Journalismus im Strudel der digitalen Krise: Zwischen Klickzwang und Relevanzverlust

In Zeiten digitaler Dauerbeschallung stehen weder Demokratien noch der Journalismus gut da. Im „Streitraum“ der Berliner Schaubühne entwarfen die Journalistin Caroline Emcke und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen ein beunruhigendes Bild: Kuriose Klickwunder verdrängen existenzielle Themen, Plattform‑Oligarchen steuern Debatten, und klassische Medienhäuser sind ökonomisch am Rande des Abgrunds.

„Der Tintenfisch regiert“
Pörksen, der im Redaktionsalltag von Spiegel Online Einblick hatte, beschreibt das „Radarsystem“, mit dem Klickzahlen Wort für Wort in Echtzeit gemessen werden. „Der Tintenfisch“ – eine Metapher für skurrile Geschichten vom Riesentintenfisch bis zur aggressiven Riesenschildkröte – trete regelmäßig als Klick‑Champion gegen Analysen zu Gaza, Klimakrise oder anderen Schicksalsfragen an. Emcke warnt: „Wenn Relevanz dem Diktat der ‚Interessantheit‘ weicht, verarmen Öffentlichkeit und Demokratie.“

Werbemärkte weg, Abo‑Diktatur droht
Der ökonomische Befund liest sich verheerend: Google, Meta und Amazon vereinen über 50 % der weltweiten Werbeeinnahmen auf sich, klassische Verlage dümpeln unter einem Prozent. Pörksen spricht von einem „Verspätungsdilemma“: Ohne Anzeigen müssen Redaktionen auf Abonnenten zielen – mit der Gefahr einer „Diktatur der Themensetzung“ durch zahlende Leser. Emcke erkennt dennoch Lichtblicke: Bezahlschranken ermöglichen fundierte Analysen, die durchaus Abos generieren können – wenn das Publikum bereit ist, Qualität zu bezahlen.

Refeudalisierung des Diskurses
Die versprochene Demokratisierung des digitalen Raums bleibt brüchig. „Mehr Stimmen, aber weniger Machtkontrolle“, fasst Pörksen zusammen und prangert eine „Vermachtung“ durch wenige Oligarchen wie Elon Musk oder Rupert Murdoch an. Die Folge: gezielte Desinformation, asymmetrische Wahrheitskriege und eine wachsende „Skandalimmunität“, gegen die Enthüllungen kaum noch ankommen.

Schnelligkeit statt Tiefe
Emcke kritisiert den „kommentierenden Sofortismus“: Brexit und Trump‑Wahl lehrten, dass hektische Deutungen und „Deutungshysterie“ Desinformation oft keine ernsthafte Reflexion folgen lassen. Pörksen ergänzt: In asymmetrischen Wahrheitskriegen nütze auch radikale Offenlegung wenig, wenn Leser längst immun gegen Skandale sind.

Tabu Ernsthaftigkeit
Besonders scharf verurteilt Emcke das Pro‑und‑Kontra‑Format, das komplexe Fragen auf zwei gleichwertige Positionen zwinge und damit eine falsche Gleichwertigkeit suggeriere. Pörksen stimmt zu, relativiert aber: Kontroverse sei situativ wertvoll, dürfe jedoch nicht in feindselige Spektakel umschlagen.

Konkretion als Schlüssel
Am Beispiel des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule erklärt Pörksen die „wissende Ignoranz“: Unrecht wird zwar erkannt, aber verdrängt. Erst die „schmerzhafte Konkretion“ – das Detail – breche Abwehrmechanismen. Emcke fordert eine „engagierte Objektivität“, die moralische Klarheit mit radikaler Wahrheitsorientierung verbindet.

