythen hätten zu einer tiefen Entfremdung zwischen Ost und West beigetragen und einen produktiven Dialog zwischen den beiden Landesteilen erschwert.

Geipel plädiert in diesem Zusammenhang für einen „neuen Deal“ zwischen Ost und West, der auf realistischen Einschätzungen basieren und die Erzählungen des „Opfer-Ostens“ hinter sich lassen solle. Sie fordert eine ehrliche Auseinandersetzung mit den tatsächlichen historischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und eine Abkehr von überholten Mythen und Fabeln. Nur so könne ein echter Dialog zwischen den Landesteilen entstehen, der nicht auf Vorwürfen und gegenseitigem Misstrauen basiere, sondern auf einem geteilten Verständnis der Vergangenheit und Gegenwart.

Ein weiteres zentrales Thema in Geipels Buch und Gespräch ist die Frage nach dem Glück und der Destruktion im Osten. Geipel beschreibt den Mauerfall als ein persönliches Glückserlebnis, betont jedoch gleichzeitig, dass sich im Osten eine zunehmend destruktive Grundstimmung breitgemacht habe. Diese Destruktivität gehe weit über einfache Wut hinaus, sie sei Ausdruck eines tiefen Hasses und einer echten Ablehnung des bestehenden politischen und gesellschaftlichen Systems. Für Geipel ist diese Entwicklung besorgniserregend, denn sie sieht in ihr das Potenzial für noch größere gesellschaftliche Spannungen und eine weitere Radikalisierung großer Teile der ostdeutschen Bevölkerung.

Ein wichtiger Faktor in dieser Entwicklung ist laut Geipel die Rolle des Westens. Sie kritisiert die Lethargie und Ratlosigkeit vieler westdeutscher Politiker und Intellektueller, die oft nicht bereit oder in der Lage seien, sich mit den spezifischen Problemen des Ostens auseinanderzusetzen. Der Westen habe lange Zeit die Auffassung vertreten, dass der Osten irgendwann von selbst „aufholen“ werde, ohne dass es einer aktiven Unterstützung bedürfe. Doch diese Haltung habe sich als falsch erwiesen, denn sie habe dazu geführt, dass viele Ostdeutsche sich von der gesamtdeutschen Gesellschaft ausgeschlossen fühlten. Geipel fordert daher ein Umdenken im Westen, der die Verantwortung für die gesamtdeutsche Einheit und die damit verbundenen Herausforderungen ernst nehmen müsse.

Ein weiterer Aspekt, den Geipel in ihrem Gespräch aufgreift, ist der Vergleich der 68er-Bewegung in Ost und West. Während die 68er im Westen zu einer Öffnung und Liberalisierung der Gesellschaft geführt hätten, sei die Bewegung im Osten gescheitert und habe zu einer noch stärkeren Repression geführt. Dieser unterschiedliche Verlauf der Geschichte habe auch nach der Wende Auswirkungen auf das Selbstverständnis der Menschen in beiden Landesteilen. Während im Westen die 68er-Revolte als Befreiungsbewegung gefeiert werde, sei sie im Osten mit Enttäuschung und Ernüchterung verbunden. Auch dies trage zur heutigen Entfremdung zwischen Ost und West bei.

Besonders kritisch sieht Geipel die fehlende Aufarbeitung der DDR-Diktatur im Westen. Sie beklagt, dass die Opfer der DDR-Diktatur in der westdeutschen Denkkultur kaum eine Rolle spielen. Es gebe wenig Wissen über die verschiedenen Opfergruppen und ihre Schicksale, was dazu führe, dass der Westen die historischen Erfahrungen der Ostdeutschen oft nicht nachvollziehen könne. Diese Unkenntnis trage dazu bei, dass viele Ostdeutsche das Gefühl hätten, ihre Geschichte werde im gesamtdeutschen Diskurs nicht angemessen berücksichtigt.

Geipel zieht aus ihrer Analyse mehrere Schlussfolgerungen. Sie sieht den Osten Deutschlands in einer fragilen Situation, in der sich Ratlosigkeit in Wut und Destruktivität entlädt. Die unzureichende Aufarbeitung der Diktaturgeschichte und die Dominanz des „Opfer-Osten“-Narrativs verhindern ihrer Meinung nach einen konstruktiven Dialog zwischen Ost und West. Doch auch der Westen trägt nach Geipels Ansicht eine Mitverantwortung für die aktuelle Lage. Er müsse sich endlich seiner Rolle im Prozess der Wiedervereinigung bewusst werden und Verantwortung für die ungelösten Probleme im Osten übernehmen.

