Die Stasi war mehr als Erich Mielke

Wer an die Stasi denkt, denkt häufig zuerst an Erich Mielke. Doch ein Minister allein konnte keinen Überwachungsapparat aufbauen und jahrzehntelang führen. Dazu brauchte es Stellvertreter, Hauptabteilungsleiter und Bezirkschefs. Menschen, die Personal auswählten, Aufgaben verteilten und die politische Linie in konkrete Anweisungen übersetzten. Wer verstehen will, wie die Staatssicherheit funktionierte, muss deshalb auch hinter den bekanntesten Namen schauen.

Das Bundesarchiv dokumentiert in seinem biografischen MfS-Handbuch 267 Führungskräfte aus den Jahren 1950 bis 1989. Diese Zahl bezeichnet die im Band erfasste Führungselite, nicht sämtliche leitenden Mitarbeiter. Viele dieser Männer blieben der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Ihre Zuständigkeiten reichten von der Auslandsaufklärung über die Überwachung von Betrieben und Kirchen bis zu Untersuchungen und Haftvollzug. Ausgewählt oder bestätigt wurden diese Spitzenkader durch Führungsgremien und zuständige Stellen der SED. Die Staatssicherheit diente der Sicherung ihrer Herrschaft.

Gerade die Arbeitsteilung macht die Frage nach Verantwortung wichtig. Wer eine Diensteinheit führte, trug Verantwortung für deren Tätigkeit. Welche Entscheidungen jemand persönlich traf und an welchen Maßnahmen er beteiligt war, muss anhand konkreter Quellen untersucht werden. Diese Serie fragt deshalb: Wer waren die Menschen hinter dem Apparat? Wie kamen sie in ihre Positionen? Und was bedeutete ihre Arbeit für diejenigen, die überwacht und verfolgt wurden?

Wenn heute von der Stasi gesprochen wird: Steht Mielke so sehr im Mittelpunkt, dass die übrigen Verantwortlichen dahinter verschwinden?

Quelle: Jens Gieseke (Hg.): „Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit“, Bundesarchiv, 3., korrigierte Auflage 2025, S. 9–10.