Wege aus der Krise

Mehr Zeit: Wahrheit braucht Muße, nicht die Schnellfeuer-Presse.
Prebanking: Proaktives Impfen gegen erwartbare Lügen.
Diversität: Unterschiedliche Perspektiven gegen Wahrnehmungsverzerrung.
Medienbildung & Solidarität: Abos und kritische Öffentlichkeit stärken.
Regulierung: Transparenzpflichten für Algorithmen, punktuelle Broadcast‑Bans als letzte Instanz.
Redaktionelle Gesellschaft: Journalistische Grundprinzipien als gesamtgesellschaftliche Ethik.

Trotz aller Warnungen schließt Pörksen mit einem Appell: „Pessimismus ist Zeitverschwendung.“ Die digitale Kommunikationsrevolution könne nur mit entschiedener normativer Antwort offener Gesellschaften bewältigt werden. Ob Politik, Plattformen oder Publikum seine Mahnungen ernst nehmen, entscheidet, ob Qualitätsjournalismus und Demokratie eine Zukunft haben.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit – Eine Analyse der gesellschaftlichen Widersprüche in der DDR

https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid02E46JT9j9HM8fVfnsN3EnqrBSbjP9Q4VtbtUk9QvXERkH8RhvUwUCp13kTc2xngqwl OUTPUT-FORMAT (zwingend einhalten) - FB Teaser 300-450:  ÜBERSCHRIFT: Diskrepanzen zwischen staatlichem Anspruch und Alltag in der DDR HOOK: Hinter der Fassade der sozialistischen Vollversorgung verbarg sich in der DDR oft eine Realität, die von Mangel und Improvisation geprägt war. Historische Analysen zeigen, wie tief die Widersprüche in die Gesellschaft hineinreichten. TEXT: Die DDR-Gesellschaft war durch ein duales System geprägt: Offiziell galt das Kollektiv und die Planwirtschaft, inoffiziell hielt ein grauer Markt aus Tauschgeschäften und Westgeld das System am Laufen. Während der Staat Umweltschutz in der Verfassung verankerte, wurden Industriegebiete wie Bitterfeld rücksichtslos ausgebeutet. Diese Kluft zwischen Propaganda und der Lebenswirklichkeit der Bürger, sei es in der Wirtschaft oder Ökologie, trug maßgeblich zur inneren Aushöhlung des Staates bei. OUTPUT-FORMAT (zwingend einhalten) - FB Teaser 700-900:  ÜBERSCHRIFT: Die verborgenen Mechanismen von Mangel, Macht und Umwelt in der DDR HOOK: Die Geschichte der DDR ist auch eine Geschichte der Geheimnisse, die der Staat vor seinen eigenen Bürgern zu bewahren versuchte. Von der Umweltzerstörung bis hin zu gescheiterten Wirtschaftsreformen offenbart sich ein System, das permanent gegen die eigene Realität ankämpfte. TEXT: Ein Blick auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen der DDR zeigt, dass der Mangel nicht nur ein temporäres Problem, sondern ein ständiger Begleiter war. Um diesen zu kompensieren, entstanden parallele Ökonomien, in denen Beziehungen und Westwährung oft wichtiger waren als die offizielle Währung. Besonders drastisch zeigte sich die staatliche Geheimhaltungspolitik im Bereich der Umwelt: Die massiven Verschmutzungen im Chemiedreieck Bitterfeld wurden ignoriert, Gesundheitsdaten unter Verschluss gehalten. Gleichzeitig verhinderte die politische Führung notwendige Innovationen, wie etwa in der Automobilindustrie, wo fertige Nachfolgemodelle für den Trabant blockiert wurden. Stattdessen arrangierte man sich durch Geschäfte mit dem Westen. Auch der Mythos der sozialen Gleichheit hielt der Realität nicht stand, wie die Existenz privater Millionäre oder die Privilegien der Nomenklatura belegen. Diese interne Doppelmoral untergrub langfristig die Loyalität der Bevölkerung.

