Der polytechnische Unterricht in den Schulen der DDR

0:00 Einführung in die sozialistische Produktion im polytechnischen Unterricht im VEB Waschgeräte-Werk
5:00 Unterricht im 10. Schuljahr in einem Musterkombinat
5:37 Vorbereitung der Gleichstellung von Mann und Frau im Berufsleben schon im Schulleben
6:00 Kartoffelvollerntemaschine 675/1 der Landmaschine VEB Neustadt im Bezirk Sebnitz 9:04 Landwirtschaftsunterricht an einer Schule in Milkau, Kreis Rochlitz
10:36 Polytechnisches Zentrum der LPG „Sepp Wenig“ in Grünhain
12:18 Wenig Interesse bei der Jugend für landwirtschaftliche Berufe
13:24 Volksbildungsministerium in Ost-Berlin
13:30 Vergleich Schullaufbahnen und Lehrpläne in West- und Ostdeutschland
17:57 Ideologisch-gefärbter Geschichtsunterricht an der erweiterten Oberschule Friedrich-Engels
20:40 Schulsport und Spitzensport
21:30 Station junger Techniker und Naturforscher
22:44 Palucca Ballettschule in Dresden
26:25 Zugehörigkeit zu staatlichen Jugendorganisation vs. kirchlicher Glaubensgemeinschaft
27:50 Gespräche mit Jugendlichen in Kerzendorf bei Potsdam und vor den Kinos in Greifswald, Halle, Luckenwalde und Karl-Marx-Stadt

Der polytechnische Unterricht in den Schulen der DDR war ein zentrales Element des sozialistischen Bildungssystems und diente dazu, Schüler umfassend auf das Leben in einer sozialistischen Gesellschaft vorzubereiten. Ziel war es, die Verbindung von Theorie und Praxis zu fördern und den Schülern praktische Fertigkeiten sowie technisches Wissen zu vermitteln. Dieser Unterricht fand ab der 7. Klasse statt und erstreckte sich über alle Schuljahre bis zum Abschluss.

Ein wichtiger Bestandteil des polytechnischen Unterrichts war der „Produktive Arbeitstag“ (PA), an dem Schüler einmal wöchentlich in Betrieben oder Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) praktische Tätigkeiten ausübten. Diese Aktivitäten sollten den Schülern ein Verständnis für die Arbeitswelt vermitteln und sie auf ihre zukünftige berufliche Laufbahn vorbereiten. Die praktische Arbeit umfasste verschiedene Bereiche, von handwerklichen Tätigkeiten bis hin zur Mitarbeit in Industriebetrieben.

Neben dem PA gehörten auch technische und berufskundliche Fächer zum polytechnischen Unterricht. Hier lernten die Schüler Grundlagen der Elektrotechnik, Metallbearbeitung, Holzverarbeitung und weiterer technischer Disziplinen. Diese Fächer sollten nicht nur technisches Wissen vermitteln, sondern auch das Interesse der Schüler an technischen Berufen wecken und ihre Fähigkeiten in diesen Bereichen fördern.

Der polytechnische Unterricht war auch eng mit der ideologischen Erziehung verknüpft. Die Schüler sollten die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit und die Prinzipien des Sozialismus verstehen. Dies wurde durch den Unterricht in Staatsbürgerkunde und Marxismus-Leninismus unterstützt, der parallel zum polytechnischen Unterricht stattfand.

In den Schulen gab es spezielle Werkstätten und Labore, die für den polytechnischen Unterricht ausgestattet waren. Diese Einrichtungen ermöglichten es den Schülern, praktische Erfahrungen zu sammeln und theoretisches Wissen direkt anzuwenden. Lehrer, die den polytechnischen Unterricht durchführten, wurden speziell dafür ausgebildet und hatten oft eine technische oder handwerkliche Ausbildung.

Die Integration des polytechnischen Unterrichts in das Bildungssystem der DDR hatte das Ziel, eine umfassend gebildete und technisch versierte Generation heranzuziehen, die den Anforderungen der sozialistischen Gesellschaft gerecht werden konnte. Diese Bildungsstrategie war Teil der sozialistischen Gesamtplanung und spiegelte die Bedeutung wider, die der Arbeiterklasse und der technischen Entwicklung in der DDR beigemessen wurde.

Mit dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde der polytechnische Unterricht abgeschafft. Die Schulen in den neuen Bundesländern übernahmen das westdeutsche Bildungssystem, das weniger stark auf die Verbindung von Theorie und Praxis und mehr auf allgemeinbildende Fächer fokussiert war. Die Werkstätten und Labore wurden größtenteils geschlossen oder umfunktioniert, und der Unterricht konzentrierte sich fortan auf ein breiteres Spektrum an Fächern, ohne den spezifischen Fokus auf technische und praktische Bildung.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl