Die Geburt der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands

Berlin – In einem beispiellosen Akt der Einigkeit schmiedeten Sozialdemokraten und Kommunisten im Frühjahr 1946 die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Diese Vereinigung, getragen von der Überzeugung, dass „nur die Einheit stark macht“, markierte einen Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands und wurde als „Akt der inneren Reinigung und inneren politischen Wiedergutmachung“ gefeiert.

Die Wurzeln dieser Bewegung reichen tief in die Geschichte der Arbeiterbewegung zurück. Bereits in Gotha, der Geburtsstätte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und Schauplatz des berühmten Einigungskongresses im Mai 1875, spürte man den Ruf nach Einheit.

Veteranen wie Otto Geitner von der KPD und die Sozialdemokratin Mathilde Möhring, persönliche Freunde von August Bebel und Friedrich Engels, berichteten von den damaligen Bemühungen. Zahlreiche Männer und Frauen, die an den Vorbereitungen der Vereinigung von SPD und KPD in Gotha beteiligt waren, hatten wie der alte Genosse Geitner politische Verfolgung erlitten und erkannten, dass die Einheit der Weg ist. Einstimmig wurde in Gotha nach den Vorträgen von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl die Einheit der beiden Parteien für Thüringen beschlossen.

Der Gedanke der Einigung, der einst aus dem gemeinsamen Leid in Kerkern geboren wurde, zündete in der wieder aufblühenden Industriestadt Gotha mit mächtiger Kraft. Überall in den Städten und auf dem Land wuchs der Einheitsgedanke.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern entsandten Vertreter aus Stadt und Land Delegierte zur Vereinigung der Kräfte, die sich der großen Verantwortung für die Ernährung des Volkes bewusst waren. Einhellig wurden auch hier Beschlüsse gefasst, und Schwerin gestaltete inmitten seiner historischen Bauten die Geschichte eines neuen demokratischen Deutschlands mit.

In Sachsen, insbesondere in Dresden, wo der Krieg tiefe Wunden hinterlassen hatte, begann die Stadt mit bewundernswertem Eifer ihr neues Leben. Gemeinsame Arbeit und Hoffnung führten auch hier zum gemeinsamen politischen Weg. Am 6. April fand der letzte Landestag der KPD Sachsen statt, wo Hermann Matern und Wilhelm Koenen den entscheidenden Schritt zur Verschmelzung beider Arbeiterparteien vorschlugen. Die Delegierten stimmten wie ein Mann für die Einheit. Zur gleichen Stunde trafen sich in Dresden die Delegierten der SPD zur entscheidenden Landeskonferenz. Max Fechner betonte in seiner richtungsweisenden Rede, dass nur die geeinte deutsche Arbeiterbewegung die sichere Gewähr biete, dass in Deutschland die Mächte des Kapitals und des Militarismus nicht wieder zur politischen Herrschaft gelangen könnten. Otto Buchwitz, ein alter Vorkämpfer des Vereinigungsgedankens, sprach zum letzten Mal für die Sozialdemokratie Sachsens. Insgesamt vertraten 1250 Delegierte nicht weniger als eine halbe Million Parteimitglieder. Am Folgetag versammelten sich über 70.000 Menschen vor dem Opernhaus in Dresden, um diesen geschichtlichen Augenblick mitzuerleben, bewegt von den Worten „Lassen wir endlich das Wirklichkeit werden, was wir jahrelang getrennt gesungen haben: Brüder in eins nun die Hände!“.

In Berlin, wo die Gegensätze am stärksten aufeinanderprallten, versuchten Reaktionäre durch Lügen und Gerüchte von Zwang und Gewalt die demokratische und sozialistische Entwicklung zu behindern. Doch die Werktätigen versammelten sich in machtvollen Kundgebungen. Deutsches Theater, Varieté Palast und Staatsoper wurden zu Schauplätzen eindrucksvoller Versammlungen. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Frauen, die das Gebot der Stunde erkannten: Elli Schmidt und Käthe Kern sprachen als führende Mitglieder des zentralen Frauenausschusses zu Tausenden parteiloser Frauen und Parteimitglieder. Eine unvergessliche Demonstration gegen den Geist der Uneinigkeit fand im Straßenbahnhof Charlottenburg statt, wo Grotewohl und Pieck begeisternde Reden hielten und die Gefahr einer erneuten Spaltung klar benannten.

Der SPD-Bezirkstag im Schiffbauerdammtheater in Berlin war ein weiterer Meilenstein. Max Fechner begrüßte die Delegierten als „Vertrauensmänner der Mitgliedschaft“ und betonte die Notwendigkeit, die Demokratie als Staatsform fest zu verankern und die Sache des Sozialismus voranzutreiben. Otto Grotewohl überbrachte die Grüße und Wünsche der Einheitspartei aus den anderen Bundesländern und richtete den Blick auf Berlin: „Wir haben das Werk vollbracht, wir haben die Einheit geschlossen und wir blicken nun mehr auf euch Genossen in Berlin“.

Am Deutschen Theater trat die KPD zu ihrer Berliner Bezirkskonferenz zusammen, die den Abschluss einer großen Epoche bildete. Hermann Matern eröffnete die Ansprachen. Alle Delegierten stimmten für die Verschmelzung der KPD mit der SPD. Gleichzeitig fand der SPD-Parteitag statt, von dem Max Fechner als Gast kam und die mit Jubel aufgenommene Botschaft überbrachte, dass auch die sozialdemokratische Konferenz die Verschmelzung der beiden Arbeiterparteien beschlossen habe. Damit war die entscheidende Voraussetzung für einen hoffnungsvollen Beginn der deutschen Arbeiterbewegung erreicht.

Auf dem Gründungsparteitag der Sozialistischen Einheitspartei in Berlin erklang die Botschaft: „Wir gehen ineinander auf und schließen uns zu einer Einheit zusammen, die Höheres und Besseres schaffen soll“. Nach einer Abstimmung, die die Einheit in Berlin bestätigte, wurde die Einheit geschmiedet. Auf den Trümmern des Krieges entsteht in gemeinsamer Arbeit eine neue Welt. „Möge die Saat der Einheit gedeihen und uns tausendfältige Frucht bringen“.

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Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf
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