Am 12. November 2024 feierte das Evelyn Richter Archiv sein 15-jähriges Bestehen. Gegründet wurde es 2009 durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung in Kooperation mit dem Museum der Bildenden Künste Leipzig. Das Archiv bewahrt und erforscht das umfangreiche Werk der renommierten Fotografin Evelyn Richter und bietet mit über 1.000 Motiven tiefe Einblicke in ihr künstlerisches Konzept und ihre dokumentarische Arbeitsweise.
Das Archiv folgt den musealen Prinzipien des Sammelns, Bewahrens, Erforschens und Vermittelns. 2016 wurde es durch das Ursula Arnold Archiv erweitert, das in enger Zusammenarbeit mit Andreas Arnold, dem Sohn der Fotografin, aufgebaut wurde. Diese Erweiterung ermöglichte es, eine weitere bedeutende Position der ostdeutschen dokumentarisch-künstlerischen Fotografie dauerhaft zu sichern.
Die Geschichte des Archivs ist eng mit Evelyn Richter selbst verknüpft. Bereits 2001 begann die Zusammenarbeit mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, als Richter finanzielle Unterstützung für eine Ausstellung in den USA suchte. Daraus entwickelte sich ein langjähriger Austausch, der schließlich zur Einrichtung des Archivs führte.
Richters Werk zeichnet sich durch ihre sensible, dokumentarische Bildsprache aus, die Alltagsmomente einfängt und damit ein authentisches Bild des Lebens in der DDR vermittelt. Ihre Fotografien sind von hoher künstlerischer Qualität und zeigen sowohl gesellschaftliche Umbrüche als auch individuelle Schicksale. Besonders prägend war ihre erste große Retrospektive 2005 im Museum der Bildenden Künste Leipzig, die ihren Stellenwert in der Kunstwelt festigte.
Auch Ursula Arnolds Werk hat eine bedeutende Position innerhalb der ostdeutschen Fotografie. Ihre Bilder hinterfragen festgefahrene Perspektiven und dokumentieren den Alltag auf eine unaufdringliche, aber ausdrucksstarke Weise. So zeigt eines ihrer bekanntesten Werke aus dem Jahr 1989 die Berliner Mauer aus westlicher Sicht – ein seltener, reflektierter Blick auf die Teilung Deutschlands.
Das Archiv ist nicht nur eine Sammlung, sondern ein lebendiger Ort der Forschung und Vermittlung. Es ermöglicht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie der Öffentlichkeit, sich mit den Werken der beiden Fotografinnen auseinanderzusetzen.
Mit zunehmender zeitlicher Distanz zur DDR gewinnt die Auseinandersetzung mit diesen Fotografien an Bedeutung. Sie bieten einen authentischen Einblick in die Gesellschaft jener Zeit und zeigen gleichzeitig die hohe künstlerische Qualität der ostdeutschen Fotografie. Ziel ist es, das Erbe von Evelyn Richter und Ursula Arnold dauerhaft zu bewahren, zu erschließen und sichtbar zu machen.
Die Arbeit des Archivs ist eine Herausforderung, aber auch eine wertvolle Aufgabe, die Geschichte erlebbar macht. Dank der Unterstützung von Institutionen wie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung wird dieses kulturelle Erbe bewahrt und weiter erforscht – eine Erfolgsgeschichte, die weit über die vergangenen 15 Jahre hinausreichen soll.