Blut an der Strumpfhose – Der hohe Preis der DDR-Billigware

A) PROFIL AP: Der Blick auf die deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte offenbart oft pragmatische Verflechtungen, die im Alltag der damaligen Zeit kaum sichtbar waren. Konsumenten erwarben Möbel oder Kleidung im niedrigen Preissegment, ohne die Herkunft der Waren im Detail zu hinterfragen oder die Produktionsbedingungen in der DDR zu kennen. Es war ein Handel, der auf einer klaren ökonomischen Logik basierte: Devisen gegen günstige Produkte. Für die Menschen, die in den Haftanstalten der DDR, wie etwa in Hoheneck, an der Herstellung dieser Güter beteiligt waren, stellt sich die Situation gänzlich anders dar. Ihre Biografien sind eng mit den Produkten verknüpft, die im Westen als Schnäppchen galten. Die Berichte von Zeitzeugen über die Arbeitsnormen und den Druck in den Fabriken innerhalb der Gefängnismauern zeichnen ein Bild, das im Kontrast zur bunten Werbewelt der westdeutschen Prospekte steht. Die heutige Auseinandersetzung mit diesem Thema zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen mit ihrer eigenen Vergangenheit umgehen. Während einige Konzerne den Dialog suchen und Verantwortung übernehmen, ziehen sich andere auf juristische Positionen zurück. Für die Betroffenen ist diese Haltung oft schwer verständlich, da die Anerkennung des Erlebten eine wichtige Rolle im Verarbeitungsprozess spielt. Die Geschichte der deutsch-deutschen Ökonomie ist somit nicht nur eine Geschichte von Zahlen und Verträgen, sondern auch eine von individuellen Schicksalen, die bis in die Gegenwart hineinwirken. Das Schweigen mancher Akteure überdauert die politische Wende. B) SEITE AP: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR waren dichter, als es die politische Rhetorik des Kalten Krieges oft vermuten ließ. Ein wesentlicher Aspekt dieser Beziehungen war die sogenannte Gestattungsproduktion, bei der westdeutsche Unternehmen in der DDR fertigen ließen. Dies geschah nicht selten unter Einbeziehung von Häftlingen in Strafvollzugsanstalten. Organisiert durch die Kommerzielle Koordinierung und das Ministerium für Staatssicherheit, entstand ein System, von dem schätzungsweise 6.000 westliche Firmen profitierten. Das Ziel war rein ökonomisch: Die DDR benötigte dringend konvertierbare Währung, westdeutsche Handelsketten und Versandhäuser suchten nach Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die Bedingungen, unter denen die Häftlinge arbeiteten, spielten in den Geschäftsbeziehungen meist keine dokumentierte Rolle. In der aktuellen Debatte um Unternehmensverantwortung wird deutlich, dass dieses Kapitel noch nicht geschlossen ist. Der unterschiedliche Umgang der beteiligten Firmen mit ihrer Historie – von der Einrichtung von Entschädigungsfonds bis hin zur strikten Ablehnung jeglicher Verantwortung – prägt die Diskussion. Historische Aufarbeitung erweist sich hier als ein langwieriger Prozess, der über die reine Akteneinsicht hinausgeht. C) SEITE JP: Die Produktion von Konsumgütern für den westdeutschen Markt in DDR-Gefängnissen ist ein historisches Faktum, das lange Zeit wenig Beachtung fand. Um Devisen zu erwirtschaften, setzte die DDR-Führung gezielt Häftlinge ein, um Lieferverträge mit westlichen Konzernen zu erfüllen. Betroffene berichten von hohem Arbeitsdruck und gesundheitlichen Folgen, während die Produkte in westdeutschen Regalen landeten. Die Reaktionen der heute noch existierenden Unternehmen auf diese Vergangenheit variieren stark. Während Schritte wie die Einrichtung von Härtefallfonds als positive Beispiele der Aufarbeitung gelten, verweisen andere Firmen auf Verjährung oder fehlende direkte Zuständigkeit. Diese Diskrepanz zwischen historischer Realität und unternehmerischer Aufarbeitung belastet das Verhältnis zwischen den ehemaligen Opfern und den profitierenden Strukturen bis heute. Die Geschichte zeigt, dass ökonomische Entscheidungen auch Jahrzehnte später noch eine moralische Dimension besitzen.