Ein „neuer Deal“ zwischen Ost und West sei daher dringend notwendig, so Geipel. Dieser müsse auf Ehrlichkeit, Verständnis und Solidarität basieren. Nur durch einen offenen und ehrlichen Diskurs über die Geschichte und die aktuellen Probleme des Ostens könne die Kluft zwischen den Landesteilen überwunden werden. Dabei gehe es nicht nur darum, historische Wahrheiten ans Licht zu bringen, sondern auch darum, konkrete politische und gesellschaftliche Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation im Osten zu verbessern.

Als konkrete Handlungsempfehlungen schlägt Geipel vor, die ostdeutsche Zivilgesellschaft zu stärken und Initiativen zu fördern, die sich für Demokratie und Toleranz einsetzen. Zudem müsse das Wissen über die DDR-Diktatur und ihre Opfer insbesondere an die jüngere Generation vermittelt werden, um das historische Bewusstsein zu schärfen und Vorurteile abzubauen. Der Westen müsse schließlich Verantwortung übernehmen und Solidarität mit dem Osten zeigen, um eine nachhaltige Annäherung zu ermöglichen.

Ines Geipels Beitrag ist nicht nur eine Analyse der gegenwärtigen Lage im Osten Deutschlands, sondern auch ein leidenschaftlicher Appell für eine erneuerte gesamtdeutsche Solidarität. Sie fordert eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Problemen des Ostens und betont, dass nur durch einen neuen Dialog auf Augenhöhe die Spaltung zwischen Ost und West überwunden werden kann.

Heiraten in der DDR: Beziehungen und Ehevorbereitungen in den 1960er Jahren

0

Dieser „Prisma“-Beitrag (siehe Video oben) aus dem Jahr 1967 zeigt eindrucksvoll, wie in der DDR junge Paare das Heiraten und ihre gemeinsamen Perspektiven wahrnahmen. Der Beitrag stellt Paare vor, die sich im Standesamt Berlin-Treptow das Jawort geben. Dabei erzählen die zukünftigen Eheleute in getrennten Interviews über ihr Kennenlernen, ihre beruflichen Ziele sowie ihre Ansichten zu Ehe und Familie.

Das erste Paar, Heinz-Jürgen Strauß, ein Schlosser, und Ingrid Blau, eine Textiltechnikerin, lernte sich am Schwarzen Meer kennen. Ihr gemeinsamer Weg zeichnet sich durch gegenseitiges Verständnis und Unterstützung in der Weiterbildung aus. Sie betonen, dass sie sich über Jahre hinweg prüfen konnten, ob sie zueinander passen.

Das zweite Paar, Bernd Hermoneit und Brigitte Broschei, spricht über die Bedeutung von Vertrauen während der Armeezeit von Bernd. Trotz der dreijährigen Trennung war das Vertrauen in die Partnerschaft fest verankert. Auch finanzielle Aspekte spielten für die beiden keine Rolle – sie sparten getrennt für ihre gemeinsame Zukunft.

Veronika Eisler, eine Elektrotechnik-Studentin, und Fritz Würbach, Mathematiklehrer, bilden das dritte Paar. Ihre Beziehung basiert auf gegenseitigem Respekt und der Unterstützung ihrer beruflichen Ziele. Besonders Fritz ermutigt Veronika, ihr Studium fortzusetzen, und betont die Gleichberechtigung in der Ehe. Ihr gemeinsames Ziel ist es, eine Familie zu gründen, sobald Veronika ihr Studium abgeschlossen hat.

Der Beitrag beleuchtet, wie diese Paare ihre Beziehungen und Ehen in einem gesellschaftlichen Kontext gestalten, der von der DDR-Philosophie der Gleichberechtigung und dem Streben nach sozialem Fortschritt geprägt ist. Alle Paare äußern ihre Zuversicht, dass Standesunterschiede in ihrer Gesellschaft keine Rolle mehr spielen und betonen die persönliche Perspektive als Schlüssel für den gemeinsamen Lebensweg.

Das Mutter Teresa Hospiz: Ein neuer Ort für den Abschied in Heiligenstadt

0

Das Thema, das wir heute ansprechen, ist eines, das viele von uns oft meiden: das Ende des Lebens. In Heiligenstadt wurde vor kurzem ein neues Hospiz eröffnet, das den Namen Mutter Teresa trägt und in dem künftig 13 Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet werden sollen. Die Eröffnung dieses Hospizes ist sowohl ein Grund zur Freude als auch ein Anlass zur Trauer. Eduard Glatt, dessen Vater kürzlich im Mutter Teresa Hospiz verstorben ist, findet es schwer, darüber zu sprechen. Doch er hat auch einen Grund zur Dankbarkeit: Das Personal des Hospizes hat alles getan, um die letzten Tage seines Vaters so angenehm wie möglich zu gestalten.

