Dessau fordert sofortige Vernichtung von Kampfgruppenwaffen unter Bürgerkontrolle

Dessau – In einer hitzigen Debatte fordert die Bevölkerung Dessaus, vertreten durch den lokalen Runden Tisch, die sofortige und transparente Vernichtung der Waffen der Kampfgruppen. Die Stimmung ist angespannt, da die lokalen Akteure, gestärkt durch regelmäßige Demonstrationen tausender Bürger, eine Gefahr unbedachter Handlungen sehen, falls die Vernichtung weiterhin verzögert wird. Während Dessau entschlossen vorangeht, werden Verzögerungen und Untätigkeit seitens des Rates des Bezirkes Halle und der Berliner Regierung kritisiert.

Die Bürger in Dessau betonen, dass die Bevölkerung die Waffen vernichtet sehen will. Diese seien „ausgesonderte Armeewaffen“ und nur noch der Verschrottung zuzuführen. Es handelt sich in Dessau um 1538 Handfeuerwaffen, darunter Maschinenpistolen, leichte Maschinengewehre, Pistolen und Panzerfäuste. DDR-weit werden die Bestände der Kampfgruppen auf 400.000 bis 500.000 Waffen geschätzt, zuzüglich der Waffen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit.

Zentrale Forderungen und Kritik aus Dessau:

• Dezentrale Aufbereitung: Die Bürger schlagen vor, die Waffen dezentral in einem kostenlosen Arbeitseinsatz unbrauchbar zu machen, um dem Staat erhebliche finanzielle Mittel und Arbeitszeit zu sparen.

• Trennung von Waffen und Munition: Dies sei bisher nur in Dessau geschehen und müsse sofort in allen VPKA’s (Volkspolizeikreisämtern) der DDR angeordnet werden, um eine große Gefahrenquelle zu eliminieren.

• Irreversible Unbrauchbarmachung: Die Kreise sollen die Aufgabe erhalten, die Waffen dezentral und unwiderruflich unbrauchbar zu machen, bevor sie zentral zur Verschrottung abgeführt werden.

• Ablehnung der „Kampftruppen der Arbeiterklasse“: Die Bezeichnung wird als irreführend abgelehnt; es seien „Kampftruppen der SED“ gewesen, da der Arbeiter von Hause aus ein friedliebender Mensch sei.

• Historische Belastung: Viele junge Menschen wurden in der Vergangenheit gezwungen, mit solchen Waffen auf Menschenscheiben zu schießen, was ihre Zukunft verbaut habe. Diese Waffen waren dazu gedacht, auf Menschenmassen gerichtet zu werden.

Die lokale Seite sieht die zögerliche Auflösung des MfS und die verschleppende Haltung der Regierung bei den Kampfgruppen als Vertrauensbruch. Die „Tiefgruppe der Magnetbandfabrik“ hatte diese Angelegenheit überhaupt erst ins Rollen gebracht.

Herausforderungen und Entscheidungen der zentralen Organe:
Ein Vertreter des Ministeriums für Innere Angelegenheiten, Generalmajor Simon, wurde beauftragt, gemeinsam mit dem Runden Tisch in Dessau eine Lösung zu finden. Die Regierung betonte zunächst, dass die Waffen zentralen Objekten zur Vernichtung zugeführt werden sollen. Es wurde auch der Bedarf für eine landesweite „Signallösung“ diskutiert, die alle Waffen unbrauchbar machen würde, wobei jedoch Unsicherheit bestand, ob dies von der Regierung und dem Zentralen Runden Tisch in Berlin gewünscht sei.

Die Sorge der zentralen Stellen galt auch der Möglichkeit, dass Teile der Waffen möglicherweise von der NVA und Volkspolizei benötigt werden könnten, weshalb ein symbolischer Beginn der Vernichtung vorgeschlagen wurde, anstatt alle Waffen sofort zu zerstören.

Kompromiss und Einigung in Dessau:

Nach intensiven Beratungen, an denen auch Vertreter des Ministeriums für Innere Angelegenheiten und der Arbeitsgruppe Sicherheit des Runden Tisches in Berlin (SPD) teilnahmen, konnte eine Einigung erzielt werden. Es wurde festgehalten:

• Sofortiger Abtransport: Die Waffen werden sofort unter Aufsicht des Runden Tisches nach Dessau-Altenburg abtransportiert.

