Public Viewing verliert an Beliebtheit

Repräsentative Umfrage der Universität Hohenheim zu EM-Erwartungen, Vermarktung, Medienverhalten & sozialen Aspekten
Die EM als Medienereignis

Hohenheim. Public Viewing ist weniger beliebt als gedacht: Die Mehrheit der Deutschen will die Fußball-EM dieses Jahr lieber am privaten Fernseher verfolgen. Der Hauptgrund nicht ins Stadion zu gehen: Die Tickets sind den meisten zu teuer. Zu diesen Ergebnissen kommt die Fußball-EM-Studie unter der Leitung von Marketing-Experte Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 1.000 Personen in Deutschland zu den Themen sportliche Erwartungen, Sponsoring und Sport-Vermarktung, Medienwirksamkeit sowie sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Universität Hohenheim veröffentlicht die Ergebnisse in vier Teilen.

Über 70 Prozent der Deutschen wollen die Spiele der Fußballeuropameisterschaft der Herren in diesem Jahr vor dem heimischen Fernseher verfolgen. Ein Hauptgrund ist das generelle Preisniveau der EM-Tickets, das die Mehrheit der Befragten als zu hoch empfindet. Lediglich die Preise für Spiele der Gruppenphase werden größtenteils als angemessen eingestuft.

„Trotzdem möchte knapp ein Drittel aller EM-Interessierten nicht auf die gute Stimmung sowie das Gemeinschaftsgefühl verzichten und die Spiele beim Public Viewing verfolgen“, so Studienleiter Prof. Dr. Voeth vom Fachgebiet Marketing & Business Development an der Universität Hohenheim. Auf der anderen Seite verzichten darauf 20 Prozent der Befragten aufgrund von Terrorangst und 34 Prozent geben „zu viele Menschen“ als Grund an, nicht zum Public Viewing zu gehen. Beliebte Alternativen sind das private „Public Viewing“ im Freundes- und Bekanntenkreis und das Verfolgen der Spiele in der Kneipe oder Bar.

„Wenn es darum geht, EM-Themen während der Arbeitszeit zu verfolgen, ist im Vergleich zu den vorherigen Turnieren die Toleranz der Arbeitgeber deutlich höher“, sagt Co-Studienleiter Tom Huhnke. „Im Durchschnitt gehen Befragte davon aus, rund 24 Minuten ihres Arbeitstages für die EM-Themen zu nutzen.“

Tickets für Deutschland-Spiele am begehrtesten – auch auf dem Schwarzmarkt

Fast 14 Prozent der Befragten haben sich über das offizielle Ticketportal der UEFA für ein Ticket bei der EM 2024 beworben. Davon haben 45 Prozent auch ein Ticket erhalten. Rund 10 Prozent der Befragten geben an, weiterhin auf der Suche nach Tickets zu sein. „Dabei scheint es für sie keinen Unterschied zu machen, ob die Tickets über die UEFA-Plattform oder über den Schwarzmarkt verfügbar sind“, so Stjepan Jurisic, der ebenfalls an der Leitung der Studie beteiligt war.

Am begehrtesten sind die Tickets für die Deutschland-Spiele: Zwei Drittel der Interessierten wären bereit, ein solches Ticket auf dem Schwarzmarkt zu erwerben, und würden dafür im Schnitt rund 184 Euro bezahlen. Dabei variiert die individuelle Zahlungsbereitschaft von 10 Euro bis maximal 2.000 Euro pro Ticket. Für Spiele anderer Nationalmannschaften würden immerhin noch 28 Prozent der Befragten Tickets auf dem Schwarzmarkt kaufen.

EM-bezogene Werbeaktivitäten wieder deutlich positiver eingestuft

Stand bei der umstrittenen Winter-WM 2022 in Katar die deutsche Bevölkerung WM-bezogenen Werbeaktivitäten von Unternehmen skeptisch wie nie zuvor gegenüber, hat sich die Einstellung wieder gewandelt: Die EM 2024 in Deutschland wird als potenzielle Werbeplattform deutlich positiver wahrgenommen. Werbemaßnahmen sind daher präsenter und werden vorteilhafter eingeschätzt.