Eduard beschreibt seine Erfahrungen im Hospiz: „Schöneres und Besseres haben wir uns gar nicht vorstellen können. Die Mitarbeiter und die Leitung waren immer für uns da, sie haben uns immer geholfen. Es ist echt unglaublich, das kann man nicht beschreiben. Wir sind so dankbar, dass es sowas hier gibt. Das ist wirklich ohne Worte, das ist echt schön.“ Diese Dankbarkeit ist ein zentraler Aspekt des Hospizkonzepts, das den Menschen eine würdige und respektvolle Begleitung auf ihrem letzten Weg bieten möchte.

Das Hospiz verfolgt einen integrativen Ansatz, bei dem es nicht nur um die medizinische Versorgung geht, sondern auch um die emotionale und psychologische Unterstützung der Patienten und ihrer Angehörigen. Es ist wichtig, dass Familien in der Sterbephase zusammenrücken, Konflikte beilegen und gemeinsam einen würdevollen Abschied nehmen können. Pflegeleitung und Mitarbeiter betonen, dass diese Momente einen Schatz darstellen, den niemand mehr nehmen kann. „Die Eltern oder die Angehörigen beim Sterben zu begleiten, das trägt man ein Leben lang im Herzen“, sagt die Pflegeleitung.

Das Hospiz wurde zentral in der Stadt angesiedelt, um den Zugang für alle zu erleichtern. Der zweigeschossige Neubau, dessen Design von dem renommierten Architekten Otmar Stadermann stammt, ist ein Symbol für Unendlichkeit. Mit lichtdurchfluteten Zimmern und liebevoll gestalteten Räumen schafft das Hospiz eine Atmosphäre der Ruhe und Entspannung. Diese Raumgestaltung soll den Patienten ein Gefühl von Heimat vermitteln und ihnen helfen, sich wohlzufühlen.

Die 13 Plätze im Hospiz stehen allen Menschen offen, unabhängig von ihrer Religion oder Herkunft. Dies ist eine Herausforderung, denn ein Hospiz unterscheidet sich grundlegend von einer Pflegeeinrichtung. Es ist ein Ort, an dem viele Schicksale aufeinandertreffen, und die Mitarbeiter sind sich der Verantwortung bewusst, die sie tragen. „Es ist auch für mich ein Gefühl der Dankbarkeit, und deshalb bin ich hierher gekommen, um gute Arbeit zu leisten“, sagt eine Mitarbeiterin.

Die Begleitung der Patienten und ihrer Familien endet nicht mit dem Tod, sondern geht darüber hinaus. Die Mitarbeiter ziehen aus den Erfahrungen, die sie sammeln, Kraft für die kommenden Herausforderungen. „Wir hoffen, dass alles gut geht und schöpfen Kraft für die nächsten, die kommen und denselben schweren Weg gehen müssen“, fügt sie hinzu.

In Anlehnung an die Namensgeberin des Hospizes, Mutter Teresa, wird die Philosophie des Hauses deutlich: „Für mich ist die größte Entfaltung menschlichen Lebens, in Frieden und Würde zu sterben, denn das ist Ewigkeit.“ Dieses Zitat verdeutlicht das Ziel des Hospizes, den Menschen in ihrer letzten Lebensphase die Würde und den Frieden zu schenken, den sie verdienen.

Die Eröffnung des Mutter Teresa Hospizes ist ein wichtiger Schritt in der Stadt Heiligenstadt, nicht nur für die Menschen, die dort begleitet werden, sondern auch für die Gemeinschaft als Ganzes. Es bietet einen Raum der Begegnung, des Trostes und der Hoffnung in einer der schwierigsten Phasen des Lebens. Die Erfahrungen von Eduard Glatt und den anderen Familien zeigen, dass die Arbeit des Hospizes weit über die medizinische Versorgung hinausgeht. Es ist ein Ort des Miteinanders, des Verständnisses und der Menschlichkeit, wo jeder Mensch in seiner Individualität respektiert wird.

Insgesamt ist das neue Hospiz in Heiligenstadt ein Zeichen des Wandels in der Wahrnehmung des Lebensendes und der Sterbebegleitung. Es trägt dazu bei, die Angst vor dem Unbekannten zu verringern und den Menschen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. In einer Zeit, in der der Tod oft tabuisiert wird, setzt dieses Hospiz ein Zeichen der Offenheit und des Respekts gegenüber den Bedürfnissen von Menschen am Lebensende und ihren Familien.

Einmalige Aufnahmen aus dem Weißenfels der 1950iger Jahre

0

Weißenfels, eine Stadt in Sachsen-Anhalt, hat eine reiche und vielfältige Geschichte, die sich besonders in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg widerspiegelt. Im Jahr 1950 befand sich die Stadt in einem Prozess des Wiederaufbaus und der Umgestaltung, geprägt von den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit.

Die Nachkriegsjahre
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war Weißenfels, wie viele andere deutsche Städte, stark zerstört. Die Zerstörungen des Krieges hinterließen viele Gebäude in einem ruinösen Zustand, und die Stadt musste sich mit den Herausforderungen des Wiederaufbaus auseinandersetzen. Die ersten Jahre nach dem Krieg waren von Hunger, Obdachlosigkeit und einem Mangel an grundlegenden Gütern geprägt. Die Bevölkerung kämpfte darum, die alltäglichen Bedürfnisse zu decken.

Im Jahr 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet, und die politischen Rahmenbedingungen änderten sich grundlegend. Die Stadt wurde Teil des sozialistischen Staates, was weitreichende Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft hatte. Die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) übernahm die Kontrolle über die politische Landschaft und begann, ihre Ideologie in verschiedenen Bereichen durchzusetzen.

Wirtschaft und Industrie
Die wirtschaftlichen Bedingungen in Weißenfels waren zu Beginn der 1950er Jahre schwierig. Viele der ehemaligen Betriebe und Industrien, die vor dem Krieg florierten, waren entweder zerstört oder nicht mehr funktionsfähig. Die Stadt war jedoch bestrebt, die Wirtschaft wieder aufzubauen. Der Fokus lag auf der Wiederbelebung der Industrie, und die lokalen Behörden arbeiteten daran, Fabriken und Produktionsstätten wieder in Betrieb zu nehmen.

Ein bedeutender Bereich der Industrie in Weißenfels war die Schuhindustrie. Die Stadt war bekannt für ihre Schuhproduktion, und es gab mehrere Unternehmen, die darauf spezialisiert waren, hochwertige Schuhe herzustellen. Die Produktionsstätten wurden nach dem Krieg schnell wieder in Betrieb genommen, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken und Arbeitsplätze zu schaffen. Darüber hinaus wurde auch die Textilindustrie gefördert, um die wirtschaftliche Basis der Stadt zu erweitern.

Soziale Aspekte
Im Jahr 1950 war die soziale Struktur in Weißenfels stark vom sozialistischen Gedankengut geprägt. Die neue Regierung setzte auf den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, die auf Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit basierte. Es wurden zahlreiche Programme ins Leben gerufen, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Bildung und Gesundheitsversorgung wurden als zentrale Anliegen betrachtet, und es wurden Anstrengungen unternommen, um den Zugang zu diesen Dienstleistungen zu erweitern.

Kulturelles Leben
Das kulturelle Leben in Weißenfels begann sich ebenfalls zu erholen. Trotz der politischen Einschränkungen gab es Bestrebungen, kulturelle Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten zu fördern. In den Schulen wurde ein umfassendes Bildungsangebot entwickelt, das sowohl akademische als auch praktische Fähigkeiten vermittelte. Sport und Gemeinschaftsveranstaltungen wurden gefördert, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und den Menschen ein Gefühl von Normalität zu geben.

Die Stadt hatte eine lange Tradition der Musik- und Theateraufführungen, die auch in den Nachkriegsjahren fortgesetzt wurde. Lokale Künstler und Musiker trugen zur kulturellen Bereicherung bei und schufen ein Gefühl der Gemeinschaft in schwierigen Zeiten.

Das Jahr 1950 war für Weißenfels eine Zeit des Wandels und der Erneuerung. Die Stadt musste sich den Herausforderungen des Wiederaufbaus stellen, während sie gleichzeitig die neuen politischen und sozialen Strukturen der DDR akzeptierte. Trotz der Schwierigkeiten gelang es der Stadt, ihre industrielle Basis wiederherzustellen und das soziale Leben zu revitalisieren. Die Erfahrungen dieser Jahre prägen bis heute die Identität von Weißenfels und zeigen, wie resilient eine Gemeinschaft sein kann, die sich den Widrigkeiten der Geschichte stellt.