• Unschädlichmachung aller Kampfgruppenwaffen: Es wurde die Zustimmung eingeholt, dass alle Waffen der Kampfgruppen unschädlich gemacht werden. Dabei handelt es sich ausdrücklich um die Kampfgruppenwaffen, nicht um die Bewaffnung der Volkspolizei.

• Präzisierung des Vernichtungsbeginns: Der genaue Zeitpunkt des Beginns der Vernichtung soll noch präzisiert werden, um Sicherheit zu gewährleisten.

Der Runde Tisch in Dessau hatte zuvor den Beschluss gefasst, die Waffen unter Bürgerkontrolle in einem NVA-Objekt in Altenburg unbrauchbar zu machen. Diese nun getroffene Übereinkunft spiegelt den dringlichen Wunsch der Bevölkerung nach Handeln und Transparenz wider. Es ist ein wichtiger Schritt zur Wahrung der Gewaltfreiheit und zur Beendigung eines Kapitels, in dem Waffen auf Menschenmassen gerichtet waren.

Die Realität der sowjetischen Truppenpräsenz in der DDR

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wer in bestimmten Regionen der DDR aufwuchs, für den gehörte das ferne Grollen der Übungsplätze oder das Vibrieren der Fensterscheiben beim Durchbruch der Schallmauer zum Alltag. Teaser: Eine halbe Million sowjetische Bürger lebten zeitweise in der DDR – und doch blieben sie für die meisten Menschen seltsam unsichtbar. Sie existierten in einer Parallelwelt hinter Mauern und Zäunen, in hermetisch abgeriegelten Garnisonsstädten wie Wünsdorf, wo die Uhren nach Moskauer Zeit gingen. Die offizielle Lesart sprach von unverbrüchlicher Freundschaft und Waffenbrüderschaft. Doch die Realität war oft eine pragmatische Zweckgemeinschaft. Man arrangierte sich. An den Zäunen der Kasernen blühte ein stiller Tauschhandel: Diesel gegen Jeans, Uniformteile gegen Unterhaltungselektronik. Es waren Begegnungen aus dem Mangel heraus, die oft mehr über die tatsächlichen Verhältnisse aussagten als die ritualisierten Festakte der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Dass diese massive militärische Präsenz, die über Jahrzehnte als Garantie der SED-Macht galt, am Ende tatenlos blieb, ist eine der entscheidenden Wendungen der Geschichte. Als die Panzer 1989 in den Kasernen blieben, endete eine Ära, die den Osten Deutschlands tief geprägt hat. Zurück blieben riesige Areale, ökologische Altlasten und eine ambivalente Erinnerung an Nachbarn, die man kaum kannte. Die verlassenen Liegenschaften erzählen heute noch schweigend von dieser Zeit. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Es ist eine der großen historischen Ironien, dass die DDR-Führung am Ende ausgerechnet die Zeitschrift ihres engsten Verbündeten verbot. Teaser: Das Verhältnis zwischen der DDR und der Sowjetunion war über vier Jahrzehnte ein komplexes Geflecht aus Abhängigkeit, Ausbeutung und strategischer Partnerschaft. Was als Besatzungsregime begann, das unter anderem durch den Uranabbau der Wismut enorme Ressourcen abzog, wandelte sich später zu einer wirtschaftlichen Symbiose. Das billige Erdöl aus dem Osten hielt die DDR-Industrie lange am Laufen, während ostdeutsche Maschinenbauprodukte in die UdSSR flossen. Doch als Michail Gorbatschow in Moskau Reformen einleitete, wurde der große Bruder für die alten Männer in Ost-Berlin plötzlich zum politischen Risiko. Die Schutzmacht, die 1953 den Aufstand noch niedergeschlagen hatte, entzog dem Regime 1989 die Unterstützung. Die Geschichte dieser Beziehung ist nicht nur eine Militärgeschichte, sondern eine Parabel über den Aufstieg und Fall eines ganzen politischen Systems. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Abzug der Westgruppe der Truppen war die größte friedliche Truppenverlegung der Geschichte. Teaser: Über Jahre rollten die Züge gen Osten, beladen mit Material, Menschen und der Erinnerung an fast ein halbes Jahrhundert Präsenz. Für die Soldaten war es oft kein triumphaler Heimweg, sondern eine Reise in die Ungewissheit eines zerfallenden Reiches. Was in Ostdeutschland blieb, waren nicht nur leere Kasernen und sanierungsbedürftige Böden, sondern auch das Bewusstsein, dass eine Ära unwiderruflich vorbei war. Die Spuren dieser Zeit verblassen langsam in der Landschaft.