„Unsere Studie zeigt jedoch auch, dass Werbeaktivitäten im Rahmen von Fußball-Weltmeisterschaften bei der deutschen Bevölkerung meist nur einen kurzfristigen Effekt haben“, sagt Prof. Dr. Voeth. „So können sich nur knapp 10 Prozent der Befragten noch an viele Produkte erinnern, die zur WM 2022 beworben wurden.“

„Wenn überhaupt, dann bietet sich EM-bezogene Werbung nach wie vor besonders bei Sportartikeln an“, ergänzt Tom Huhnke. Das sehen auch 80 Prozent der Befragten so. Mit jeweils rund 53 Prozent Zustimmung eignet sich aus Konsumentensicht die EM aber auch für die Bewerbung von Softdrinks und Textilien. Als eher ungeeignet empfinden die Befragten die EM als Werbeplattform für Mund- und Zahnpflegeprodukte, Schreibwaren sowie Mineralöl.

Bastian Schweinsteiger Deutschlands beliebtester TV-Experte

So überrascht auch nicht die Antwort auf die Frage, wie gut Fußballspieler zu den beworbenen Marken passen, sagt Stjepan Jurisic: „In den Augen der Deutschen sind sowohl Serge Gnabry und Adidas als auch Leroy Sane und Nike nahezu ein ‚perfect match‘. Die Werbepartnerschaft zwischen Kevin Trapp und About You wird dagegen als eher unpassend empfunden.“

Die geeignetsten TV-Experten für EM-Berichterstattungen sind für die Deutschen das Weltmeistertrio Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und Christoph Kramer sowie Thomas Hitzlsperger. Auf einer Skala von 1 bis 6 erhielt der ehemalige Mannschaftskapitän den Bestwert von 4,8 Punkten. Auf dem zweiten Platz liegt Mertesacker mit 4,6 Punkten. Die beiden Ex-Nationalspieler Kramer sowie Hitzlsperger folgen mit jeweils 4,4 Punkten.

HINTERGRUND: EM-Studie 2024

„Football’s coming home! – Die Heim-EM 2024: Was denkt die deutsche Bevölkerung?“ lautet der Titel der EM-Studie 2024. Die Online-Umfrage unter 1.000 Teilnehmer:innen ist in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit bevölkerungsrepräsentativ. Durchgeführt wurde sie zwischen dem 1. Mai und 17. Mai 2024 vom Lehrstuhl für Marketing und Business Development der Universität Hohenheim sowie vom Lehrstuhl für Marketing der Universität Potsdam und dem Marktforschungsinstitut Dynata.

Das Fachgebiet von Prof. Dr. Markus Voeth begleitet die FIFA-Fußballweltmeisterschaften und UEFA-Fußballeuropameisterschaften der Männer seit 2001 mit regelmäßigen repräsentativen Bevölkerungsbefragungen. Schwerpunkte sind Themen wie Begeisterung, Pläne und Fanverhalten der Bevölkerung, ergänzt durch wechselnde Sonderschwerpunkte wie beispielsweise politische oder soziale Themen rund um die sportlichen Großereignisse. Einzel- und Langzeitstudien sollen einerseits Stimmungsindikatoren, andererseits auch konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation sein.


Weitere Informationen finden Sie unter
„Teil 1: Deutsche Fans glauben an Titelgewinn der Nationalelf“
„Teil 2: Kauflust der deutschen Fans gestiegen“

Dreharbeiten auf der J.G. Fichte: Die Entstehung der DDR-Serie „Zur See“

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Bilder, die sich im kollektiven Gedächtnis festsetzen, und doch erzählt das, was hinter der Kamera geschah, eine ganz eigene Geschichte. Teaser: Wer an die Serie „Zur See“ denkt, hat oft die eingängige Melodie im Ohr und die Gesichter von Horst Drinda oder Günter Naumann vor Augen. Doch die Realität der Dreharbeiten im Jahr 1974 auf dem Frachter „J.G. Fichte“ hatte wenig mit der Romantik zu tun, die später über die Bildschirme flimmerte. Die Bedingungen an Bord waren hart, geprägt von Hitze, Lärm und der Enge eines Schiffes, das seine besten Tage längst hinter sich hatte. Die Entscheidung für dieses alte Schiff war keine künstlerische, sondern eine rein pragmatische. Moderne Schiffe der DDR-Handelsflotte boten schlicht keinen Raum für ein Filmteam. So fand sich die prominente Riege der DDR-Schauspieler in einer Situation wieder, die keinen Rückzug erlaubte. Sie lebten Tür an Tür mit der echten Besatzung, teilten den begrenzten Komfort und die langen Abende auf See. Aus dieser Zwangsgemeinschaft entstand eine Atmosphäre, die sich wohl kaum künstlich herstellen ließ. Bemerkenswert ist, wie sehr der politische Arm des Staates auch auf den Weltmeeren präsent blieb. Die Angst vor Republikflucht bestimmte die Auswahl des Personals ebenso wie die Reiseroute. Selbst bei technischen Pannen im „kapitalistischen Ausland“ blieb der Bewegungsradius der Crew strikt reglementiert. Die Serie sollte Weltläufigkeit zeigen, entstand aber unter den Bedingungen strenger innerer Kontrolle. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus realer harter Arbeit, politischer Begrenzung und der großen Sehnsucht nach der Ferne, die den Kern dieser Produktion ausmachte. Die Zuschauer spürten, dass hier nicht nur Theater gespielt wurde. Die Arbeit an den Maschinen, der Umgang mit der Fracht – vieles davon entsprach den tatsächlichen Abläufen an Bord eines DSR-Frachters. Es bleibt das Dokument einer Zeit, in der die Grenzen eng waren, der Blick aber dennoch nach draußen ging. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Produktion der erfolgreichsten DDR-Fernsehserie war weit mehr als ein logistischer Kraftakt auf hoher See. Teaser: Als 1974 die Dreharbeiten zu „Zur See“ begannen, traf der kulturelle Auftrag des DDR-Fernsehens auf die nüchterne Realität der Schifffahrt. Die Serie sollte den Alltag der Handelsmarine glorifizieren und gleichzeitig das Fernweh der Bevölkerung stillen. Doch schon die Wahl des Drehortes zeigte die Grenzen auf: Statt eines modernen Vorzeige-Schiffes diente ein alter Truppentransporter als Kulisse, weil nur dort genug Platz für das Filmteam war. Die politischen Rahmenbedingungen waren ebenso eng wie die Kabinen. Die Stasi überprüfte jeden Beteiligten, die Reiseroute mied westliche Häfen, und selbst der Kontakt zum „Klassenfeind“ wurde administrativ unterbunden. Dennoch – oder gerade deshalb – entwickelte die Serie eine Authentizität, die bis heute nachwirkt. Die Geschichten basierten oft auf realen Logbucheinträgen, und die Schauspieler verschmolzen über Wochen mit der echten Besatzung. Interessanterweise lieferte dieses ostdeutsche Format, das die harte Arbeit in den Mittelpunkt stellte, die Blaupause für das westdeutsche „Traumschiff“. Während dort jedoch der Luxus regierte, blieb „Zur See“ ein Abbild der DDR-Gesellschaft: Man improvisierte, arbeitete hart und träumte sich für die Dauer einer Fernsehfolge in eine andere Welt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer in der DDR zur See fuhr, besaß ein Privileg, das Millionen anderen verwehrt blieb. Teaser: Die Serie „Zur See“ bediente dieses Privileg visuell, während die Produktion selbst den Restriktionen des Landes unterworfen blieb. Die Schauspieler auf der „J.G. Fichte“ erlebten eine Freiheit zweiter Klasse: Sie waren unterwegs und doch eingesperrt, kontrolliert von politischen Vorgaben, die selbst auf dem Atlantik nicht endeten. Dass die Serie dennoch zum Straßenfeger wurde, lag an der Projektionsfläche, die sie bot. Sie zeigte eine Welt, in der ostdeutsche Tugenden global bestanden, auch wenn die Realität an Bord oft aus Rost, Schweiß und strenger Überwachung bestand. Es war der Versuch, die Weite zu inszenieren, ohne die eigenen Grenzen zu verlassen.